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Industrie startet 2013 mit schwachen Vorzeichen
Gesteigerte Anforderungen an Wettbewerbsfähigkeit -Kritik an Energieeffizienzpaket - Lehrlingsstatistik und Entwicklung bei Lehrabschlussprüfungen noch positiv
Die konjunkturelle Unsicherheit in der
Industrie wird sich 2013 zunächst fortsetzen: "Auf Grund der
vorliegenden Einschätzungen der Betriebe unserer Fachverbände startet
die Industrie in diesem Jahr mit schwachen Vorzeichen", betonte
heute, Freitag, der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie,
Manfred Engelmann, im Rahmen der Quartalspressekonferenz. Sowohl was
die Produktion als auch die Einschätzung der Auftragseingänge
betrifft, zeigt sich im Startquartal eine Stagnation der
Industriekonjunktur. Zwei Fachverbände erwarten konkret einen
Produktionsrückgang (Maschinen&Metallwaren und Stein/Keramik), bei
den Auftragseingängen rechnet lediglich die Bauindustrie mit einem
Plus. Bei der Beschäftigungsentwicklung wird von einem Gleichbleiben
der Beschäftigtenstände ausgegangen. 2012 beschäftigte die Industrie
419.676 Arbeitnehmer und damit um 3.804 Beschäftigte mehr als 2011.
Die Industrieproduktion konnte 2012 wohl um nominell 3,7 % auf
einen neuen Höchststand von 150 Mrd. Euro gesteigert werden, real
wies die Steigerung jedoch nur mehr 1,1 % aus. "Rechnet man die von
den Energiepreisen abhängigen Branchen Gas- und
Wärmeversorgungsunternehmen sowie die Mineralölindustrie von der
Gesamtindustrie heraus, so lagen die verbleibenden Industriebranchen
2012 real um 2,3 % unter dem Vorjahresniveau", ergänzt Engelmann.
Strukturveränderungen im Export
Über die Auslandsaufträge prägen Österreichs Exporte, die
traditionell zu drei Viertel von den Industriebetrieben stammen,
entscheidend die heimische Industriekonjunktur. Die Struktur der
Exporte bringt Licht in die Analyse von "Ursache" und "Wirkung". Im
abgelaufenen Jahr 2012 gingen 80 % unserer Ausfuhren nach Europa bzw.
68 % (oder rd. 84 Mrd. Euro, was einem Rückgang von 0,8 % gegenüber
2011 entspricht) in den europäischen Binnenmarkt. Die Aufträge aus
den anderen 26 EU Mitgliedstaaten sind somit für unsere Wirtschaft im
höchsten Maß entscheidend für Auslastung, Wachstum und Beschäftigung.
Eine 1 % Exportsteigerung nach Deutschland entspricht wertmäßig einer
5,5 % Erhöhung der Ausfuhren in die USA bzw. einem 12,5 % Exportplus
nach China. Die Budgetkonsolidierungsmaßnahmen in nahezu jedem
EU-Land, verknüpft mit einer Schwäche der öffentlichen Hand und einer
Verunsicherung der Unternehmen sowie des Finanzsektors, machen
Österreichs Exporten deutlich zu schaffen. Diese Rückgänge konnten
durch Erfolge in Übersee noch wettgemacht werden. So kam es doch noch
zu einer Steigerung des Exportvolumens auf den bisherigen Höchstwert
von 123,5 Mrd. Euro (+ 1,4 %). Für die heimische Industrie waren die
damit verbundenen konjunkturellen Auswirkungen jedoch mit einer de
facto Stagnation der Produktionswerte, sofern man die Steigerung in
der Energieproduktion nicht berücksichtigt, verbunden.
Konsequenzen für den Industriestandort
Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklung ist eine
Attraktivierung des österreichischen Industriestandorts dringend
notwendig. Zur Vermeidung von Abwanderung und
Produktionsverlagerungen sind Produktivitätssteigerungen und/oder
Kostensenkungen erforderlich. Gerade eine Steigerung der
Investitionen setzt jedoch Entlastungen voraus, die die Industrie
aktuell massiv fordert. Dies betrifft insbesondere den Bereich der
Arbeitskosten und der Energiekosten. Bei der Arbeitskostenentwicklung
der letzten Jahre liegt Österreich laut EU-Statistik mit 15,5 %
Steigerung von 2008 bis 2012 an der Spitze der Euro-Zone. Insgesamt
liegt Österreich mit den Kosten pro Arbeitsstunde auf Rang 8 im
europäischen Vergleich. "Da wir nicht an eine Senkung der Bruttolöhne
denken, müssen die Lohnnebenkosten ehestens gesenkt werden. Wir
schlagen vor, zumindest bei der Unfallversicherung, beim
Familienlastenausgleich, beim Insolvenzfonds und bei der
Nachtschwerarbeit die Beiträge zu senken und die Auflösungsabgabe
wieder zu streichen", präzisiert Engelmann die angestrebte Umsetzung
bei den Lohnnebenkosten. "Die momentanen Forderungen der
Arbeitnehmerseite empfinden wir als Bedrohung des
Industriestandorts, wie etwa eine sechste Urlaubswoche, den
Überstunden-Euro oder bezahlte Arbeitszeitverkürzung durch
Zeitgutschriften für bestimmte Arbeitsformen und lehnen diese
Belastungen grundsätzlich ab", fordert Engelmann.
