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Bank Austria Konjunkturindikator: Leicht gesunkene Konsumentenstimmung drückt auf Konjunkturklima
- Bank Austria Konjunkturindikator fällt im Juni wieder leicht in den Minusbereich
- Verbrauchervertrauen verschlechtert sich leicht, bleibt jedoch weiterhin deutlich
besser als im Durchschnitt des Euroraums
- Konsum dürfte trotzdem 2013 erstmals seit 1997 nicht wachsen
- Stimmung in wichtigen Exportmärkten, vor allem in Europa, verbessert sich
- Rahmenbedingungen für 2014 deutlich besser
- Industrieländer dürften 2014 erstmalig nach 2009 mehr zur Beschleunigung des
Weltwirtschaftswachstums beitragen als die Emerging Markets
„Während sich die Stimmung der Industrie in Europa leicht verbessert, drückt zu Ende des
ersten Halbjahres die leicht gesunkene Stimmung der Konsumenten das Konjunkturklima in Österreich. Dies spiegelt sich im Bank Austria Konjunkturindikator wider, der im Juni in den
negativen Bereich fiel“, fasst Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer die aktuelle
Konjunkturstimmung in Österreich zusammen.
„In fast allen wichtigen Exportmärkten des Euroraums erreicht die Stimmung der Industrie im
Juni 2013 einen deutlich besseren Wert als noch vor einem Jahr. Österreichs Industrie und die
Verbraucher sind hier leider noch zurückhaltender“, meint Bruckbauer. Zwar ist auch in
Österreich, sowohl bei den Konsumenten als auch bei der Industrie, die Stimmung seit dem
erneuten Einbruch im Gefolge der Griechenlandkrise wieder besser geworden. Der kurzfristige
Dämpfer im ersten Halbjahr 2013 war jedoch ausgeprägter und dauert länger als in vielen
anderen Ländern.
Österreichs Exporte konnten in den ersten vier Monaten wieder zulegen, wenn auch nur 1,7
Prozent. Die Importe liegen jedoch 3,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Auch das
Verbrauchervertrauen, Auslöser für den Rückgang des Bank Austria Konjunkturindikators, hat
sich in den letzten Monaten anders als in vielen Ländern Europas, nicht verbessert, sondern
sogar leicht verschlechtert, bleibt jedoch weiterhin deutlich besser als im Durchschnitt des
Euroraums.
Im zweiten Quartal haben Österreichs Konsumenten weniger ihre aktuelle Situation als
schlechter eingestuft als noch im ersten Quartal, sondern vielmehr die Zukunftsaussichten etwas
negativer beurteilt. Allerdings fiel der Stimmungsrückgang weniger dramatisch aus als etwa im
Herbst 2012 oder gar 2009. Es ist daher davon auszugehen, dass mit der Verbesserung der
wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum und deren positive Effekte auf Österreich, auch dieser
Pessimismus im Verlauf des zweiten Halbjahres sinken wird. Trotzdem belastet der schwache
Konsum die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich. Die Ökonomen der Bank Austria erwarten,
trotz leichter Verbesserung im zweiten Halbjahr, für 2013 zum ersten Mal seit 1997 eine
Stagnation des realen Konsums in Österreich.
Die Inflationsentwicklung und vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit sind bestimmende
Faktoren für die Konsumentenstimmung. „Die Inflationsrate sollte im zweiten Halbjahr ihren
Rückgang fortsetzen und mit Werten unter 2 Prozent zur Verbesserung des Konsumklimas in
Österreich beitragen“, analysiert Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Beim zweiten wesentlichen Einflussfaktor auf die Konsumentenstimmung, dem Arbeitsmarkt, erwarten die
Ökonomen der Bank Austria erst für 2014 eine erkennbare Entspannung mit einer Trendwende
bei der Arbeitslosenquote und einer leichten Beschleunigung des Beschäftigungswachstums.
Nach Meinung der Ökonomen der Bank Austria sollte sich die Stimmung im Euroraum auch in
den nächsten Monaten weiter verbessern. Nach einem erwarteten nochmaligen Rückgang der
Wirtschaftsleistung im abgelaufenen zweiten Quartal dürfte der Euroraum bereits im dritten
Quartal wieder auf Wachstumskurs einschwenken, der sich 2014 fortsetzen sollte. Nach einem
Minus von 0,6 Prozent 2013 sollte der Euroraum 2014 wieder 1,0 Prozent wachsen können.
Auch die USA wird 2014, nach der Reduktion der dämpfenden Effekte der starken
Haushaltskonsolidierung zu Jahresbeginn 2013, mit 2,6 Prozent nach 1,8 Prozent 2013, wieder
stärker wachsen. „Für 2014 erwarten wir, dass die Industrieländer erstmalig nach 2009 mehr zur
Beschleunigung des Weltwirtschaftswachstums beitragen werden als die Emerging Markets,
deren Wachstum 2014 zwar weiterhin deutlich höher sein wird als in den Industrieländern, aber
gegenüber 2013 kaum zunehmen dürfte“ so Bruckbauer.
Österreichs Wirtschaft sollte ebenfalls im zweiten Halbjahr wieder positive Wachstumsraten
zeigen, für das eben vergangene Quartal erwarten die Ökonomen zwar auch ein leichtes
Wachstum. Hier ist aber das Risiko nach unten gerichtet, abhängig vom Effekt der schwachen
Importe. Für 2013 in Summe bleibt die Bank Austria bei ihrer Prognose von 0,4 Prozent
Wachstum und auch die Prognose für 2014 mit 1,6 Prozent bleibt unverändert.
Die größten Risken für eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung in Österreich gehen
derzeit von der globalen Entwicklung aus, weniger vom Euroraum. Im Euroraum bleiben
politikinduzierte Risken, etwa bei der Umsetzung der Bankenunion, bestehen. Die nachlassende
Notwendigkeit einer sehr restriktiven Fiskalpolitik wird jedoch Entspannung bringen. Das
strukturelle Defizit dürfte bereits 2013 mit rund eineinhalb Prozent nahe am Ziel von einem
halben Prozent angekommen sein, das heißt, dass die dämpfenden Effekte der
Haushaltskonsolidierung 2014 deutlich abnehmen werden. Auch die Risken, die vom Auslaufen
der sehr expansiven Geldpolitik in den USA auf den Euroraum ausgehen, sollten mit Hilfe einer
kreativen Geldpolitik durch die EZB zu bewältigen sein. Ein deutlicher als heute erwarteter
Wachstumseinbruch in den Emerging Markets könnte jedoch die Erholung auch im Euroraum
und damit auch in Österreich verzögern.
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