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Eurozone-Industrie verzeichnet wegen hartnäckiger Nachfrageflaute auch im Dezember starke Wachstumseinbußen
Die Eurozone-Industrie steckte im Dezember wegen leicht beschleunigter Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang weiter tief in der Rezession. Die entsprechenden Vorabschätzungen wurden allesamt unterschritten.
Der Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) sank binnen Monatsfrist um 0.1 Punkte auf 46.1 und notiert damit zum 17. Mal hintereinander unter der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Die Vorabschätzung wurde um 0.2 Punkte unterschritten.
Lediglich Irland vermeldete im Dezember Wachstum. In Deutschland, Spanien, Österreich und Griechenland beschleunigte sich die Talfahrt, während sie sich in Frankreich, Italien und in den Niederlanden verlangsamte. Griechenland blieb mit deutlichem Abstand zu Spanien und Frankreich Schlusslicht.
Die Produktion wurde den zehnten Monat in Folge wegen rückläufiger Auftragsvolumina – auch von den Exportmärkten – zurückgefahren.
Im vierten Quartal 2012 sanken Produktion und Auftragseingang jedoch im Durchschnitt weniger stark als in den beiden Vorquartalen.
Wegen rückläufiger Handelsströme innerhalb der Eurozone und der gedämpften Nachfrage von den Weltmärkten wies der Index Exportbestellungen im Dezember das 18. Minus in Folge aus. Es fiel jedoch weniger gravierend aus als in den zurückliegenden acht Monaten.
Spanien, die Niederlande und Irland vermeldeten eine anziehende Auslandsnachfrage, und auch in Italien näherte sich der Index Exportneuaufträge der neutralen 50er-Marke weiter an. Im Gegensatz dazu wiesen Deutschland, Frankreich und Griechenland hohe Verluste aus. Doch während sich das Minus in Deutschland gegenüber November verringerte, verbuchten Frankreich und Griechenland die höchsten Verluste seit Mai 2009 bzw. Januar 2009.
Die Branchenakteure bauten im Zuge von Kostensenkungen und Überkapazitäten im Dezember den 11. Monat in Folge und in weitgehend unvermindertem Tempo Stellen ab. Bis auf Irland sank die Beschäftigung in allen übrigen von der Umfrage erfassten Ländern. In Deutschland, Spanien, Österreich und Griechenland beschleunigte sich der Jobabbau, wenngleich er in Deutschland und in den Niederlanden jeweils nur moderat ausfiel.
Sparmaßnahmen gaben auch den Ausschlag dafür, dass die Lagerbestände und die Einkaufsmenge ein weiteres Mal stark reduziert wurden. Die Auftragsbestände wurden hingegen nicht mehr ganz so zügig abgebaut wie in den zurückliegenden sechs Monaten.
Der Preisdruck war auch im Dezember relativ schwach. So blieben die Verkaufspreise nach sechsmonatiger Ermäßigung erstmals wieder konstant, ungeachtet der Nachfrageflaute und des scharfen Wettbewerbs. Der Anstieg der durchschnittlichen Einkaufspreise fiel schwächer aus als in den drei Vormonaten. Zurückzuführen war dies in erster Linie auf Deutschland, wo die Kosten leicht sanken. Mit Ausnahme der Niederlande beschleunigte sich der Kostenauftrieb in allen anderen von der Umfrage erfassten Ländern.
Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:
“Der Eurozone-Industriesektor steckte auch im Dezember tief in der Rezession. Trotz des leicht abgeschwächten Rückgangs dürfte die Produktion im Dezember auf Quartalsbasis um annähernd 1% gesunken sein, womit die Industrie die Konjunktur weiter erheblich belastete. Folglich könnte sich auch der Rückgang der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2012 – wahrscheinlich sogar erheblich - beschleunigt haben.
Den Branchenakteuren stehen wohl auch 2013 schwere Zeiten ins Haus, wenngleich sich der Ausblick aufgrund erster Anzeichen einer anziehenden Nachfrage aus Schlüsselmärkten wie den USA und China doch ein wenig aufgehellt hat. Das Erfolgsrezept liegt allerdings in der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Das Beispiel Irlands zeigt vielleicht am besten, dass ein Exportwachstum auch in Zeiten von Strukturreformen möglich ist.
Vieles hängt in nächster Zeit allerdings auch vom Fortgang der Schuldenkrise im Währungsgebiet ab. Jeder Rückschlag hier könnte den jeweiligen Binnenmärkten und der Konsumstimmung schaden und damit Exporterfolge mit Ländern außerhalb der Eurozone wieder zunichte machen.“
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