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Erholung der Eurozone-Industrie erstreckt sich ins vierte Quartal
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie bei 51.3 Punkten im Oktober, unverändert gegenüber Vorabschätzung
- Erholung setzt sich zaghaft fort …
- … und bleibt breit gefächert, nur Frankreich und Griechenland verbuchen Wachstumseinbußen
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Oktober)
Irland 54.9 30-Monatshoch
Niederlande 54.4 2-Monatstief
Österreich 52.7 28-Monatshoch
Deutschland 51.7 (Flash 51.5) 2-Monatshoch
Spanien 50.9 2-Monatshoch
Italien 50.7 3-Monatstief
Frankreich 49.1 (Flash 49.4) 4-Monatstief
Griechenland 47.3 3-Monatstief
Die Eurozone-Industrie hat ihren bescheidenen Erholungskurs zu Beginn des vierten Quartals beibehalten können. Wenngleich das Wachstum insgesamt nur gering ausfiel, so baute es sich doch auf einer breiten Grundlage auf: Von allen von der Umfrage erfassten Ländern verbuchten nur Frankreich und Griechenland Einbußen, dafür erzielten Österreich, Deutschland, Irland und Spanien erhöhte Zuwachsraten.
Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) legte daher binnen Monatsfrist von 51.1 auf 51.3 Punkte sanft zu. Damit blieb er gegenüber seiner Vorabschätzung vom 24. Oktober konstant und wies den vierten Monat in Folge eine Verbesserung im Industriesektor aus.
Irland setzte sich an die Spitze der Rangliste und ließ somit die Niederlande hinter sich, die auf den zweiten Platz zurückfielen. Die Wachstumsrate in Österreich näherte sich einem Zweieinhalb-Jahreshoch und stieg auch in Deutschland, Irland und Spanien an, in Italien verringerte sie sich jedoch leicht. Frankreich und Griechenland verzeichneten hingegen den stärksten Rückgang seit vier bzw. drei Monaten.
Sowohl die Produktionsleistung als auch der Gesamtauftragseingang der Eurozone-Industrie nahmen im Oktober den vierten Monat in Folge zu. Das Produktionswachstum war dabei das zweithöchste seit annähernd zweieinhalb Jahren und wurde nur im August übertroffen.
Die aktuellen Umfragedaten legen außerdem nahe, dass die Industrieunternehmen ihre Leistung in den kommenden Monaten noch leicht nach oben schrauben könnten. Parallel zu den Ordereingängen stiegen auch die Auftragsbestände langsam an, während die Fertigwarenlager weiter schrumpften.
Bei den Exportbestellungen setzte sich der Aufwärtstrend zum vierten Mal hintereinander fort und kam nah an den 27-Monatsrekord von August heran.
Einzig in Griechenland verschlechterten sich die Exportgeschäfte im Oktober. In Italien, Spanien, den Niederlanden, Irland und Österreich liefen sie hingegen deutlich besser als im Vormonat. Für die beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone wurde hingegen der geringste Zuwachs gemessen. Frankreichs 29-Monatshoch entsprach nur einer geringen Steigerung, zugleich nahm die Nachfrage nach deutschen Produkten weniger stark zu als in den beiden Vormonaten.
Die Stellenstreichungen setzten sich im Industriesektor der Eurozone den 21. Monat in Folge fort und spiegelten dadurch vor allem eine geringe Nachfrage und Einsparmaßnahmen wider. Diese führten auch dazu, dass die Unternehmen saldiert betrachtet ihre Bestellmengen gegenüber dem Vormonat weitgehend unverändert ließen.
Zwar stockten die irischen Hersteller ihre Belegschaft insgesamt kräftig auf, und auch in den Niederlanden und Österreich wurden begrenzt neue Stellen geschaffen. Doch in Deutschland, Frankreich, Spanien und Griechenland beschleunigte sich der Beschäftigungsabbau, wobei die Entlassungsraten in Spanien und Griechenland am höchsten ausfielen. In Italien wurden hingegen so wenige Arbeitsplätze gestrichen wie seit Februar 2012 nicht mehr.
Die Einkaufspreise erhöhten sich im Durchschnitt den zweiten Monat in Folge, nachdem sie in den sieben Monaten zuvor noch abgenommen hatten. Die Kosteninflation war dabei die höchste seit Dezember 2012, blieb aber unter ihrem Langzeit-Durchschnitt.
Die Lieferzeiten der Zulieferer verlängerten sich nicht nur den vierten Monat in Folge sondern zugleich drastischer als in den Monaten seit Juni 2011. Dies deutet darauf hin, dass die Einkaufspreise in der nächsten Zeit möglicherweise weiter steigen werden und sich damit auch der Kostendruck auf die Industrieunternehmen erhöhen könnte.
Entsprechend gering fiel die Preismacht der Hersteller aus. Die Verkaufspreise nahmen zwar den zweiten Monat in Folge zu, aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks und der schwachen Nachfrage fielen die Preiserhöhungen aber nur minimal aus. Von den erfassten Eurozone-Ländern hoben Deutschland, Spanien, die Niederlande und Irland ihre Preise saldiert an.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Der Industriesektor der Eurozone durchläuft derzeit die stärkste Wachstumsphase der letzten zweieinhalb Jahre, seit die eskalierende Schuldenkrise und die damit verbundene zunehmende Verunsicherung den Unternehmen im Jahr 2011 stark zusetzten.
Auch wenn es in mancher Hinsicht enttäuschend ist, dass der PMI in den letzten beiden Monaten keinen steileren Aufschwung ausweisen konnte, so stellt das von der Umfrage erfasste Wachstum dennoch einen deutlichen Wendepunkt für die Genesung der Eurozone-Industrie dar. Während die Umfrageergebnisse für den Industriesektor noch vor ein paar Monaten einen Jahresrückgang der Industrieproduktion von 2-3 % signalisierten, deuten sie nun auf ein Wachstum von 2-3 % hin.
Die Geschwindigkeit, mit der die Erholung vonstattengeht, ist jedoch in jeglicher Hinsicht bedrückend langsam. Besonders die bescheidenen Zuwächse bei Produktionsleistung und Auftragseingang sind zu gering, als dass sie die Unternehmen zur Anstellung zusätzlicher Arbeitskräfte motivieren könnten.
Erfreulicher ist hingegen, dass der Aufschwung auf einem zunehmend breiten Fundament aufbaut und vor allem auch Länder wie Spanien, Italien und Irland einen verstärkten Produktionszuwachs verzeichnen, was darauf hindeutet, dass die Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit sich langsam auszahlen.“
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