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IV/WKÖ: "Statt Wahlzuckerl verteilen Faktor Arbeit jetzt entlasten!"
IV-Präsident Kapsch und WKÖ-Präsident Leitl fordern kurzfristige Senkung der Lohnnebenkosten um 500 Mio. Euro
Im Vorfeld des heurigen Wahljahres warnen die
Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Georg Kapsch,
sowie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Dr. Christoph Leitl vor
teuren Wahlversprechen angesichts des Super-Wahljahres 2013. "Was
Österreich aber vor allem braucht, sind wirksame Reformschritte zur
Entlastung des Faktors Arbeit. Die hohen Lohnnebenkosten in
Österreich sind schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit des
Wirtschafts- und Arbeitsstandortes und wirken wachstumshemmend.
Stimmenfang mit Wahlgeschenken muss daher für alle Parteien ein
absolutes Tabu sein", wie Kapsch betonte. "Einen Tag wie den
24.9.2008 darf es 2013 nicht geben: Damals hat der Nationalrat nach
dem Motto ’wünsch dir was’ sündteure Wahlzuckerl wie die Verlängerung
der Hacklerregelung verabschiedet, die den Steuerzahler in Summe über
drei Mrd. Euro gekostet haben. Dieser Schock sitzt uns heute noch in
den Knochen", so Leitl. In einer gemeinsamen Pressekonferenz riefen
Leitl und Kapsch heute, Donnerstag, daher dazu auf "die
überdurchschnittlich hohe Belastung des Faktors Arbeit zu senken,
anstatt sich mit teuren Wahlkampfversprechen zu überbieten".
Lohnnebenkosten senken - Beschäftigung fördern
"Eines unserer Hauptziele in Österreich muss es sein, den
sogenannten ’Abgabenkeil’ spürbar zu reduzieren. Die Lohnnebenkosten,
die Unternehmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Fiskus
und Sozialversicherung zahlen müssen, liegen deutlich über dem
EU-Schnitt", so Kapsch. "Wir wollen, dass jeder Arbeitnehmerin bzw.
jedem Arbeitnehmer mehr Netto vom dem, was der Arbeitgeber zahlt, im
Geldbörserl übrig bleibt." Als "Abgabenkeil" wird die Differenz
zwischen dem, was ein Unternehmen für die Beschäftigung einer
Arbeitnehmerin oder eines Arbeitnehmers aufwendet, und dem
Nettoeinkommen, das der Arbeitnehmerin oder dem Arbeitnehmer nach
Abzug aller Abgaben letztlich zur Verfügung steht, bezeichnet. Dieser
Abgabenkeil liegt für eine Einzelperson ohne Kinder in Österreich bei
48,4 Prozent, der OECD-Durchschnitt beträgt hingegen nur 35,3
Prozent. "Es ist ineffizient, wenn bei den Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern nur 51,6 Prozent der Lohnkosten ankommen. Hier müssen
wir ansetzen", wie der IV-Präsident forderte.
Mehr Effizienz in der Verwaltung schafft Spielraum für niedrigere Steuern
"Die Dienstgeber-Lohnnebenkosten betragen in Österreich 37
Prozent, in Deutschland sind es nur 28 Prozent. Hätten wir hier
Gleichstand, würde das in Österreich für Dienstnehmer und Dienstgeber
eine Entlastung von 7,5 Mrd. Euro bedeuten", stellte Leitl fest.
Zudem sei der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung in Deutschland mit
3 Prozent nur halb so hoch wie in Österreich - obwohl die
Arbeitslosigkeit hierzulande deutlich niedriger ist. Der
WKÖ-Präsident erinnerte auch daran, dass die Wirtschaft das Sparpaket
2012 und damit deutliche Mehrbelastungen für Besserverdiener - von
einer Vermögenszuwachssteuer bis zur Solidarabgabe - mitgetragen
habe, die allein heuer mit 2 Mrd. Euro zu Buche schlagen. "Nun müssen
endlich die Reformen und Effizienzsteigerungen in der öffentlichen
Verwaltung angegangen werden, um Spielraum für weniger Steuern zu
schaffen", forderte Leitl mit Verweis auf Länder wie Schweden oder
die Schweiz, die ihren Schuldenstand trotz Krise reduzieren konnten
und Überschüsse erwirtschaften. Zugleich warnte er vor einer
neuerlich Steuererhöhungsdiskussion, die angesichts des
Super-Wahljahres 2013 bereits da und dort aufkeimt. "Wir müssen die
Besteuerer stoppen, denn sie schaden Wirtschaft und Beschäftigung. Wo
Reichensteuern drauf stehen, ist in Wirklichkeit eine höhere
Besteuerung des Mittelstandes drin."
Jetzt Lohnnebenkosten um 500 Millionen Euro senken
Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer sprechen sich für
eine unmittelbare Senkung der Lohnnebenkosten um 500 Mio. Euro aus.
Finanzielle Spielräume für eine derartige Senkung bestehen derzeit
insbesondere beim Unfallversicherungsbeitrag, beim Beitrag zum
Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), beim Insolvenz-Entgelt-Fonds
(IEF) und beim Nachtschwerarbeitsbeitrag (NSchG).Â
"Die Zahl der Arbeitsunfälle konnte in den vergangenen 20 Jahren
um rund 40 Prozent verringert werden, der Dienstgeberbeitrag zur
Unfallversicherung (AUVA) ist jedoch unverändert hoch. Es kann nicht
sein, dass immer mehr Beitragseinnahmen für unfallversicherungsfremde
Zwecke eingesetzt werden", so Kapsch.Â
Anzusetzen sei auch bei dem zu über 80 Prozent aus
Dienstgeberbeiträgen finanzierten FLAF. Dieser verzeichnet seit 2012
Überschüsse, die ab 2014 enorm ansteigen werden und sollte von
gänzlich oder teilweise familienfremden Leistungen entlastet werden.
Nach der Gebarungsentwicklung des Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF)
ergibt sich ebenfalls ein Potenzial zur Senkung des
Dienstgeberbeitrages wie auch beim Nachtschwerarbeitsbeitrag (NSchG)
durch eine erforderliche Anpassung des Zugangsalters.
Mittelfristig, d.h. für die nächste Legislaturperiode, streben
Wirtschaft und Industrie eine Reduktion der Lohnnebenkosten um 4 Mrd.
Euro an. Gemäß Einschätzung des IWF könnte eine Senkung der
Lohnsummenabgaben um drei Prozentpunkte durch eine aufkommensneutrale
Umschichtung, also etwa der Kürzung von Staatstransfers, das
potenzielle Wirtschaftswachstum um 0,8 Prozentpunkte pro Jahr
erhöhen.
"Eine Entlastung des Faktors Arbeit würde nicht nur den
Österreicherinnen und Österreichern, sondern dem gesamten
Wirtschaftsstandort zugutekommen und fördert darüber hinaus die
Beschäftigung", so Kapsch und Leitl abschließend.
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