Bauproduktion in Europa weiterhin rückläufig - Österreichischer Wohnungsneubau 2013 verhalten
Der Druck auf die europäische Bauwirtschaft hält
2013 an, das Bauvolumen wird im Jahresdurchschnitt um 2,8% niedriger
sein als im Vorjahr. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Prognose des
Bauforschungsnetzwerkes Euroconstruct, dem Forschungsinstitute in 19
europäischen Ländern angehören. Der öffentliche Spardruck dämpft
insbesondere die Tiefbauproduktion, während das schwache
gesamtwirtschaftliche Umfeld, die hohe Arbeitslosigkeit und das
mangelnde Verbrauchervertrauen die Aussichten für den Wohnbau und den
sonstigen Hochbau schwächen.
Das europäische Bauforschungsnetzwerk Euroconstruct stellte am 14.
Juni im Rahmen seiner 75. Konferenz in Kopenhagen die aktuelle
Prognose für das Bauwesen in den 19 europäischen Mitgliedsländern
vor.
Die Bauwirtschaft in Europa entwickelt sich demnach 2013
ungünstig. Die Prognose eines Rückganges des Bauvolumens um 2,8%
beruht auf mehreren Faktoren: In erster Linie sind dies die
Verwerfungen aufgrund der Staatsschuldenkrise in einigen europäischen
Ländern, der Spardruck auf die öffentlichen Haushalte und die
Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Wirtschaft. Die
Wachstumsaussichten für die österreichische Bauwirtschaft sind dank
des stabileren gesamtwirtschaftlichen Umfeldes besser, der Anstieg
wird aber gering ausfallen.
Die europäische Staatsschuldenkrise dämpft insbesondere die
Perspektiven für den Tiefbau. Die Tiefbauproduktion schrumpft damit
seit vier Jahren (2013 -3,5%) und wird 2013 um knapp ein Fünftel
unter dem Höchstwert von 2009 liegen (damals gestützt durch
Konjunkturbelebungsmaßnahmen). Ausbau und Sanierung der
Verkehrsinfrastruktur geraten dadurch in Rückstand und sind in
einzelnen Bereichen bereits stark überlastet. Vor allem in Nord- und
Mitteleuropa reagiert die öffentliche Hand bereits darauf, für 2014
wird hier eine Kehrtwende im Tiefbau erwartet. Die
Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre sind dennoch insgesamt
ungünstig. Der österreichische Tiefbau entwickelt sich ebenfalls
verhalten. Nach einem leichten Rückgang 2013 (-0,6%) werden in den
nächsten Jahren Impulse durch den Ausbau der Verkehrs- und
Energieinfrastruktur erwartet.
Trotz der Belebung in den USA und den Schwellenländern verzögert
sich der Aufschwung der europäischen Wirtschaft weiterhin. Die
Aussichten für den privaten Konsum, den Arbeitsmarkt und die
Einkommensentwicklung sind deshalb gedämpft. Die Arbeitslosigkeit
dürfte heuer ihren Höchstwert erreichen. Von der Konjunktureintrübung
ist der Hochbau besonders betroffen: Der sonstige Hochbau und hier
insbesondere der Geschäftsbau und Bürobau sind stark von der
Konjunkturschwäche in Europa geprägt. Insgesamt schrumpft das
Bauvolumen im sonstigen Hochbau 2013 um 3,3%. Besonders negativ ist
derzeit die Entwicklung in Spanien und Portugal, in nur wenigen
Ländern sind Zuwächse zu beobachten. Mit der Stabilisierung des
gesamtwirtschaftlichen Umfeldes in Europa wird diese Bausparte neue
Impulse erhalten. In Österreich ist die Entwicklung des sonstigen
Hochbaus ebenfalls stark von den gesamtwirtschaftlichen Trends
geprägt: Während die meisten Sparten sich eher verhalten entwickeln,
ermöglicht die günstigere Entwicklung der österreichischen
Exportwirtschaft eine Ausweitung vor allem im Industriebau.
Auch der europäische Wohnbau wird durch die Konjunkturschwäche
beeinträchtigt: Insgesamt werden in den 19 Euroconstruct-Ländern 2013
rund 1,3 Mio. Wohneinheiten fertiggestellt, um rund 125.000 Einheiten
weniger als 2012. Zudem sind die Banken restriktiver in der Vergabe
von Hypothekarkrediten. Trotz der niedrigen Zinssätze werden
Hypothekardarlehen jedoch auch weniger stark nachgefragt. Dafür
dürften die mittelfristige Einkommensunsicherheit der privaten
Haushalte und das fehlende Verbrauchervertrauen mit bestimmend sein.
Weil die Projekte meist weniger groß dimensioniert sind und in vielen
Ländern durch Förderungen bzw. Steuererleichterungen gestützt werden,
entwickelt sich der Renovierungssektor stabiler.
Der österreichische Wohnungsneubau wächst 2013 mit +0,8%
vergleichsweise kräftig. Der Anstieg der Bevölkerungszahl und der
Zahl der Haushalte (vor allem in Ballungszentren), die relativ
günstige Lage auf dem Arbeitsmarkt (die sich jedoch verschlechtert)
und der Anstieg der Immobilienpreise begünstigen die Entwicklung. In
den nächsten Jahren wird der Wohnungsneubau allerdings schwächer
expandieren, denn die Baubewilligungen sanken bereits 2012 um über
10%. Neben dem Rückgang des geförderten Segments zeichnete sich somit
auch ein Nachlassen des freifinanzierten Angebotes ab. Dieser
Abwärtstrend wird sich 2013 in etwas abgeschwächter Form fortsetzen,
2014 aber stabilisieren.
Die Statistik der Wohnbaubewilligungen für die Jahre 2008/2011
wurde im Zuge der Veröffentlichung der Daten für 2012
abwärtsrevidiert. Dies beeinflusst zwar die erwartete Entwicklung nur
wenig, das Niveau wird jedoch 2013 bei nur rund 35.800 Einheiten
liegen. Im europäischen Vergleich bleibt die Wohnbaurate (Zahl der
bewilligten Wohneinheiten je 1.000 Personen) zwar mit über 4
Einheiten vergleichsweise hoch, liegt jedoch deutlich unter dem Wert
von 2011 (5 Einheiten).
Übersicht 1: Bauvolumen nach Sparten in den 19 Euroconstruct-Ländern
- auf der WIFO-Website
(
http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Übersicht 2: Entwicklung der Baubewilligungen in Österreich im
internationalen Vergleich - auf der WIFO-Website
(
http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)