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Bessere globale Konjunktur unterstützt Erholung in Zentral- und
Osteuropa
- Insbesondere ein stärkeres Deutschland und kräftigere EWU sollten sich positiv
auswirken und zur lange erwarteten Erhöhung der Inlandsnachfrage beitragen
- CEE erscheint dank der Reformanstrengungen seit 2008 besser positioniert als andere
Schwellenmärkte, um einen Anstieg der Finanzierungskosten zu bewältigen
- In den jüngeren EU-Mitgliedsländern hat sich das Kreditwachstum auf niedrigerem
Niveau angepasst, Fortschritte bei der Bankenunion sollte positive Effekte haben
Die Konjunkturerholung in der entwickelten Welt und die damit verbundene, beginnende
Normalisierung der Zinsen stellen für die Region Zentral- und Osteuropa Chancen und Risiken
dar. In Zentraleuropa haben sich erste positive Effekte schon 2013 in Form einer höheren
Auslandsnachfrage eingestellt. Dieser Trend sollte sich heuer, unterstützt durch ein stärkeres
Deutschland und eine kräftigere EWU, fortsetzen und zudem zur lange erwarteten Verbesserung
der Inlandsnachfrage führen. Das ist eine der zentralen Aussagen der neuesten Ausgabe des
"CEE Quarterly", das UniCredit Economics & FI/FX Research veröffentlicht. Dementsprechend
haben die UniCredit Analysten die meisten ihrer Prognosen für die jüngeren EU-Mitgliedsländer
nach oben revidiert. Darüber hinaus erscheinen die jüngeren EU-Mitgliedsländer dank der
Reformanstrengungen seit 2008 besser positioniert als andere Schwellenländer, um einen
Anstieg der Finanzierungskosten in den nächsten Quartalen zu bewältigen.
Region profitiert von stärkerer Industrie und gleicht übertriebene Kapitalflüsse aus
Im Gegensatz zum Jahresanfang 2013, als sich die Diskussion über Schwellenmärkte auf das
Management der rekordverdächtigen Portfoliozuflüsse konzentrierte, besteht die wichtigste
Herausforderung für diese Länder zu Beginn 2014 in der Bewältigung von Kapitalabflüssen,
insbesondere auch angesichts einer Normalisierung der Zinsen in der entwickelten Welt. Denn dieser Prozess könnte über mehrere Jahre anhalten. In der Zwischenzeit ist unklar, in welchem
Ausmaß sich die Zuflüsse der Vergangenheit umkehren werden. Es hängt jedoch von einer
Reihe interner und externer Faktoren ab. „Auf Länderebene stellen die zahlreichen Wahlen in
2014 nicht nur ein Risiko sondern auch eine Chance dar, insofern als dass sie neue Reformkraft
entfesseln könnten“, sagt Gillian Edgeworth, Chef-Ökonomin EEMEA bei UniCredit, „Mit Blick
auf CEE stehen heuer etwa in der Türkei und in Ungarn Wahlen an.“ Auf internationaler Ebene
ist die Entscheidung der US-Notenbank, die schrittweise Reduktion ihrer Anleihenkäufe zu
verschieben, ein wertvoller Hinweis auf ihre Absicht eine plötzliche geldpolitische Straffung zu
vermeiden.
Angesichts der Abflüsse von privatem Kapital in den letzten Quartalen ist die Ausdauer
institutioneller Investoren ermutigend. Die UniCredit Analysten sind überzeugt, dass die
Kapitalzuflüsse nicht mehr die Raten von 2011 bis Anfang 2013 erreichen werden, stattdessen
werden die künftigen Kapitalbewegungen von größerer Volatilität als in der Vergangenheit
charakterisiert sein. Insgesamt dürfte jedoch mit dem 1. Quartal 2014 das Schlimmste in Sachen
Kapitalabflüsse überstanden sein, wenn die Märkte die ersten Schritte der US-Notenbank zur
Reduktion der Anleihenankäufe verdaut haben.
Der deutlichste positive Trend, der 2013 in der gesamten Region Zentral- und Osteuropa
sichtbar war, ist die Wende in der Industrieproduktion, die sich auch 2014 fortsetzen soll. In den
ersten neun Monaten vergangenen Jahres hat die industrielle Produktion in Ungarn, Slowakei
und in der Türkei um mehr als 10 Prozent annualisiert zugelegt, in Rumänien und Polen waren
es mehr als 8 Prozent. Diese Verbesserung ist teilweise auf ein besonders schwaches
Jahresfinale 2012 zurückzuführen und signalisiert damit, dass das aktuelle Tempo des
Industriewachstums nicht gehalten werden wird können. Basierend auf der Annahme eines
weiteren Exportwachstums in Deutschland, dem eine Konjunkturerholung auch in anderen
Ländern der EWU folgen sollte, erwarten die UniCredit Analysten weitere Zugewinne der
Industrie.
