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Höhenflug des US-Dollar
Der Umsatz der US-Einzelhändler verzeichnete im April gegenüber dem Vormonat mit 0,1% (März:  -0,5%) einen unerwarteten Zuwachs, Ökonomen haben im Mittel mit einem Rückgang von 0,5% gerechnet. Der sich verbessernde Arbeitsmarkt war gemeinsam mit steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen hauptverantwortlich für dieses Ergebnis. Im Verarbeitenden Gewerbe des Staates New York hat sich das Wachstum im Mai überraschend verlangsamt. Der von der Federal Reserve Bank of New York ermittelte Index, der einen frühen Indikator für die landesweite Entwicklung darstellt, verschlechterte sich nach dem guten Ergebnis im Vormonat auf -1,43 Punkte (April: 3,05 Punkte). Im Euroraum hat sich die Industrieproduktion im März mit einem Zuwachs von 1,0% (Februar: +0,4%) gegenüber dem Vormonat zufriedenstellend entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war allerdings ein Rückgang um 1,7% (Februar: -3,1%) zu beobachten. Im ersten Quartal 2012 verzeichnete die Wirtschaft der Eurozone gegenüber dem Vorquartal gemäß einer ersten Schätzung von Eurostat einen Rückgang von 0,2% (Q4 2012: -0,6% q/q). Gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres ergab sich ein Minus von 1,0% (Q4 2012: -0,9% j/j). Die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone verlief damit etwas schwächer als erwartet. Auch das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat sich laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden schwächer entwickelt als erwartet, es stieg im selben Zeitraum um lediglich 0,1% q/q. (Q4 2012: -0,7% abwärtsrevidiert). Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang von 0,2% (arbeitstagebereinigt) bzw. 1,0% unbereinigt. Der einzige nennenswerte Wachstumsbeitrag kam vom Konsum. Die Investitionen sind zurückgegangen. Österreich verzeichnete laut einer WIFO-Schnellschätzung im Quartalsvergleich auf saison- und arbeitstagebereinigter Basis ein Nullwachstum (Q4 2012: 0,6% q/q). Die einzige Komponente des Bruttoinlandsprodukts mit einem Zuwachs war der staatliche Konsum. Von den Nettoexporten, die in den beiden vorherigen Quartalen einen positiven Wachstumsbeitrag geliefert haben, kamen keine Impulse. Bemerkenswert ist zudem, dass die Länder der Eurozonenperipherie allesamt noch immer in einer Rezession verharren. Auch Frankreich ist in eine Rezession zurückgefallen.
In einem Fernsehinterview hat der italienische Notenbankchef Ignazio Visco kürzlich über den möglichen Nutzen negativer Einlagezinsen spekuliert. Das Ziel einer solchen Maßnahme wäre es, die Banken dazu zu veranlassen, mehr Kredite zu vergeben, anstatt Liquidität bei der Notenbank zu parken. Das Ratsmitglied bestätigte auch, dass die Europäische Zentralbank technisch auf einen solchen Schritt vorbereitet wäre. Bisher hat die Zentralbank mit dem Verweis, nicht unerforschtes Territorium betreten zu wollen, von einer Zinssenkung in den negativen Bereich allerdings abgesehen. Die Renditen der europäischen Staatsanleihen verzeichneten im Berichtszeitraum unisono einen leichten Aufwärtstrend. Sowohl die Anleihenkurse der „sicheren Häfen“ Deutschland und Österreich, als auch jene der Eurozonenperipherie waren leicht rückläufig. Der Renditespread der Krisenländer hat sich leicht ausgeweitet. Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro in den letzten Tagen kräftig aufgewertet, insgesamt legte der Greenback um 2% zu. Hauptgrund hierfür waren die guten Wirtschaftsdaten, allen voran die überraschend starken Einzelhandelsumsätze. Besonders stark war die Aufwertung gegenüber dem Yen, der nach wie vor von der ultraexpansiven Geldpolitik der japanischen Zentralbank geschwächt wird.
Angetrieben von der Hoffnung auf anhaltend niedrige Zinsen haben sich die Aktienmärkte in den letzten Tagen positiv entwickelt. Der ATX stieg im Wochenverlauf um 2%, der DAX etwas weniger. In den nächsten Tagen erwarten wir eine anhaltende Stärke der US-amerikanischen Währung und ein weiterhin freundliches Klima an den Aktienmärkten, sofern es bei den zur Veröffentlichung anstehenden Wirtschaftsdaten nicht zu negativen Überraschungen kommt.
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