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Erholung der Eurozone-Industrie nimmt im August Fahrt auf
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie im August bei 51.4 Punkten (Juli 50.3) auf 26-Monatshoch
- Zunehmendes Wachstum in Deutschland, den Niederlanden, Italien, Österreich und Irland
- Einkaufspreise weitgehend stabil
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (August)
Niederlande 53.5 27-Monatshoch
Österreich 52.0 18-Monatshoch
Irland 52.0 9-Monatshoch
Deutschland 51.8 (Flash 52.0) 25-Monatshoch
Italien 51.3 27-Monatshoch
Spanien 51.1 29-Monatshoch
Frankreich 49.7 (Flash 49.7) Unverändert
Griechenland 48.7 44-Monatshoch
Die Erholungsphase der Eurozone-Industrie hat sich im August auf zwei Monate ausgeweitet. Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) nahm den vierten Monat in Folge zu und erreichte mit 51.4 Punkten den höchsten Wert seit Juni 2011. Dabei überschritt er seine Vorabschätzung um 0.1 Punkte.
Einzig die PMIs für Frankreich und Griechenland schlossen unterhalb der neutralen 50-Punkte-Grenze, alle anderen Länder-PMIs verbesserten sich. Das höchste Wachstum erzielten die Niederlande, gefolgt von Österreich und Irland.
Die Wachstumsraten für Produktion, Auftragseingang und Exportaufträge legten gegenüber dem Vormonat zu und erreichten jeweils den höchsten Wert seit Mai 2011. Die Quote Auftragseingang/ Fertigwarenlager erreichte ein 28-Monatshoch und die Auftragsbestände wuchsen leicht an. Dies trug auch dazu bei, dass die Hersteller ihre Geschäftsaussichten nach wie vor positiv einschätzen.
Im Zuge der vermehrten Auftragseingänge erhöhten die Industrieunternehmen in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Österreich saldiert ihre Produktionsleistung weiter. Auch in Irland nahmen die Fertigungsvolumen erneut zu und wurden in Spanien aktuell wieder angehoben.
Dieselben Länder vermeldeten im August anziehende Exportgeschäfte. In Italien und den Niederlanden stieg die Zuwachsrate auf ein 28-Monatshoch an, während Spanien ein 32-Monatshoch und Österreich ein 29-Monatshoch verbuchen konnten. Nach einem fünfmonatigen Abwärtstrend legte auch die Exportrate in Deutschland wieder zu, während sie in Irland annähernd konstant auf dem 7-Monatshoch von Juli blieb.
In Frankreich hingegen gingen Produktionsleistung, Auftragseingänge und Exportaufträge zurück. Auch in Griechenland reduzierte sich der Leistungsausstoß, obwohl sich die Gesamt- und Exportauftragseingänge nach einer langwierigen Rückgangsphase wieder stabilisiert hatten.
Der Inflationsdruck blieb im August niedrig, da sowohl die Einkaufs- wie auch die Verkaufspreise gegenüber dem Vormonat im Durchschnitt weitgehend konstant blieben. Die Verkaufspreise erhöhten sich lediglich in Italien und Österreich.
In Italien, Österreich, Irland und Griechenland stiegen die Einkaufspreise saldiert an, in den anderen von der Umfrage erfassten Ländern gingen sie indes zurück. Insgesamt nahm der Index Einkaufspreise für die Eurozone-Industrie um 6.8 Punkte gegenüber dem Vormonat zu und signalisierte damit ein starkes Nachlassen des Deflationsdrucks. Dies entspricht zugleich dem zweitstärksten Index-Anstieg seit Beginn der Umfrage.
Die Stabilisierung der durchschnittlichen Einkaufspreise spiegelte auch eine leicht verbesserte Nachfrage nach Einstandsmaterialien wieder. Die gesteigerte Produktionsleistung der Industrieunternehmen hatte zu den ersten Mehreinkäufen seit Juni 2011 geführt. Dadurch verlängerten sich auch den zweiten Monat in Folge die Lieferzeiten der Zulieferer, die gewissermaßen als Barometer für den Lieferdruck dienen.
Ein Schwachpunkt der jüngsten Entwicklung offenbarte sich im aktuellen Jobabbau, der sich mittlerweile den 19. Monat in Folge fortsetzt. Im Zuge der vermehrten Stellenkürzungen in Deutschland, Italien und Spanien stieg auch die Entlassungsrate für die Eurozone-Industrie gegenüber Juli insgesamt leicht an. Diese lag aber unter dem Durchschnitt der derzeitigen Negativphase. Nur Irland konnte einen Beschäftigungszuwachs vermelden.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Die Industrie der Eurozone zeigte im August weitere Anzeichen einer Erholung. Wenngleich die Wachstumsraten relativ niedrig ausfielen, vermeldeten die Unternehmen die stärkste Verbesserung seit knapp über zwei Jahren. Die vermehrten Auftragseingänge lassen darauf schließen, dass sich der Aufwärtstrend auch im September fortsetzen dürfte.
Besonders ermutigend ist hierbei, dass die Erholung breit gefächert ist: Die Länder-PMIs stiegen in allen Ländern mit Ausnahme von Frankreich und Griechenland, wo sich die Lage jedoch nach einer Verschlechterung in den vergangenen Monate zumindest stabilisiert hat. Deutschland, die Niederlande, Österreich, Spanien und Italien erleben derzeit die stärkste Wachstumsrate im Industriesektor seit über zwei Jahren, und selbst in Griechenland schwächte sich der Rückgang deutlich ab.
Die politischen Entscheidungsträger dürften durch die aktuellen Umfragedaten weitere Zuversicht schöpfen, da diese zusätzliche Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung der Eurozone liefern. Doch die weiterhin geringe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen – die ihre Kosten senken mussten um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die steigenden Ölpreise auszugleichen – deutet darauf hin, dass noch einiges geschehen muss, bis sich die Konjunkturerholung durch ein ausreichendes Beschäftigungswachstum speisen kann.“
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