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Wachstum der Eurozone-Industrie dehnt sich im April aus
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie bei 53.4 Punkten im April (Vorabschätzung: 53.3)
- Alle erfassten Länder verzeichnen Produktions-steigerungen und Auftragszuwächse
- Ein- und Verkaufspreise sinken weiter
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (April)
Irland 56.1 38-Monatshoch
Deutschland 54.1 (Flash 54.2) 2-Monatshoch
Italien 54.0 36-Monatshoch
Niederlande 53.4 9-Monatstief
Spanien 52.7 2-Monatstief
Österreich 51.4 2-Monatshoch
Frankreich 51.2 (Flash 50.9) 2-Monatstief
Griechenland 51.1 2-Monatshoch
Der Aufwärtstrend der Eurozone-Industrie gewann in April etwas an Kraft. Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) legte von 53.0 Punkten im März auf aktuell 53.4 Punkte zu und erreichte damit ein 3-Monatshoch. Seine Vorabschätzung übertraf er um 0.1 Punkte.
Das Wachstum setzte sich den zehnten Monat in Folge fort und breitete sich im April auf alle von der Umfrage erfassten Länder aus, so dass deren PMI-Werte erstmals seit November 2007 allesamt über der neutralen 50-Punkte-Marke notierten. Auch das Produktionsniveau und die Auftragseingänge legten in allen Ländern zu.
Indessen nahm der Preisdruck insgesamt ab. Die Einkaufspreise sanken so stark wie seit Juli 2013 nicht mehr. Berichten der Umfrageteilnehmer zufolge waren hierfür erfolgreiche Preisverhandlungen, ein verschärfter Wettbewerb unter den Zulieferern sowie gesunkene Preise für Metalle und Lebensmittel ausschlaggebend. Die Verkaufspreise nahmen derweil den zweiten Monat in Folge leicht ab. Einzig in den Niederlanden erhöhten sie sich im letzten Befragungszeitraum.
Irland führte die PMI-Tabelle im April erneut an und erzielte ein 38-Monatshoch. Auch Deutschland, Italien und Österreich verbuchten verstärkte Zuwächse. In Frankreich, Spanien und den Niederlanden verringerte sich der Auftrieb hingegen. Griechenland kehrte wieder in die Wachstumszone zurück.
Das Produktionsniveau der Eurozone hob sich den zehnten Monat in Folge und zugleich stärker als in den vergangenen beiden Monaten. Der derzeitige Index Leistung signalisiert einen Produktionsanstieg von fast 1.0 % auf Quartalsbasis.
Als treibende Kraft wirkte hierbei die weitere Ausweitung der Auftragseingänge. Auf dem Binnenmarkt stabilisierte sich die Nachfrage weiter, während die Exportbestellungen erneut zunahmen. Die Zuwachsrate für die Gesamtauftragseingänge nahm zwar leicht ab, hielt sich aber über dem Durchschnitt für die bislang zehnmonatige Wachstumsphase.
In nahezu allen von der Umfrage erfassten Ländern legten die Exportgeschäfte zu. Ausgenommen hiervon waren nur Griechenland, welches einen Rückgang hinnehmen musste, und Österreich, dessen Auslandsnachfrage weitgehend stagnierte. Die übrigen Länder profitierten von einem günstigen Wirtschaftstrend auf den Schlüsselmärkten wie den USA und Asien.
Die erhöhten Bestelleingänge stellten zahlreiche Hersteller vor eine Herausforderung, so dass die Auftragsbestände den siebten Monat in Folge zunahmen. Infolgedessen schufen die Industrieunternehmen den vierten Monat in Folge neue Arbeitsplätze, wobei die Einstellungsrate so hoch ausfiel wie seit August 2011 nicht mehr.
In Deutschland, Italien und Spanien wurden vermehrt Mitarbeiter unter Vertrag genommen, während sich in Irland und Österreich die Situation auf dem Arbeitsmarkt stabilisierte. Auch die Niederlande und Griechenland meldeten einen leichten Beschäftigungsanstieg, während im Vormonat saldiert noch Mitarbeiter entlassen worden waren. In Frankreich wurden die Personalbestände jedoch begrenzt reduziert, nachdem sich die Lage im März erstmals seit zwei Jahren gebessert hatte.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Der finale PMI für die Industrie der Eurozone vermittelt zu Beginn des zweiten Quartals ein positives Bild: Der April-Wert entspricht einem Produktionswachstum von ca. 1 % auf Quartalsbasis, in Deutschland sind es beinahe 2 %.
Besonders erfreulich ist, dass zuvor strauchelnde Länder wie Spanien und Italien nun ein robustes Wachstum verzeichnen. Die Umfragedaten signalisieren in beiden Fällen ein Wachstum von fast 1.0 %.
Deutschland, Spanien und Italien hatten soweit einen guten Start ins Jahr 2014. Bedenken bereitet weiterhin Frankreich, dessen PMI bisher ein Quartalswachstum von weniger als 0.5 % ausweist und das damit den anderen Ländern deutlich hinterherhinkt. Die Hauptursachen für die unterschiedliche Entwicklung scheinen in den Exportgeschäften und der Wettbewerbsfähigkeit zu liegen. Die in Spanien und Italien verzeichneten soliden Auslandsbestellungen der letzten Monate stehen in starkem Kontrast zu dem eher mittelmäßigen Exportwachstum in Frankreich.
Ungeachtet der abweichenden Zuwachsraten ist die wohl beste Nachricht im April, dass die PMIs für alle von der Umfrage erfassten Länder über der neutralen 50-Punkte-Marke geschlossen haben. Dies zeigt, dass der Aufwärtstrend sich ausbreitet und damit hoffentlich an Nachhaltigkeit gewinnt, da die steigende Nachfrage eines Landes das Wachstum der anderen Volkswirtschaften fördert.
Es bleibt abzuwarten, ob die Nachfragebelebung sich auch in einer höheren Preismacht nieder-schlägt. Diese ist derzeit aufgrund vorhandener Überkapazitäten und der hohen Arbeitslosigkeit in vielen Ländern weiterhin schwach. Nachdem die Verkaufspreise den zweiten Monat in Folge gefallen sind, werden die Entscheidungsträger angesichts der anhaltenden Deflationsgefahr weiterhin angespannt bleiben.”
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