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Bank Austria Konjunkturindikator: Konjunktur weiterhin schwach – Warten auf Frühlingserwachen
- Bank Austria Konjunkturindikator bestätigt im Oktober anhaltende Wirtschaftsschwäche,
doch leichte Verbesserung um 0,4 Punkte auf minus 0,8 Punkte kündigt
Konjunkturstabilisierung an
- