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Amerikanischer Haushaltskompromiss bestenfalls Notlösung
Lage in Japan unverändert
US Politiker verpassten zwar den Stichtag vom 31. Dezember, einigten sich jedoch wenige Stunden später auf
einen zusammengeschusterten Sparkompromiss. Japans Regierung und die Bank of Japan kündigten weitere
Konjunkturspritzen an. Der Yen gab daraufhin nach.
Wir ließen unsere Asset Allocation im Großen und Ganzen unverändert. Die anstehende politische
Auseinandersetzung in den USA über dauerhafte Maßnahmen zum Schuldenabbau und die Rezession im
Euroraum machen uns vorsichtig. Unsere Duration bei Staatsanleihen ist neutral. Unser Risikoexposure
entsteht durch eine Übergewichtung von Schwellenländeranleihen in USD und die Übergewichtung von
amerikanischen Immobilienwerten. Beide Positionen entsprechen unserem mittelfristigen Schwerpunkt auf
langfristigen Anlagen.
In den ersten Stunden des Jahres 2013 erzielten die beiden Parteien im amerikanischen Senat einen
Kompromiss, der es dem Land ermöglichte die Fiskalklippe, d.h. automatische Steuererhöhungen und
Ausgabenkürzungen in Höhe von 600 Mrd. USD zu vermeiden. Das Repräsentantenhaus stimmte diesem Plan
etwas später zu, allerdings mit einer knapperen Mehrheit. Die Steuererhöhungen betreffen nur Privatpersonen
mit Einkünften über 400.000 USD und Eheleute mit einem Einkommen von mehr als 450.000 USD. Diese
Gruppe muss ebenfalls höhere Steuern auf Dividenden und Kapitalerträge in Kauf nehmen. Für 99 % der USHaushalte
wurden die unter George W. Bush eingeführten vorübergehenden Steuersenkungen jedoch
festgeschrieben.
Damit ist das Ende der guten Nachrichten schon erreicht. Die von Obama vor zwei Jahren eingeführte
vorübergehende Senkung der Sozialversicherungsbeiträge wird nicht verlängert. Die automatische
Ausgabenkürzung wurde nur um zwei Monate herausgezögert. Die Obergrenze für die Staatsverschuldung, die
derzeit bei USD 16,4 Billionen USD liegt, wurde bereits Ende 2012 erreicht, könnte aber ausnahmsweise bis
Mitte Februar toleriert werden. Wird die Schuldengrenze bis dahin nicht angehoben, muss die amerikanische
Regierung ihre Ausgaben radikal kürzen und wird unter Umständen nicht in der Lage sein, ihre Schulden
zurückzuzahlen.
Auch wenn wir nicht damit rechnen, dass dies geschieht, wird es vermutlich in den kommenden Wochen in den
Medien alarmierende Berichte zu diesem Thema geben. Wichtiger ist jedoch der enorme Vorteil, den die
Republikaner dadurch bei den Verhandlungen über Ausgabenkürzungen erhalten. In der Zwischenzeit hoffen
Demokraten immer noch auf ein höheres Steueraufkommen, während ein Teil der Republikaner die
Steuererhöhungen für Großverdiener wieder rückgängig machen möchte.
Der derzeitige Kompromiss stellt in keinster Weise eine Lösung für die Haushaltsprobleme der USA dar. Zu
Beginn stiegen Aktienkurse und Anleiherenditen in den USA und den europäischen Kernstaaten, während die
Renditen in den Peripheriestaaten nachgaben. Für die kommenden Wochen wird jedoch eine höhere Volatilität
erwartet.
Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe plant weitere Maßnahmen zur Konjunkturförderung. Er forderte
die Bank of Japan auf, ein höheres Inflationsziel festzulegen und die quantitative Lockerung zu beschleunigen.
Die BoJ kam dieser Aufforderung pflichtgemäß nach und erhöhte ihr Programm für den Kauf von Anleihen um
weitere 10 Billionen auf 101 Billionen JYP, was 21% des nominalen BIP entspricht. Die Politik der BoJ wurde als
übertrieben vorsichtig kritisiert und geriet so ins Visier von Abe. Doch die BoJ liegt nicht weiter hinter der
amerikanischen Fed und der EZB zurück. Auch wenn die Bank of England eindeutig die aggressivsten
Maßnahmen ergriff, wirkt die BoJ nicht übertrieben konservativ.
Wir glauben nicht, dass eine weitere quantitative Lockerung durch die BoJ die japanische Wirtschaft auf Dauer
stützen oder den Yen nachhaltig schwächen kann. Natürlich sind Konjunkturspritzen der Zentralbank eine
bequeme Lösung für die Regierung eines Landes, das 2012 ein Haushaltsdefizit von 10 %, eine
Bruttoverschuldung von 214 % des BIP und aufgrund der alternden Bevölkerung eine rückläufige Sparquote
verzeichnete.
Für das Jahr 2013 ist unsere Einstellung Aktien gegenüber vorsichtig. Wir rechnen mit größeren
Schwierigkeiten für die Weltwirtschaft und mit einem Anziehen der fiskalischen Bremse in einer ganzen Reihe
von Ländern, darunter auch den USA. Auch der Euroraum ist noch nicht über dem Berg, weder wirtschaftlich,
noch haushaltspolitisch. Wir gehen davon aus, dass die Gewinnprognosen der Unternehmen weiter nach unten
revidiert werden.
Die nachlassende Wirksamkeit von Konjunkturanreizen und die damit verbundene langfristige Abhängigkeit der
Märkte und der Volkswirtschaft von niedrigen Finanzierungkosten bereitet uns ebenfalls Sorgen. Wir werden von
Zeit zu Zeit taktische Investitionen in riskantere Anlagen vornehmen. Derzeit haben wir Aktien jedoch neutral
gewichtet.
Joost van Leenders
Spezialist für Asset Allocation & Anlagestrategie
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