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Konjunkturwinter mit ersten Aufhellungen
IV-GS Neumayer: Arbeitszeitflexibilisierung zentraler Beitrag zum Beschäftigungserhalt - IV-Chefökonom Helmenstein: Verbesserte Konjunkturaussichten für zweite Jahreshälfte
 "Eine konjunkturelle Stimmungsaufhellung prägt den
Beginn des Jahres 2013. Dazu beigetragen hat die einstweilige
Beruhigung auf den internationalen Finanzmärkten ebenso wie die
Umschiffung der Fiskalklippe in den USA", erklärte der
Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph
Neumayer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr.
Christian Helmenstein zu den Ergebnissen des aktuellen
Konjunkturbarometers der IV aus dem 4. Quartal 2012 heute, Montag, in
Wien. Zugleich würden sich die Anzeichen für ein wieder anziehendes
Wachstum in China mehren, während weitere Konjunkturstimuli gepaart
mit einer schwachen japanischen Währung das Wachstum in Japan
stützen. "Diese Faktoren nähren die Hoffnung, dass auch in Europa das
konjunkturelle Zwischentief allmählich überwunden werden könnte.
Jedenfalls kontraproduktiv für Wachstum und damit Arbeitsplätze sind
gerade in einem Höchststeuerland wie Österreich Diskussionen über
Steuererhöhungen. Vielmehr braucht es als zentralen Beitrag zum
Beschäftigungserhalt Arbeitszeitflexibilisierung, insbesondere im
Bereich der möglichen täglichen Höchstarbeitszeit", so der
IV-Generalsekretär.
Österreichs Wirtschaft überdurchschnittlich
"Die tatsächliche Entwicklung in Europa hat hingegen nach wie vor
einen rezessiven Charakter. Zwar behauptet sich die österreichische
Wirtschaft besser als die anderer europäischer Länder", sagte
Neumayer, "der Wachstumsschwäche in Europa, welche im
Jahresschlussquartal auch die deutsche Wirtschaft erfasst hat, vermag
sie sich jedoch nicht zu entziehen." Eine spürbare konjunkturelle
Belebung ist nach wie vor nicht vor dem zweiten Quartal 2013 zu
erwarten, so die zentralen Ergebnisse des aktuellen
IV-Konjunkturbarometers.Â
Der Wert des IV-Konjunkturbarometers, welches als Mittelwert aus
den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der
Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, reflektiert die
Stimmungsverbesserung und legt von +2 Punkten im dritten auf +15
Punkte im vierten Quartal 2012 zu. Es bleibt damit aber hinter dem
Niveau zur Jahresmitte 2012 zurück.
Während die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage nochmals von
+24 Punkten auf +22 Punkte leicht zurückgeht, drehen die
Geschäftserwartungen von -21 Punkten im Herbst auf nunmehr +8 Punkte.
"Wir durchleben meteorologisch wie konjunkturell einen harten Winter,
allerdings mit ersten Aufhellungen", erklärte Neumayer.
Die Ergebnisse im Detail
In den kommenden Wochen stehen international gleich mehrere
politische Ereignisrisiken für den Konjunkturverlauf bevor -
angefangen von Neuwahlen in Italien über die zukünftige Rolle
Großbritanniens in Europa bis zu weiteren budgetbezogenen
Unwägbarkeiten in den USA. Ein regelrechter konjunktureller Fadenriss
wie zur Jahreswende 2008/2009 ist aus heutiger Sicht aber nicht zu
erwarten.Â
Gegen einen Absturz sprechen die Wachstumsaussichten für die
Weltwirtschaft von 3,5 Prozent für 2013 ebenso wie das dazu passende
Lieferportfolio der österreichischen Exportwirtschaft. Global gesucht
werden Investitionsgüter, insbesondere in der BRIC-Staatengruppe,
welche im Jahr 2013 mit rund 7 Prozent real wachsen wird, sodass sich
die betreffende Exportnachfragekomponente weiterhin robust entwickeln
wird.
