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Bank Austria EinkaufsManagerIndex im November: Konjunkturwende der Industrie in Sicht
- Starke Korrektur nach oben – mit 49,3 Punkten klettert Bank Austria
EinkaufsManagerIndex im November auf besten Wert seit Juni
- Steigende Aufträge sorgen erstmals seit Sommer für leichte Produktionsausweitung
in heimischer Industrie
- Beschäftigungsabbau setzt sich noch fort
- Steigende Einkaufspreise belasten Ertragslage der Unternehmen
- Wende in Industrie leitet gesamtwirtschaftlichen Konjunkturumschwung ein – nach
Rezession in zweiter Jahreshälfte 2012 leichte Belebung im Verlauf von 2013
- Industrie mit Produktionsplus um 3 Prozent 2013 tragende Säule des
Wirtschaftswachstums von 0,9 Prozent, nach nur 0,5 Prozent 2012
Die Talfahrt der heimischen Industrie hat ein Ende, der Konjunkturtiefpunkt ist offenbar
überwunden. „Im November ist der Bank Austria EinkaufsManagerIndex unerwartet stark
gestiegen. Mit 49,3 Punkten erreicht der Indikator den besten Wert seit Juni und liegt nur noch knapp unter der neutralen Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird“, sagt Bank
Austria Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer. Seit Februar hatte sich die Geschäftslage der
österreichischen Industriebetriebe kontinuierlich verschlechtert und seit vier Monaten sogar
rückläufig entwickelt. „Das leicht steigende Neugeschäft im November führte erstmals seit dem
Sommerbeginn zu einem kleinen Produktionsplus. Zwar sank der Auftragsbestand und die
Beschäftigung im November noch, jedoch deutlich weniger stark als im Oktober“, so Bruckbauer.
Zwischen Juli und November dieses Jahres haben die heimischen Industriebetriebe die
Produktionsleistung durchgängig zurückgefahren. In November stabilisierte sich durch einen
Zuwachs bei den Auftragseingängen die Produktion dagegen wieder. „Die derzeit spürbare
Verbesserung der Auftragslage ist überwiegend hausgemacht. Zwar nahm das Minus bei den
Exportbestellungen gegenüber dem Vormonat ab, doch die Nachfrage nach ,Made in Austria’
lässt weiterhin zu wünschen übrig“, so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Die globale
Konjunkturschwäche, insbesondere die noch anhaltende Rezession in einigen Nachbarländern
Österreichs, vor allem in Italien, dem zweitwichtigsten Handelspartnerland, belastet die
heimischen Erzeuger. Die nachlassenden Auftragseingänge aus dem Ausland sind wesentlich
für die nun bereits seit zehn Monaten sinkenden Auftragspolster der österreichischen
Industriebetriebe verantwortlich.
Obwohl die verbesserte Auftragslage zu einer leichten Steigerung der Produktion führte, zeigt
sich am Arbeitsmarkt noch keine Verbesserung. Im November wurden die Personalkapazitäten
in der Industrie aus Kostengründen abermals zurückgefahren. „Wenn sich auch das Tempo des Beschäftigungsabbaus aktuell bereits etwas verringert, seit mittlerweile einem halben Jahr gehen
im Sektor nun bereits Jobs verloren. Dennoch wird im Gesamtjahr 2012 die Anzahl der
Industriebeschäftigten mit durchschnittlich 583.000 um 1,6 Prozent über dem Vorjahr liegen“,
führt Pudschedl aus. Trotz der Stabilisierung der Industriekonjunktur ist in den kommenden
Monaten noch mit keiner Entspannung am Arbeitsmarkt zu rechnen. Die Arbeitslosenquote wird
nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria 2013 auf 7,3 Prozent steigen – nach 7,0
Prozent im Jahresdurchschnitt 2012.
Ungeachtet der nun spürbaren Stabilisierung in der österreichischen Industrie verdeutlichen die
aktuellen Preistrends, dass derzeit Überkapazitäten bestehen bzw. die Nachfrage sehr verhalten
ist. Aufgrund höherer Preise für Energie und Metalle sowie gestiegener Transportkosten legten
die Einkaufspreise erneut zu, der Anstieg schwächte sich jedoch auf ein unterdurchschnittliches
Tempo ab. Die Verkaufspreise bleiben im starken Wettbewerbsumfeld insgesamt unverändert,
wobei im Konsumgüterbereich eine leichte Anhebung möglich war, während im
Vorleistungsgüterbereich die Preise zurückgingen. „Vor dem Hintergrund der derzeitigen
Nachfrageschwäche haben die Unternehmen offenbar nicht die Preismacht, um die steigenden
Kosten in den Verkaufspreisen unterzubringen“, analysiert Pudschedl. Um die Kostendynamik zu
dämpfen setzten die heimischen Betriebe daher verstärkt auf Lagerabbau, was zum einen zu
längeren Lieferzeiten und zum anderen zur Reduktion der Einkaufsmengen führte.
Kleinere Zuwächse bei Produktion und Auftragseingang und ein Gesamtwert des aktuellen Bank
Austria EinkaufsManagerIndex von knapp an der Neutralitätslinie signalisieren ein Ende der
Talfahrt der österreichischen Industrie. Die österreichische Industrie wird rund um den
Jahreswechsel 2012/2013 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren, wenn auch vorerst
angesichts der internationalen Rahmenbedingungen nur von einem moderaten Erholungstempo
auszugehen ist. Mit einem erwarteten Anstieg von 3 Prozent wird die Industrie im kommenden
Jahr die bestimmende Wachstumssäule der heimischen Wirtschaft sein. „Die Trendwende in der
Industrie wird sich in den kommenden Monaten auch auf die Gesamtwirtschaft übertragen. Nach
der leichten Rezession der österreichischen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2012 ist in
einem ruhigeren europäischen Umfeld eine moderate Belebung im Jahresverlauf 2013 in Sicht.
Wir gehen derzeit von einem Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent aus“, fasst Bruckbauer zusammen. Damit haben die Ökonomen der Bank Austria ihre bisherige BIP-Prognose für 2013
zwar leicht gesenkt, da der negative Einfluss der Rezession in einigen Nachbarländern stärker
und auch länger wirkt als bisher angenommen, sehen sich aber bei ihrer Erwartung einer
leichten Belebung im Jahresverlauf 2013 durch den aktuellen EinkaufsManagerIndex bestätigt.
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