Konkurrenzfähige Rahmenbedingungen bei Umwelt und Energie
Auch bei den Kosten für Umweltaufwendungen und Energie ist größte
Disziplin erforder-lich. So sieht die Industrie den am 3. April
beschlossenen Ministerratsentwurf zum Energieeffizienzgesetz
kritisch. "Wir sind grundsätzlich gegen Verpflichtungen im
Zusammenhang mit der Energieeffizienz, da die Industrie bereits
angesichts der Wettbewerbsfähigkeit schon sehr energieeffizient
produzieren muss. Dazu drohen enorme Administrationsbelastungen, die
den Standort etwa gegenüber dem Hauptkonkurrenten Deutschland weiter
belasten", so Engelmann.
Konkret fordert die Industrie Verbesserungen insbesondere bei
folgenden Punkten:
Die Möglichkeit, dass Energielieferanten Einsparungen bei
betrieblichen Verbrauchern "kaufen" können, womit der
Unternehmenssektor unter Umständen seine Ziele nicht erreicht und es
zu individuellen Verpflichtungen einzelner Unternehmen kommt, soll
gedeckelt werden. Weiters sollen aus dem Ausgleichsfonds geförderte
Maßnahmen als Energieeffizienzmaßnahme anrechenbar sein und die
Förderbarkeit von ETS-Anlagen sowohl für anrechenbare
Energieeffizienzmaßnahmen als auch für CO2-relevante Projekte im
Rahmen der Umweltförderung Inland gesetzlich verankert werden.
Kritisch sieht die Industrie auch die Förderung von KWK-Anlagen
auf Kosten der Endkunden, wodurch es zu erheblichen Mehrbelastungen
kommt, die bei energieintensiven Betrieben bis über 100.000 Euro pro
Jahr betragen können. "Ganz wesentlich ist auch, dass es zu keiner
Deckelung des Energieverbrauchs kommt, weil dies eine Deckelung des
Wirtschaftswachstums bedeuten und Investitionen zusätzlich verhindern
würde", betont Engelmann.
Weiter zunehmender Fachkräftemangel droht
Während die offizielle Lehrlingsstatistik mit Jahresende 2012
125.228 Lehrlinge ausweist (minus 2,2 % gegenüber dem Vorjahr), ist
in der Industrie erstmals seit dem Krisenjahr 2008 auch bei den
Lehranfängern ein Rückgang von 1,3 % zu verzeichnen. Positiv zu
vermerken ist, dass die Zahl der Lehrabschlussprüfungen in der Sparte
Industrie seit vielen Jahren stetig steigt, zuletzt im Jahr 2012 um
0,4 % auf insgesamt 5.633 Prüfungen. Bei einer gleichmäßig hohen
Erfolgsquote von ca. 88 % bedeutet dies, dass absolut gesehen mehr
junge geprüfte Fachkräfte für die heimische Industrie zur Verfügung
stehen.
"Tatsache ist, dass sowohl die demografische Entwicklung einer
sinkenden Anzahl von Jugendlichen am Beginn der beruflichen
Ausbildung bereits spürbar wirkt und weiter anhalten wird, was sowohl
eine Verringerung der Lehrlingszahlen als auch der Absolventen im
berufsbildenden höheren Schulbereich bewirken dürfte. Gerade diese
Qualifikationen sind aber für eine Industrie mit zukunftsorientiert
strukturierten Unternehmen dringend notwendig. Daher müssen verstärkt
Maßnahmen der Bildungsförderung in der grundlegenden Schulausbildung
gesetzt werden, um das Nachwuchspotenzial voll und ohne zusätzlichen
Aufwand ausschöpfen zu können", unterstreicht der
Industrie-Geschäftsführer.
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