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Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Mai: Aufwärtstrend in der österreichischen Industrie zeichnet sich ab
- Bank Austria EinkaufsManagerIndex schafft im Mai die Wende: Leichter Anstieg auf
48,2 Punkte
- Plus bei Neuaufträgen führt zu Ausweitung der Produktion, doch Beschäftigung weiter
rückläufig
- Verbesserte Kostensituation dank sinkender Rohstoffpreise
- Erholung der heimischen Industrie in der zweiten Jahreshälfte wird konkret:
Moderates Wachstum 2013 um rund 1 Prozent mit Impulsen aus dem Ausland
- Stärkung der Wirtschaftsdynamik dank Industrieaufhellung, nun erwarteter BIPAnstieg
2013 liegt bei 0,4 Prozent
Seit der zweiten Jahreshälfte 2012 hat die österreichische Industriekonjunktur deutliche
Ermüdungserscheinungen gezeigt. Nun ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. „Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex hat im Mai die seit Jahresbeginn rückläufige Entwicklung beendet
und ist leicht auf 48,2 Punkte angestiegen. Allerdings liegt der Indikator damit noch immer und
zwar bereits seit fast einem Jahr unter der Wachstumsgrenze von 50 Punkten“, meint Bank
Austria Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer. Die aktuelle Umfrage unter Österreichs
Einkaufsmanagern zeigt in mehreren Teilbereichen eine klare Aufhellung der Industriekonjunktur
an. „Die Auftragslage hat sich im Mai spürbar verbessert, die Produktionsleistung wurde folglich
gesteigert. Andererseits zeigen sich die noch unsicheren Konjunkturaussichten unter anderem in
einem weiteren Jobabbau in der heimischen Industrie“, so Bruckbauer.
Die österreichische Industrie konnte im Mai von ihrer hohen internationalen Konkurrenzfähigkeit
profitieren und erstmals seit einem halben Jahr wieder mehr Neuaufträge einbuchen. „Befreit von
der Zypern-Krise hat sich die Stimmungslage in Europa stabilisiert und für mehr wirtschaftliche
Impulse gesorgt. Die verbesserte Auftragslage insbesondere auch aus dem Ausland schlug sich
unmittelbar in einem leichten Anstieg der Produktionsleistung der heimischen Betriebe nieder“,
mein Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Erstmals seit November des Vorjahres liegt der
Produktionsindex mit 50,2 Punkten über der Neutralitätsgrenze. Die österreichische Industrie hat
die Produktion gegenüber dem Vormonat somit insgesamt geringfügig ausgeweitet.
Der Anstieg der Produktion schlug sich im Mai jedoch noch nicht positiv in der
Beschäftigungsentwicklung nieder. „Die noch anhaltend unsichere Geschäftslage führte den
zweiten Monat in Folge zu einem Jobabbau im Sektor. Mit mehr als 580.000 ist die Anzahl der
Jobs in der heimischen Industrie innerhalb Jahresfrist jedoch unverändert hoch geblieben. Das geringe, in den vergangenen Monaten rückläufige Beschäftigungswachstum in Österreich wird
somit derzeit nur vom Dienstleistungssektor angetrieben“, meint Pudschedl. Ein Comeback des
Produktionssektors als Jobmaschine wird von den Ökonomen der Bank Austria angesichts der
sich nur langsam verbessernden Konjunkturlage zumindest für das laufende Jahr nicht mehr
erwartet. Im Jahr 2014 könnte die Industrie jedoch der bestimmende Impulsgeber am Jobmarkt
in Österreich werden.
Wenn sich auch bereits erste Lichtblicke zeigen, weisen neben der aktuellen
Beschäftigungsentwicklung noch einige andere Teilbereiche der Umfrage vom Mai auf die
bestehende Verunsicherung und die schwierigen Rahmenbedingungen für die heimischen
Industriebetriebe hin. Die Auftragspolster nehmen weiterhin ab und im Einkauf besteht noch
starke Zurückhaltung, was sich auch in sinkenden Lagern niederschlägt. Im Zuge der
nachfragebedingten Verbilligung einiger Rohstoffe und Vormaterialien standen die
österreichischen Industriebetriebe, insbesondere die Investitionsgüterhersteller, im Mai spürbar
sinkenden Einkaufspreisen gegenüber. Der scharfe Wettbewerb in schwachem Nachfrageumfeld
sorgte auch bei den Verkaufspreisen den vierten Monat in Folge für einen, allerdings nur
leichten, Rückgang. „Aufgrund des starken Preisverfalls im Einkauf bei nur moderat
zurückgenommenen Verkaufspreisen hat sich die Kosten- und Ertragssituation in der Industrie
im Mai tendenziell verbessert. Schon seit Beginn 2013 entlasten die Preistrends mittlerweile die
heimischen Betriebe“, meint Pudschedl.
„In Gleichschritt mit dem Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist die Industrieproduktion in
Österreich seit Beginn 2013 jeden Monat leicht zurückgegangen. Im Mai sind jedoch erste
Silberstreifen am Horizont zu erkennen, die unsere Ansicht einer unmittelbar bevorstehenden
Erholung der österreichischen Industrie und in deren Gefolge der gesamten Wirtschaft
unterstreichen“, meint Bruckbauer. In der aktuellen Umfrage unter den österreichischen
Einkaufsmanagern weist neben der verbesserten Auftragslage und der erstmals im Jahr 2013
gestiegenen Produktionsleistung auch das stark verbesserte Verhältnis zwischen Auftrags- und
Lagertrends als einer der zuverlässigsten Indikatoren für die Entwicklung in den kommenden
Monaten auf eine bevorstehende Aufwärtsentwicklung hin. Darüber hinaus hat sich das
internationale Umfeld aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex in der Eurozone legte im Mai zum zweiten Mal in Folge auf derzeit 47,8 Punkte zu, und auch der jüngste Anstieg des deutschen
IFO-Geschäftsklimaindex sendet ein vielversprechendes Signal an die heimische Industrie aus.
Mit Unterstützung aus dem Ausland wird die österreichische Industrie in den kommenden
Monaten an Wachstumsdynamik zulegen können. Nach dem geringen Anstieg um rund 0,5
Prozent im Jahresvergleich im ersten Quartal ist für das Gesamtjahr 2013 ein Produktionsplus
der Industrie um zumindest 1 Prozent zu erwarten.
„Nach der schwachen Entwicklung zu Jahresbeginn hält die flaue Konjunktur zwar auch im
zweiten Quartal 2013 an, die Aussichten sind jedoch günstig, dass die österreichische Wirtschaft
in der zweiten Jahreshälfte auf Basis einer Erholung der Industrie einen verspäteten
Konjunkturfrühling erleben wird und dabei die schwächere Entwicklung der vergangenen Monate
teilweise aufholen kann. Dennoch haben wir unsere BIP-Prognose für 2013 von 0,9 auf 0,4
Prozent reduziert“, meint Bruckbauer. Für 2014 erwarten die Ökonomen der Bank Austria einen
Anstieg der Wirtschaftsleistung in Österreich um real 1,6 Prozent.
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