Konjunktur - Eurozone: Geringste Wachstumseinbußen im Mai seit drei Monaten

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Eurozone: Geringste Wachstumseinbußen im Mai seit drei Monaten



- Finaler Eurozone Composite Index: 47.7 (Flash 47.7, April 46.9)
- Finaler Eurozone Service-Index: 47.2 (Flash 47.5, April 47.0)
- Deutschland erwirtschaftet schwachen Zu-wachs, Spaniens und Frankreichs Talfahrt verlangsamt sich

Die Eurozone-Privatwirtschaft schrumpfte im Mai insgesamt weniger als noch im Monat zuvor. Denn sowohl im Industrie- als auch im Dienstleistungssektor schwächte sich der Abwärtstrend binnen Monatsfrist ab. Während die Rückgangsrate für die Industrie ein 15-Monatstief erreichte, sank sie im Dienstleistungssektor auf ein 3-Monatstief.

Mit 47.7 notiert der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) auf demselben Stand wie seine Vorabschätzung und über dem April-Wert von 46.9. Deutschland schaffte es im Mai wieder in die Wachstumszone: Die verstärkte Dynamik der Industrie konnte eine leichte Abschwächung im Dienstleistungssektor mehr als ausgleichen. Frankreich, Spanien und Italien verzeichneten weiterhin starke Wachstumseinbußen. In Frankreich und Spanien verringerten sich die Rückgangsraten jedoch, in Italien stabilisierte sie sich.

Doch drohen sich die Geschäftsaussichten für die Privatunternehmen der Eurozone angesichts der anhaltenden Abnahme des Gesamtauftragseingangs zu verschlechtern. Dieser verringerte sich den 22. Monat in Folge. Während die Einbußen im Dienstleistungssektor zunahmen, milderten sie sich in der Industrie ab. Betroffen waren alle vier Kernländern der Eurozone. Der Negativtrend schwächte sich in Spanien stark ab, in Deutschland und Frankreich hingegen leicht, und verstärkte sich in Italien.

Der Beschäftigungsabbau setzte sich im Euroraum den 17. Monat in Folge fort. Neben Frankreich, Italien und Spanien wurden in auch Deutschland erstmals seit vier Monaten im Schnitt Stellen gekürzt. Trotz der Entlassungen verfügten zahlreiche Privatunternehmen aber immer noch über Kapazitätsüberschüsse, weshalb ihre Auftragsbestände weiter schrumpften.

Rangliste nach Composite Output Index (Mai):

Deutschland 50.2 2-Monatshoch
Spanien 47.2 23-Monatshoch
Italien 46.6 Unverändert
Frankreich 44.6 5-Monatshoch

Da sowohl die Einkaufs- als auch Verkaufspreise gegenüber dem Vormonat zurückgingen, war der Deflationsdruck war im Mai deutlich zu spüren.

Die Einkaufspreise nahmen den zweiten Monat hintereinander moderat ab, denn der – vor allem durch niedrigere Materialkosten bedingte – größte Preisrückgang in der Industrie seit Juli 2009 überwog den starken Anstieg im Dienstleistungssektor leicht.

Angesichts der geringen Nachfrage und des scharfen Wettbewerbs sanken auch die Verkaufspreise im Durchschnitt weiter ab. Sowohl Dienstleister als auch Hersteller gewährten ihren Kunden ähnlich hohe Preisnachlässe. Besonders Unternehmen in Frankreich, Italien und Spanien zeigten sich zu Zugeständnissen bereit, in Deutschland hingegen blieben die Preise gegenüber April annähernd konstant.

Servicesektor:

Der Dienstleistungssektor verzeichnete im Mai erneut markante Wachstumseinbußen. Nach 47.0 Punkten im April notiert der saisonbereinigte finale Eurozone Service-Index derzeit bei 47.2 und liegt damit 0.3 Punkte unter seiner Vorabschätzung. Damit verharrt er auch den 16. Monat in Folge unterhalb der neutralen 50-Punkte-Marke.

In allen vier Schwergewichtsländern der Eurozone nahm die Geschäftstätigkeit binnen Monatsfrist ab. In Deutschland fiel die Rückgangsrate marginal aus, in Spanien sank sie auf ein 23-Monatstief; in Italien legte sie dagegen zu. Den höchsten Wert verzeichnete sie aber in Frankreich.

Viele Dienstleister berichteten, dass all ihre Versuche ihr Geschäft zu beleben durch die anhaltend geringen Auftragseingänge zunichte gemacht wurden. Besonders in Frankreich und Italien nahm die Zahl der Neuaufträge verstärkt ab, in Deutschland und Spanien fielen die Verluste geringer aus als im Vormonat.

Die erhöhten Ordereinbußen führten auch zu der markantesten Verschlechterung der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist seit Jahresbeginn. Die Zuversicht verringerte sich in allen vier Kernländern der Eurozone.

Zudem wiesen die Umfragedaten für Mai die größten Stellenstreichungen bei den Eurozone-Dienstleistern seit drei Monaten aus. Damit sinkt die Zahl der Beschäftigten nunmehr seit Anfang 2012. In Frankreich, Italien und Spanien setzte sich der Negativtrend fort, und auch in Deutschland wurden zum ersten Mal seit sechs Monaten per Saldo wieder Angestellte entlassen.

Die Einkaufspreise legen seit mittlerweile dreieinhalb Jahren zu, wobei die Inflationsrate im Mai aber unter dem Durchschnitt für diesen Zeitraum lag. Die Verkaufspreise hingegen verringerten sich angesichts der schwachen Nachfrage und des hohen Wettbewerbs den 18. Monat in Folge. Einzige Ausnahme blieb hierbei Deutschland.

Chris Williamson, Chefökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

„Der finale PMI bestätigt, was bereits seine Vorabschätzung nahegelegt hat: Die Eurozone bleibt fest im Griff der längsten Rezession seit Einführung der Gemeinschaftswährung, welche sich im zweiten Quartal 2013 nunmehr auf sieben Quartale ausdehnt. Die Umfragedaten deuten auf einen BIP-Rückgang von 0.2 %, womit sich der Trend des ersten Quartals weitgehend fortsetzt.

Die politischen Entscheidungsträger werden sich dennoch damit trösten, dass sich die Rückgangsrate den zweiten Monat in Folge verringert und die deutsche Wirtschaft stabilisiert hat. Auch in Frankreich und Italien, und besonders auch in Spanien, haben sich die Wachstumseinbußen im Vergleich zu den Vormonaten abgeschwächt.

Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass es der Eurozone an jeglichen Wachstumsimpulsen mangelt und es dadurch unwahrscheinlich ist, dass die Region in der näheren Zukunft über eine Stabilisierung hinauskommt.




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