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Deutsche Konjunkturlokomotive verliert im April weiter an Fahrt
- Erster Produktionsrückgang seit Jahresbeginn
- Schrumpfende Auftragseingänge und
Beschäftigtenzahlen
- Stärkste Senkung der Einkaufspreise seit
August 2009
Die deutsche Industrie ist mit merklich weniger
Dampf in das zweite Quartal 2013 gestartet: Der
saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager
Index, der die aktuelle Lage der Industrie in einem
Wert wiedergibt, notiert im April erneut unterhalb der
neutralen 50-Punkte-Marke und signalisiert damit
einen weiteren Dynamikverlust im Produktionssektor.
Von 49.0 im März gab der Index auf 48.1 nach und
verweist derzeit auf die höchste Rückgangsrate seit
Dezember 2012.
Infolge der gedämpften Nachfrage und des Mangels
an Neuaufträgen haben die Industrieunternehmen
saldiert betrachtet ihre Produktion erstmals seit
Jahresbeginn gedrosselt. Der Rückgang fiel zwar
moderat aus, erstreckte sich aber auf alle drei von
der Umfrage erfassten Industriebereiche. Am
stärksten verringert wurden die Produktionsvolumina
von Herstellern der Konsumgüterindustrie, gefolgt
von Unternehmen aus dem Bereich Investitionsgüter.
Die geringste Senkung verzeichnete die
Vorleistungsgüterindustrie.
Der Auftragseingang sank im April nicht nur den
zweiten Monat in Folge, sondern auch so rasch wie
in keinem anderen Monat seit Jahresbeginn. Nach
Einschätzung der Umfrageteilnehmer hatten die
Sorgen um die künftige Konjunkturentwicklung,
besonders unter Kunden in Südeuropa, die
Nachfrage entscheidend gehemmt. So verringerten
sich auch die Exportgeschäfte abermals moderat, da
die Zuwächse in den Schwellenländern die Verluste
im Euroraum nicht auszugleichen vermochten.
Mit der schwindenden Zahl an Neuaufträgen
schmolzen auch die Auftragsbestände zum ersten
Mal seit drei Monaten. Dies führte zusammen mit
dem verminderten Produktionsbedarf dazu, dass die
Einstellungsbereitschaft der Hersteller wieder nachließ
und die Unternehmen nach vereinzelten
Neueinstellungen im Vormonat wieder Arbeitsplätze
abbauten.
Aufgrund der aktuellen Auftragsentwicklung sahen
sich viele Unternehmen zusätzlich dazu veranlasst,
ihre Lagerbestände im April zu verringern. Zu
diesem Zweck reduzierten sie auch ihre Einkaufsmengen
zum insgesamt 15. Mal hintereinander –
dies entspricht dem längsten Abwärtstrend seit
Beginn der Umfrage im Jahr 1996. In der Folge
nahmen die Vormateriallager deutlich ab, Maßnahmen zur Cashflow-Optimierung indes führten
unter anderem zu einer Verringerung der
Fertigwarenlager.
Der gesunkene Bedarf nach Rohmaterial und
niedrigere Weltmarktpreise sorgten bei den
Industrieunternehmen für die größte Kostenentlastung
seit August 2009. Außerdem
verbesserten sich die Lieferzeiten der Zulieferer den
dritten Monat in Folge. Die Verkaufspreise der
Hersteller senkten sich erstmals seit Januar, was
aber nicht nur dem Fall der Einkaufspreise sondern
auch dem intensiven Wettbewerb um Aufträge
zuzuschreiben ist.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert den
finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:
“Die verringerte Exportnachfrage und die maue
Kundenstimmung im Euroraum haben die deutschen
Hersteller im April dazu gezwungen, ihre Produktion
wieder einzuschränken. Die aktuellen Umfragedaten
belegen ein weiteres Schrumpfen der Auftragseingänge
sowie ein Wiedereinsetzen der Stellenstreichungen
und weisen darauf hin, dass das zweite
Quartal für die deutschen Industrieunternehmen ein
größerer Kraftakt werden dürfte.
Die Hersteller konnten im April zwar begrenzt von
sinkenden Weltmarktpreisen profitieren, denn die
Einkaufspreise fielen so steil wie seit August 2009
nicht mehr. Dennoch dürfte der Preisverfall in der
nächsten Zeit eher für Erleichterung als für
Freudentaumel sorgen, da die generell schwierige
Nachfragesituation auch die stärkste Senkung der
Verkaufspreise seit fünf Monaten herbeigeführt hat.
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