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Höchste Geschäftseinbußen im Servicesektor seit Mitte 2009 sorgen im
November für anhaltend starken Wachstumsrückgang in der Eurozone
Die Wirtschaftsleistung der Eurozone-
Privatwirtschaft ist im November mit nahezu
unvermindert hoher Rate zurückgegangen. Dies
zeigt der Markit Flash Eurozone Composite
Index Produktion, der sich gegenüber Oktober
lediglich um 0.1 Punkte auf 45.8 verbesserte. Auf
Basis der Composite PMIs von Oktober und
November droht im vierten Quartal 2012 damit der
stärkste Wachstumsrückgang seit dem zweiten
Quartal 2009.
Mit Ausnahme des geringfügigen Zuwachses im
Januar schrumpft die Eurozone nun bereits seit
September letzten Jahres. Während sich der
Rückgang der Industrieproduktion gegenüber
Oktober jedoch leicht abschwächte, vermeldete der
Servicesektor abermals die stärksten Geschäftseinbußen
seit Juli 2009.
In Deutschland und Frankreich verlangsamte sich
die Talfahrt zwar jeweils leicht, besonders in
Frankreich ging es jedoch weiter steil bergab. In
den übrigen Ländern beschleunigte sich der
Abwärtstrend wieder und fiel im Durchschnitt so
stark aus wie zuletzt im Juli.
Beim Auftrageingang schlugen mit die höchsten
Verluste seit Mitte 2009 zu Buche. Die Dienstleister wiesen ein höheres Minus aus als im Oktober,
während der Rückgang in der Industrie schwächer
ausfiel als in den zurückliegenden acht Monaten.
Die Misere des Servicesektors war auch daran zu
erkennen, dass die Geschäftsaussichten binnen
Jahresfrist so pessimistisch ausfielen wie zuletzt
im März 2009. Erheblich verdüstert hat sich der
Ausblick vor allem in Deutschland, in Frankreich
hellte er sich hingegen leicht auf.
Auch die Frühindikatoren in der Industrie deuten in
den nächsten Monaten auf eine schwache
Entwicklung hin. So wurde die Einkaufsmenge
drastisch reduziert, wodurch die Bestände an
Vormaterialien erneut mit der höchsten Rate seit
knapp drei Jahren abnahmen. Und auch die
Fertigwarenlager wurden in der Industrie so stark
abgebaut wie seit August 2010 nicht mehr.
Angesichts der Nachfrageflaute und der unsicheren
Konjunkturaussichten nahm die Beschäftigung im
Zuge von Kostensenkungsmaßnahmen im
November zum elften Mal hintereinander und mit
der zweithöchsten Rate seit Januar 2010 ab. Im
Servicesektor beschleunigte sich der Jobabbau, in
der Industrie verlangsamte er sich.
Überdies griff die Entlassungswelle weiter um sich.
So vermeldete Deutschland den stärksten Stellenabbau
seit Januar 2010, während in den
Peripherieländern per Saldo so viele Arbeitsplätze
gestrichen wurden wie zuletzt im Juli. In Frankreich
fiel der Jobabbau hingegen schwächer aus als in
den zurückliegenden vier Monaten.
Die Auftragsbestände nahmen erneut mit der
höchsten Rate seit Juli 2009 ab. Stark sinkende
Auftragspolster in beiden Sektoren deuten darauf
hin, dass die Unternehmen ihre Kapazitäten wegen
der Auftragsverluste im Dezember weiter
reduzieren dürften.
Die Einkaufspreise legten weiter zu, der
Kostenauftrieb schwächte sich gegenüber den beiden Vormonaten jedoch ab. Die Verkaufspreise
wurden ein weiteres Mal reduziert. Im Servicesektor
fiel der Rückgang jedoch wegen verbreiteter
Preisnachlässe zur Ankurbelung der schwachen
Nachfrage deutlich stärker aus als in der Industrie.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit,
kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Die Eurozone-Privatwirtschaft ist im November
erneut in alarmierendem Tempo geschrumpft und
steckt in der schlimmsten Krise seit Mitte 2009.
Zwar sank die Wirtschaftsleistung im Währungsgebiet
im dritten Quartal 2012 laut offiziellen Daten
lediglich um 0.1%, doch deuten unsere PMIs auf
eine erhebliche Beschleunigung der Talfahrt im
vierten Quartal hin. Unseren Berechnungen zufolge
könnte das BIP dann sogar um bis zu 0.5%
einbrechen.
Zwar stabilisierten sich einige Umfrageindikatoren
im November, die Krise bleibt jedoch insgesamt
gravierend und hat mittlerweile auch Deutschland
erfasst – was darauf hindeutet, dass sich die Lage
in den nächsten Monaten weiter verschlechtern
könnte.
Angesichts des zweitstärksten Jobabbaus seit
Januar 2010 und den pessimistischsten
Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im
Servicesektor seit März 2009 grassieren
mittlerweile ernsthafte Konjunktursorgen unter den
Firmen, die ihre Kosten wo immer möglich senken
wollen. All dies macht wenig Hoffnung auf
Besserung.“
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