|
Zeit für eine Verschnaufpause
Geldpolitik stabil, Wirtschaftsdaten durchwachsen
- Zinssenkungen für EZB kein Thema mehr
- Relativ gute US-Einzelhandelsumsätze könnten unter Steuererhöhungen leiden
- Asset Allocation unverändert
Da es an Treibern fehlte, war es vergangene Woche an den Märkten ruhig. Im Allgemeinen hielten sich Aufund
Abwärtsbewegungen in engen Grenzen. Wir sind nach wie vor risikoavers positioniert, in erster Linie
aufgrund unserer Untergewichtung von Aktien und unserer Position in Langläufern.
GELDPOLITIK: STABIL
Da sich der geldpolitische Rat der EZB einstimmig gegen eine Veränderung der Leitzinsen im Euroraum
aussprach, und EZB Präsident Mario Draghi ausdrücklich auf eine Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds
hinwies, gehen wir davon aus, dass eine Senkung der Leitzinsen für die EZB kein Thema mehr ist. Draghi wies
darauf hin, dass die Finanzmärkte des Euroraums nicht mehr ganz so zersplittert sind wie zuvor, dass die
Anleihe-Renditen in den Peripheriestaaten nachgegeben haben und sich auch der Kapitalabfluss aus diesen
Ländern verlangsamt. Da die Staaten bei Bedarf auf OMTs – das Anleihenkaufprogramm der EZB -
zurückgreifen können, hält die EZB unserer Ansicht nach die derzeitigen Konjunkturanreize für ausreichend.
In den USA versuchte Fed Chef Ben Bernanke die Märkte davon abzuhalten, Anleihe-Renditen höher zu treiben,
indem er die Anfälligkeit der wirtschaftlichen Erholung und die hohe Arbeitslosigkeit unterstrich. Wir rechnen
nicht damit, dass die Fed ihre Anleihenkäufe vor der zweiten Jahreshälfte zurückfährt. Unter Umständen wird sie
damit sogar bis 2014 warten.
KONJUNKTURDATEN: DURCHWACHSEN
Im Dezember fielen die Einzelhandelsdaten in den USA besser aus als erwartet. Allerdings könnten sie jetzt
aufgrund der im Haushaltskompromiss beschlossenen Steuererhöhungen und der Unsicherheit über den
anstehenden Parteienstreit über die Schuldengrenze wieder zurückgehen. Das Geschäftsklima in der Industrie
könnte dadurch ebenfalls belastet werden. Die Industrieproduktion ließ vor kurzem nach und auch im
verarbeitenden Gewerbe sind die Produktionszahlen nicht wirklich gut.
Aufgrund des Rückgangs der Staatsausgaben und des langsameren Aufbaus von Vorräten kann man mit hoher
Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das BIP-Wachstum im vierten Quartal nachgelassen hat.
Im Euroraum war der Industriesektor deutlich schwächer. Das war überraschend, weil Deutschland und
Frankreich bereits (bescheidene) Anstiege gemeldet hatten. Der Rückgang verschärfte sich in Italien, Spanien
und Portgual. Deutsche Ausfuhren waren stark rückläufig. Positiver hingegen war die Verbesserung des
Geschäftsklimas in Frankreich, die bestätigte, dass sich eine Talsohle gebildet hat.
In Asien beherrschten Chinas Ausfuhren die Schlagzeilen. Das Exportwachstum beschleunigte sich deutlich,
wurde aber nicht von steigenden Importen bei den Handelspartnern begleitet. Es könnte sein, dass die
Unternehmen ihre Ware noch vor dem chinesischen Neujahrsfest auf den Weg bringen wollten und dass dieser
Zuwachs nur saisonbedingt ist. Eine Verbesserung war nur in wenigen Schwellenländern zu spüren: In Südkorea
und Brasilien gingen die Ausfuhren zurück, während sie in Taiwan zunahmen. In China stieg die Inflation auf 2,5
% und beschnitt damit den Spielraum für geldpolitische Lockerungen.
In Japan war der Leading Index rückläufig, während sich der Economy Watchers’ Survey verbesserte. Die
Handelsbilanz wies zwar weiterhin ein Defizit auf, die Auftragslage bei Maschinen verbesserte sich jedoch. Das
Verbrauchervertrauen war nach wie vor relativ schwach. Das jüngste Konjunkturpaket könnte für ein
zusätzliches BIP-Wachstum in Höhe von 0,3 % sorgen. Unserer Ansicht nach reicht dies jedoch nicht aus, um
eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in Gang zu setzen.
Joost van Leenders
Spezialist für Asset Allocation & Anlagestrategie
|