"Die österreichische Wirtschaft durchläuft derzeit eine
konjunkturell unterkühlte Phase, bis im zweiten Quartal des heurigen
Jahres eine Belebung der wirtschaftlichen Aktivität einsetzen wird",
so IV-Chefökonom Helmenstein. "Das erste Halbjahr 2013 bringt
zunächst eine konjunkturelle Stabilisierung durch den beginnenden
Lageraufbau, sodann sollte es im zweiten Halbjahr im Durchschnitt der
Industriezweige gelingen, an die besseren Vorjahresergebnisse
anzuknüpfen."
Allerdings setzt sich die Schrumpfung der industriellen
Auftragsreichweite zunächst noch fort (Saldo der Auftragsbestände +27
nach +28 im Vorquartal), wenngleich mit deutlich verringertem Tempo.
Ein deutliches Lebenszeichen ist hingegen bei den Auslandsaufträgen
zu verzeichnen - der Saldo steigt hier von einem Wert von +19 Punkten
auf +29 Punkte. Dies sind erste Anzeichen für ein Einsetzen des
klassischen, exportgetriebenen Konjunkturerholungsmusters der
österreichischen Wirtschaft.
Dementsprechend gestalten die Unternehmen ihre Produktionsplanung
auf Sicht der nächsten drei Monate erstmals nach einem Jahr wieder
etwas expansiver. In saisonbereinigter Betrachtung steigt der Saldo
für die Ausbringungsmenge von +4 Punkten auf +14 Punkte. Dies
spiegelt das Bestreben der Unternehmen wider, für den Fall einer im
weiteren Jahresverlauf anziehenden Nachfrage ihre Lieferfähigkeit
durch entsprechende Bestände an Halbfertig- und Endprodukten zu
gewährleisten.
Erwartete Beschäftigungsentwicklung positiv
Die Stabilisierung der Konjunkturaussichten wirkt sich auch
positiv auf die erwartete Beschäftigungsentwicklung aus. Während der
Beschäftigtenstand vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels trotz
der konjunkturellen Schwäche grosso modo aufrecht erhalten wurde,
läuft der in einigen Branchen unvermeidliche Beschäftigungsabbau
während der ersten Jahreshälfte weitgehend aus. Der betreffende Saldo
verbessert sich von -25 Punkten auf -9 Punkte. Konjunkturkonform
bleibt die Einstellungsneigung der Unternehmen zunächst noch nahezu
unverändert, hingegen reduziert sich der Anteil der Unternehmen,
welche einen Abbau ihrer Beschäftigung erwarten, deutlich von 32 auf
18 Prozent.
Die laufende Ertragslage erweist sich als etwas besser als im
Vorquartal befürchtet - per Saldo (+13 Punkte nach +6 Punkten) lag
sie im Durchschnitt des Vorjahres auf einem befriedigenden Niveau.
Die Ausbildung eines investitionsgetragenen Aufschwungs setzt
hingegen ein besseres Ertragsniveau voraus - davon ist der
betreffende Indikator derzeit weit entfernt.
Auf die erzielbaren Verkaufspreise schlägt die globale
Nachfrageschwäche weiterhin voll durch. Diesbezüglich wird eine
abermalige Verschlechterung erwartet (Saldo -19 Punkte nach -11
Punkten im Vorquartal). Die wieder anziehende Mengenkonjunktur
kompensiert diesen Effekt jedoch, sodass sich die Ertragsaussichten
auf Sicht von sechs Monaten stabilisieren - der Saldo steigt auf +4
Punkte nach zuvor -8 Punkten.Â
Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung
beteiligten sich 447 Unternehmen mit rund 295.000 Beschäftigten. Bei
der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung:
den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv,
neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten)
Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der
konjunktursensible "Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und
negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.
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