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Eurozone Einkaufsmanager Index erreicht im Juni ein 16-Monatshoch
- Finaler PMI für die Eurozone-Industrie notiert im Juni bei 48.8 Punkten (Flash 48.7)
- Länder-PMIs steigen mit Ausnahme von Deutschland
- Preisdruck nimmt weiter ab
Rangliste nach PMI®-Indexwerten (Juni)
Irland 50.3 4-Monatshoch
Spanien 50.0 26-Monatshoch
Italien 49.1 23-Monatshoch
Niederlande 48.8 4-Monatshoch
Deutschland 48.6 (Flash 48.7) 2-Monatstief
Frankreich 48.4 (Flash 48.3) 16-Monatshoch
Österreich 48.3 4-Monatshoch
Griechenland 45.4 24-Monatshoch
Die Industrie der Eurozone ist zum Ende des zweiten Quartals einer Stabilisierung einen Schritt näher gekommen. Sowohl bei der Produktion als auch beim Auftragseingang verringerten sich die Rückgangsraten weiter. Der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) stieg von 48.3 im Mai auf 48.8 im Juni und ließ damit nicht nur seine Vorabschätzung von 48.7 hinter sich, sondern kletterte auch auf ein 16-Monatshoch. Außerdem notiert der PMI-Durchschnittswert für das zweite Quartal mit 47.9 auf dem höchsten Stand seit dem ersten Quartal 2012. Allerdings hat der PMI seit August 2011 die neutrale 50-Punkte-Grenze nicht mehr überschritten.
Abgesehen von Deutschland nahmen die PMIs für alle von der Umfrage erfassten Länder zu. Irland erzielte einen marginalen Anstieg und Spanien schaffte es bis an die Wachstumsgrenze. In Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich und Griechenland verringerten sich die Wachstumseinbußen.
Die Gesamtproduktion der Eurozone-Industrie sank den 16. Monat in Folge, allerdings mit einer geringeren Rückgangsrate als in den 15 Vormonaten. In Italien und Irland wurde die Produktionsleistung indes angehoben, in Deutschland und den Niederlanden erhöhte sie sich den zweiten Monat in Folge. Frankreich und Spanien verbuchten im Juni die niedrigsten Einbußen seit Beginn ihres konjunkturellen Abschwungs, Österreich rutschte in den Schrumpfungsbereich ab.
Bei den Auftragseingängen verzeichnete die Eurozone die geringsten Verluste seit zwei Jahren. Viele Unternehmen gaben in der Umfrage an, dass sich der Nachfragerückgang auf einigen Binnenmärkten abgemildert hatte.
Die Zahl der Exportaufträge ging im Juni insgesamt leicht zurück. Vor allem in Deutschland, Frankreich, Irland und Griechenland verschlech-terten sich die Exportgeschäfte. Doch auch in Österreich lief der Außenhandel nicht mehr so gut wie im Vormonat. Dagegen erreichte die Nachfrage nach spanischen und italienischen Produkten ein 26-Monatshoch und der Bedarf an nieder-ländischen Produkten ein 5-Monatshoch.
Der Preisdruck ließ im Juni weiter nach, sowohl die Einkaufspreise als auch die Verkaufspreise wurden im Durchschnitt gesenkt. Die Einkaufspreise verringerten sich im Zuge diverser Vergünstigungen für verschiedene Güter insgesamt den fünften Monat in Folge. Das Zusammenwirken von reduzierten Einkaufspreisen, der schwachen Nachfrage und dem hohen Wettbewerbsdruck führte zum stärksten Fall der Verkaufspreise seit Januar 2010.
Der Stellenabbau setzte sich den 17. Monat in Folge fort, diesmal allerdings nur mit der geringsten Entlassungsrate seit März 2012. Dennoch verfügten die Industrieunternehmen weiterhin über Kapazitätsüberhänge, so dass sie ihre Auftragsbestände erneut abbauten.
Nur Irland konnte sich im Juni dem allgemeinen Trend widersetzen und das Beschäftigungsniveau anheben. In Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Griechenland verlangsamte sich der Stellenabbau, in Deutschland und den Niederlanden beschleunigte er sich hingegen.
Auch bei ihren Bestelllisten setzten die Produzenten abermals den Rotstift an, reduzierten ihre Bestellmengen aber so geringfügig wie seit Februar 2012 nicht mehr. Die Vormaterial- und Fertigwarenlager wurden während der aktuellen Umfrageperiode ebenfalls abgebaut. Die Quote Auftragseingang/Fertigwarenlager erreichte im Juni ein 25-Monatshoch, was darauf hindeutet, dass der derzeitige Abbau der Fertigwarenlager sich in den nächsten Monaten förderlich auf die Produktionsleistung auswirken könnte.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Erfreulicherweise mehren sich die Anzeichen für eine Stabilisierung der Eurozone-Industrie. Sowohl das Produktionsniveau als auch die Auftragseingänge sind im Juni insgesamt kaum gesunken. Sofern sich der Trend weiter verbessert, dürfte der Industriesektor im dritten Quartal auf den Wachstumspfad zurückkehren.
Deutschland und die Niederlande verzeichneten beide einen Produktionsanstieg, doch die positivsten Signale kamen aus den Peripherieländern. Irland und Italien hoben ihre Produktion wieder an, während sich die einstmals hohe Rückgangsrate in Spanien auf ein Minimum reduzierte.
Am schlechtesten schnitten Griechenland und Frankreich ab, wobei sich aber Frankreichs starker Abwärtstrend weiter verlangsamte.
Preissenkungen und der intensive Wettbewerb dämmten derweil den Inflationsdruck weitgehend ein, so dass dieser den politischen Entscheidungsträgern keinen größeren Anlass zur Sorge bietet.
Angesichts der derzeitigen Rekordarbeitslosigkeit in der Eurozone ist es etwas enttäuschend, dass sich der Stellenabbau in der Industrie im Juni fortgesetzt hat. Auch ist ein unmittelbares Ende der Rationalisierungsmaßnahmen nicht in Sicht. Da ist es zumindest ein gewisser Trost, dass die Entlassungsrate auf den geringsten Wert seit über einem Jahr gesunken ist.”
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