|
Wirtschaftsbarometer: Deutliche Stagnation der heimischen Konjunktur!
Bodenbildung erreicht - Zurückhaltendes Investitionsniveau - Sorgen bereiten schwache Entwicklung des Euroraums, hohe Steuerlast und Bürokratieaufwand
Die aktuelle Konjunkturumfrage der
Wirtschaftskammer Österreich, das Wirtschaftsbarometer, zeigt eine
deutliche Stagnation der heimischen Konjunktur. "Die Entwicklung der
letzten sechs Monate ist aus Sicht der Unternehmen enttäuschend
verlaufen und stagniert nun das 5. Quartal in Folge. Die Bodenbildung
ist zwar nun erreicht, ein spürbarer Aufschwung ist aber aufgrund der
vorliegenden Daten nicht zu erkennen", betonte heute, Mittwoch, der
Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der WKÖ, Christoph
Schneider, bei der Pressekonferenz im Vorfeld des morgigen
Wirtschaftsparlaments. Es sei aber positiv zu werten, dass die
Unternehmen "sich nicht entmutigen lassen" und die eigene Situation
besser einschätzen als das allgemeine Wirtschaftsklima. Dies führe
dazu, dass die Mehrzahl der Unternehmen (6 von 10) ihren
Mitarbeiterstand halten. Damit werde ein wesentlicher Beitrag zur
noch relativ stabilen Entwicklung des Arbeitsmarktes geleistet.Â
Konkret rechnen nur 13 % der Unternehmen (im Herbst 4 %) mit einer
Verbesserung des Wirtschaftsklimas. In Hinblick auf die Entwicklung
des Gesamtumsatzes ist keine wesentliche Belebung der
Auslandsgeschäfte zu erwarten. Die mittleren Unternehmen weisen im
Größenvergleich die optimistischsten Erwartungen auf, von denen
jeweils mehr als ein Drittel eine Verbesserung der Auftragslage bzw.
Kapazitätsauslastung erwartet. "Damit tragen sie in dieser
herausfordernden Situation Wirtschaftswachstum und Beschäftigung",
unterstrich Schneider. Die großen Unternehmen sind pessimistischer
als die kleinen Unternehmen und schätzen ihre Kapazitäten als
unterausgelastet ein. Export, Auftragslage und Kapazitätsauslastung
der Betriebe bewegen sich mit geringer Dynamik.Â
Die Hindernisse, mit denen die Betriebe in dieser schwierigen
Situation konfrontiert sind, zeigen sich unterschiedlich nach
Unternehmensgröße: Während kleine Unternehmen (bis 49 Beschäftigte)
steigende Steuern und Abgaben (56 Prozent), steigende Energie und
Rohstoffpreise (53 Prozent) und bürokratische Hemmnisse (50 Prozent)
nennen, monieren mittlere (50-249 Beschäftigte) und große Unternehmen
(über 250 Beschäftigte) überwiegend die zu geringen
Reformanstrengungen der Politik im Inland (52 Prozent) und die
Wachstumsschwäche im Euroraum (59 Prozent).Â
Besondere Zurückhaltung bei Investitionen
Sorgen bereitet der Investitionsbereich. Mehr als ein Drittel
erwartet in den kommenden 12 Monaten sinkende Investitionen und nur
38 Prozent eine gleichbleibende Entwicklung. Kleine Unternehmen
zeigen sich besonders zurückhaltend. Hinzu komme, so Schneider, dass
nur die Hälfte der Unternehmen Rationalisierungsinvestitionen planen.
"Damit leiden Innovationen und die Entwicklung der Produktivität und
damit schlussendlich die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe", so
Schneider.Â
"Der Aufschwung ist verschoben", konstatiert der
Wirtschafts-Experte. Frühestens mit dem 4. Quartal dieses Jahres sei
mit einer leichten Verbesserung der Konjunktur zu rechnen. Denn die
Einschätzungen der Erwartungen liegen deutlich unter dem langjährigen
Durchschnitt und weisen somit auf erhebliches Aufwärtspotenzial hin.
"Das gedämpfte Wirtschaftsklima verdeutlicht, dass die Unsicherheit
nach wie vor hoch ist. Hier gilt es nun Maßnahmen zu setzen, die die
Konjunktur stützen, damit wir nicht noch mehr Boden verlieren",
betonte Schneider abschließend.Â
Das Wirtschaftsbarometer ist die umfassendste Befragung der
Mitglieder der gewerblichen Wirtschaft zur konjunkturellen Situation,
zu ihren Erwartungen und wirtschaftspolitischen Fragestellungen unter
3.000 teilnehmenden Unternehmen.
|