EU-Fördermittel könnten Erholung beschleunigen, Bankenunion als politischer Anker
Der Rückgang ausländischer Direktinvestitionen seit 2008 ist in CEE prononcierter ausgefallen
als in anderen Schwellenmärkten, allerdings ist die Region auch von einem höheren Niveau
gestartet. In den Jahren 2011 und 2012 lagen die FDI in CEE nur 0,2 Prozentpunkte unter dem
Durchschnitt der Schwellenmärkte. Weiters haben sich FDI in die Produktion seit 2011 erholt.
Ausländische Direktinvestitionen in die Erzeugung haben in den Jahren 2011 und 2012 mehr als
22 Prozent der gesamten FDI ausgemacht und entsprachen nominell betrachtet weitgehend
dem Durchschnitt der Periode 2004 bis 2008. Die Tschechische Republik, Polen und Serbien
sind im Vergleich zu den Jahren vor der Krise am besten in der Lage FDI in die Produktion
anzuziehen, Bulgarien, Kroatien und Litauen hinken hinterher. Diese regionale Entwicklung wird
verstärkt durch die Tatsache, dass Ungarn, Rumänien, Serbien und die Slowakei von der
Inbetriebnahme neuer Fertigungskapazitäten für die Automobilindustrie profitieren.
„Unter der Annahme eines weiteren BIP-Wachstums in Deutschland, begleitet von Signalen für
eine Erholung in der EWU und einer sanften Verlangsamung in China, sollten wir kontinuierlich
steigende FDI in die Produktionssektoren der gesamten Region sehen“, stellt Gillian Edgeworth
fest, „Die Trägheit des Welthandels ist das primäre Risiko für dieses Szenario.“ Nachdem das
EU-Budget 2014-20 und die nächste Förderrunde erst jüngst verabschiedet wurden, werden
diese Mittel voraussichtlich erst zum Jahresende 2014 bzw. Jahresanfang 2015 auch tatsächlich
fließen. Die EU-Förderungen könnten damit dieses Mal die Erholung ankurbeln ebenso wie sie
nach 2008 in manchen Ländern wie Polen oder im Baltikum den Abschwung abgefedert haben.
Neben der Industrie wird das BIP-Wachstum in manchen Ländern auch mehr Unterstützung vom
Kreditgeschäft erhalten. In den jüngeren EU-Mitgliedsländern ist das Kreditwachstum bereits klar
unter das Einlagenwachstum gesunken. Die lokalen Bankensysteme zahlen weiter die
Finanzierungen durch ihre Muttergesellschaften zurück, aber die Bereitschaft der EZB, ein
weiteres LTRO-Programm zur Verfügung zu stellen, sollte das Risiko reduzieren, dass sich diese
Entwicklung beschleunigt. Selbst unter der Annahme, dass sich das Kreditwachstum nicht
beschleunigt sondern ab jetzt stabil bleibt, sollte sich die Inlandsnachfrage in der Tschechischen
Republik und speziell in Polen verstärken. Ein positiver Impuls vom Kreditgeschäft wird zudem
für Ungarn erwartet, was aber weitgehend auf das „Funding for Growth“-Programm der lokalen
Notenbank zurückzuführen ist.
Generell sollte ein Fortschritt bei der Bankenunion innerhalb der EWU positive Effekte auf jene
Länder haben, deren Bankensysteme zu einem großen Teil in ausländischem Eigentum stehen.
2013 verlief in diesem Zusammenhang insofern enttäuschend, als das die Pläne für die Bankenunion
ohne merkliche Fortschritte bei der Einbeziehung der jüngeren EU-Mitgliedsländer, die
außerhalb der EWU bleiben, weiter vorangetrieben wurden. Darüber hinaus bestehen weitere
Herausforderungen wie etwa die Notwendigkeit für griechische Banken, sich von Vermögenswerten
in der gesamten Region zu trennen, oder der hohe Anteil notleidender Kredite in
manchen Ländern. Unter diesem Aspekt könnten schon kleine Fortschritte bei der Bankenmarktkonsolidierung
in der EWU die Verlustrisiken für CEE reduzieren. Wenn erst einmal der
Einheitliche Bankenaufsichtsmechanismus in der EWU etabliert ist, könnten sich EWUMitgliedsländer
und EWU-Nichtmitglieder bereit zeigen, neuerlich über ihre künftige Einbindung
zu diskutieren. Auf diese Weise könnte die Bankenunion als der notwendige politische Anker für
die Region Zentral- und Osteuropa fungieren.
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