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Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft setzt sich im April fort; auch
Deutschlands Wirtschaft vermeldet wieder Wachstumseinbußen
- Flash Eurozone Composite Index Produktion
bei 46.5 (März 46.5)
- Flash Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit bei 46.6 (März 46.4); 2-Monatshoch
- Flash Eurozone EMIâ„¢ Industrie bei 46.5
(März 46.8); 4-Monatstief
- Flash Eurozone Index Industrieproduktion bei
46.3 (März 46.7); 4-Monatstief
Die Eurozone-Privatwirtschaft ist im April mit
unveränderter Rate geschrumpft. Dies signalisiert
der Markit Flash Eurozone Composite Index
Produktion mit 46.5 Punkten. Bis auf das minimale
Wachstum im Januar 2012 verzeichnet die
Eurozone nun bereits seit 20 Monaten einen
Rückgang der Wirtschaftsleistung.
Die Industrieproduktion wurde im Berichtsmonat so
stark zurückgefahren wie zuletzt vor vier Monaten,
im Servicesektor schwächte sich die Talfahrt
gegenüber März hingegen minimal ab.
Die 21. Auftragsverluste in Folge fielen so
gravierend aus wie seit Dezember nicht mehr.
Beide Sektoren verbuchten starke Rückgänge.
Deutschland und Frankreich vermeldeten im April
unterschiedliche Entwicklungen. Während die
Geschäfts- und Auftragseinbußen in Frankreich
erheblich schwächer ausfielen als in den letzten
vier bzw. acht Monaten, sanken die Indizes in
Deutschland jeweils auf Sechs-Monatstiefs.
Überdies vermeldete Deutschland erstmals seit
letztem November wieder eine rückläufige
Wirtschaftsleistung. Außerhalb dieser beiden
Länder schwächten sich die Wachstumseinbußen
gegenüber den beiden Vormonaten ab, wenngleich das Minus beim Auftragseingang erneut hoch
ausfiel.
Die Auftragsbestände nahmen den 22. Monat in
Folge und mit unveränderter Rate ab. Der
entsprechende Index notiert aktuell jedoch höher
als gegen Ende letzten Jahres. Die Beschäftigung
wurde den 16. Monat in Folge und auch etwas
stärker abgebaut als im März, da sowohl in der
Industrie als auch im Servicesektor per Saldo
jeweils mehr Stellen verloren gingen als im
Vormonat.
Wegen des Stellenabbaus in der deutschen
Industrie verlangsamte sich der zweite Jobaufbau
in Deutschland in Folge. In Frankreich wurden mehr
Arbeitsplätze abgebaut als im März und im
Durchschnitt der übrigen Länder, wo sich der
Beschäftigungsrückgang wiederum minimal
abschwächte.
Der Preisdruck ließ weiter nach, da die
Einkaufspreise sanken und Verkaufspreise
angesichts der Nachfrageflaute reduziert werden
mussten. Die Einkaufspreise sanken erstmals seit
September 2009 wieder, woraufhin die Verkaufs- bzw.
Angebotspreise für Industrieerzeugnis und
Dienstleistungen so stark reduziert wurden wie
zuletzt im Februar 2010.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im
Servicesektor sanken auf ein Vier-Monatstief. In
der Industrie gab die Quote Auftragseingang/
Fertigwarenlager auf ein Sechs-Monatstief nach,
was darauf hindeutet, dass die Industrieunternehmen
ihre Produktion im Mai wieder
zurückfahren dürften.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit,
kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Obwohl der Flash-PMI gegenüber März konstant geblieben ist, signalisiert unsere Aprilumfrage eine
besorgniserregende Konjunkturschwäche zum Start
des zweiten Quartals 2013. Dies deutet darauf hin,
dass sich die Talfahrt in den kommenden Monaten
eher verstärken als abschwächen dürfte.
Dank der besseren Werte zum Jahresbeginn dürfte
das Eurozone-BIP im ersten Quartal 2013 mit etwa
0.2-0.3% weniger stark gesunken sein als im
Schlussquartal 2012, als es um 0.6% geschrumpft
war. Der April-Flash deutet nun allerdings auf eine
Schrumpfungsrate von 0.4% mit weiteren Abwärtsrisiken
hin. Hinzu kommt, dass die verstärkten
Auftragsverluste nichts Gutes für das Wirtschaftswachstum
und den Arbeitsmarkt im Mai verheißen.
Dass auch Deutschland wieder in negatives Terrain
abgerutscht ist verstärkt die Befürchtungen, dass
die Wachstumslokomotive genau zu dem Zeitpunkt
ausgefallen und zur Belastung für die Konjunktur
geworden ist, an dem auch Frankreich, Italien und
Spanien weiter tief in der Krise stecken.
Lediglich der abgeschwächte Preisdruck dürfte bei
den Entscheidungsträgern für etwas Entspannung
sorgen, eröffnet dies doch Möglichkeiten für
neuerliche Konjunkturprogramme.“
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