Konjunkturwende in Österreich, Dynamik noch schwach
Während sich die Wirtschaft außerhalb Europas recht
unterschiedlich entwickelt, zeigen sich in der EU vermehrt Anzeichen
für ein Ende der Rezession. In Österreich deuten die
Unternehmensumfragen und der WIFO-Frühindikator ebenfalls auf eine
Verbesserung der Wirtschaftslage in naher Zukunft hin; bislang sind
die Wachstumsimpulse jedoch noch verhalten.
Die aktuellen Unternehmensumfragen des WIFO im Auftrag der
Europäischen Kommission zeigen eine Verbesserung der Erwartungen zur
künftigen Geschäftslage. Auch die aktuelle Entwicklung wird günstiger
beurteilt als zuletzt. Nach fünf Monaten der Stagnation stieg der
WIFO-Frühindikator im August deutlich; der Großteil der
Teilkomponenten erhöhte sich gegenüber den Vormonaten merklich.
Ein ähnliches Bild zeigen die Umfragen für Deutschland: Der
ifo-Geschäftsklimaindex hatte in den letzten Monaten weiter steigende
Tendenz, die Unternehmen beurteilen sowohl ihre Geschäftslage als
auch die Erwartungen für die Zukunft günstiger als zuletzt.
Die Wirtschaft der Schwellenländer, die bis vor kurzem die
Expansion der Weltwirtschaft getragen hatte, verlor hingegen deutlich
an Dynamik. In China verlangsamte sich das Wachstum seit 2010
erheblich, ähnlich in Indien, Brasilien und Russland. Dagegen ist die
Konjunktur in den USA anhaltend robust und zog in Japan dank
umfangreicher wirtschaftspolitischer Stimuli an.
Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (Â
http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen )
Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen )
Auch in Europa scheint der untere Konjunkturwendepunkt erreicht zu
sein. Im II. Quartal war im Euro-Raum erstmals seit fast zwei Jahren
wieder ein Wachstum zu verzeichnen (+0,3% gegenüber dem Vorquartal).
Es war vor allem auf die Entwicklung in Deutschland (+0,7%) und
Frankreich (+0,5%) zurückzuführen, während sich der Rückgang in
Spanien und Italien merklich verlangsamte. Außerordentlich kräftig
wuchs die portugiesische Wirtschaft nach einer lang andauernden
Rezession (+1,1%).
Im August stieg der Economic Sentiment Indicator der EU deutlich
um 2,7 Punkte auf einen Stand von 95,2 für den Euro-Raum bzw. um 3,1
Punkte auf 98,1 für die EU insgesamt. Er blieb damit nur wenig unter
der Schwelle von 100 Punkten, die dem langjährigen Durchschnitt
entspricht. Die Verbesserung beruhte auf breiter Basis - die größten
Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien
verzeichneten einen kräftigen Anstieg. Die Finanzmarktkrise ist in
der EU aber noch nicht überwunden: Viele Banken befinden sich
weiterhin in einer schwierigen Lage, und in einigen Ländern belasten
Strukturprobleme die Wirtschaft anhaltend. Die Aufwertung des Euro
gegenüber vielen wichtigen Währungen könnte zudem in weiterer Folge
den Export dämpfen.
Auch die österreichische Wirtschaft scheint den unteren
Konjunkturwendepunkt durchschritten zu haben, das BIP stieg im II.
Quartal gegenüber der Vorperiode neuerlich um 0,1%. Zwar sind die
Auftriebskräfte noch gering, doch sehen die Unternehmen die weitere
Entwicklung in den Umfragen optimistischer als zuvor.
Die bislang schleppende Wirtschaftsentwicklung belastet nach wie
vor den heimischen Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung wächst zwar, aber
anhaltend schwach (August +0,1% gegenüber dem Vormonat), und die
Arbeitslosigkeit steigt weiter. Zuletzt erhöhte sich die Zahl der
gemeldeten Arbeitslosen auf 263.100 (+4.100 gegenüber dem Vormonat
bzw. +30.400 gegenüber August 2012). Die saisonbereinigte
Arbeitslosenquote stieg damit auf 7,8%.