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Wachstum der Eurozone-Industrie weitet sich auf drittes Quartal 2013 aus
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie im September bei 51.1 Punkten, unverändert gegenüber Vorabschätzung
- Erholung bleibt breit gefächert, nur Frankreich und Griechenland verzeichnen Produktionsrückgang
- Preisdruck leicht gestiegen
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (September)
- bNiederlande 55.8 29-Monatshoch
- Irland 52.7 14-Monatshoch
- Deutschland 51.1 (Flash 51.3) 2-Monatstief
- Österreich 51.1 2- Monatstief
- Italien 50.8 2- Monatstief
- Spanien 50.7 2- Monatstief
- Frankreich 49.8 (Flash 49.5) 19- Monatshoch
- Griechenland 47.5 2- Monatstief
Die Eurozone-Industrie hat mittlerweile ihre langwierige Rezessionsphase hinter sich gelassen und im September den dritten Monat in Folge Wachstum erzielt. Damit erstreckt sich der Aufschwung nun über das gesamte dritte Quartal.
Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) gab gegenüber seinem 26-Monats-hoch von August geringfügig nach und sank von 51.4 auf 51.1 Punkte. Damit signalisiert er aber immer noch einen leichten Zuwachs. Der finale PMI lag dabei auf einer Linie mit seiner Vorabschätzung.
Sowohl die Produktionsleistung als auch die Auftragseingänge nahmen im September dank einer Stabilisierung der Binnennachfrage und einem fortgesetzt steilen Bedarfsanstieg bei den Exportgütern zu. Jedoch reichten die Zuwachsraten für Produktion, Auftragseingang und Exportaufträge nicht ganz an ihren 27-Monatsrekord von August heran. Mit der Ausnahme von Griechenland konnten aber alle Länder einen Zuwachs bei ihren Exportgeschäften verbuchen.
Die Niederlande führten das Ranking im September erneut an, ihr Einkaufsmanager Index schaffte es fast auf ein Zweieinhalb-Jahreshoch. Auch in Griechenland beschleunigte sich der Aufwärtstrend.
Österreich, Deutschland, Italien und Spanien konnten ebenfalls ein Wachstum verzeichnen. Wenngleich diese Länder ihre moderaten Spitzenwerte aus dem Vormonat nicht zu überbieten vermochten, war der PMI-Rückgang gegenüber August vernachlässigbar.
In Frankreich stabilisierte sich die Lage im Industriesektor weiter: Der französische PMI erreichte ein 19-Monatshoch und schloss mit 49.8 Punkten minimal unterhalb der neutralen 50-Punkte-Linie. Griechenland belegte erneut den letzten Platz der PMI-Tabelle. Mit Ausnahme von zwei Monaten bildet das Land seit insgesamt dreieinhalb Jahren das Schlusslicht.
Schwächen zeigten sich auf dem Arbeitsmarkt der Eurozone-Industrie, wenngleich auch hier Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung sprachen. Obwohl sich der Jobabbau den 20. Monat in Folge fortsetzte, nahm die Entlassungsrate gegenüber den 19 Vormonaten ab und fiel nur noch marginal aus.
In Irland wurden per Saldo neue Arbeitsstellen geschaffen, in den Niederlanden blieben die Beschäftigtenzahlen nahezu konstant. Zugleich verlangsamte sich der Abwärtstrend in Österreich, Griechenland, Deutschland, Italien und Spanien.
Die Auftragsbestände der Industrieunternehmen schrumpften im September wieder, nachdem sie im Vormonat noch minimal zugenommen hatten. Die Abbaurate nahm sich jedoch nur marginal aus und deutet darauf hin, dass die Kapazitäten der Hersteller weitgehend den Produktionsanforderungen entsprachen.
Da die Einkaufs- und Verkaufspreise sich nach einem mehrmonatigen Rückgang im September wieder erhöhten, nahm der Preisdruck im September insgesamt zu. Die durchschnittlichen Einkaufskosten zogen erstmals seit acht Monaten wieder an, was zumindest teilweise auf höhere Energie- und Rohölpreise zurückzuführen ist. Zudem verlängerten sich die Lieferzeiten so stark wie zuletzt im Juni 2011. Dies weist darauf hin, dass der Kostendruck auf die Industrieunternehmen in den nächsten Monaten zunehmen könnte.
Die Kostensteigerung erstreckte sich auf nahezu alle von der Umfrage erfassten Länder und machte sich am stärksten in Irland und den Niederlanden bemerkbar. Nur in Deutschland gingen die Einkaufspreise nach unten, der Rückgang hier war jedoch der geringste seit Jahresbeginn.
Hinsichtlich der Verkaufspreise der Hersteller ließ sich erstmals seit 16 Monaten ein allgemeiner Anstieg messen, der maßgeblich durch Preiserhöhungen in Irland, den Niederlanden, Frankreich und Italien ausgelöst wurde. In Deutschland blieben die Preise hingegen konstant, in den anderen von der Umfrage erfassten Ländern verringerten sie sich. Industrieunternehmen der Eurozone berichteten, dass der anhaltende Wettbewerbs-druck ihre Preismacht weiterhin eindämmte.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Der dritte Zuwachs der Eurozone-Industrie in Folge sendete im September ein beruhigendes Signal: Der Industriesektor verleiht der rezessionsgeplagten Eurozone derzeit einen dringend benötigten Auftrieb.
Selbst die Peripherieländer meldeten eine gestiegene Güternachfrage. Die Auftragseingänge nahmen in Spanien den vierten, in Italien und Irland jeweils den dritten Monat hintereinander zu. Von den Kernländern verzeichneten Deutschland und die Niederlande den dritten Anstieg in Folge, und selbst das zuletzt schwächelnde Frankreich erlebte das erste Auftragsplus seit knapp über zwei Jahren.
Dies sind nicht nur für die Eurozone sondern auch für den Rest der Welt gute Neuigkeiten. Denn zuvor hatten der rezessionsbedingte Nachfragerückgang und durch die Eurokrise ausgelöste Sorgen die globale wirtschaftliche Erholung überschattet: in europäischen Nachbarländern wie Großbritannien bis hin zu entfernten Schwellenländern wie China.
Doch noch besteht kein Grund zum Jubeln. Wenngleich der PMI für die Industrie der Eurozone während der letzten Monate das höchste Wachstum seit über zwei Jahren ausgewiesen hat, ist er gegenüber August wieder ein wenig zurück-gegangen und hält sich nur noch knapp über der neutralen 50-Punkte-Grenze. Dies weist darauf hin, dass wir uns erst am Anfang eines zart anmutenden Aufschwungs befinden.“
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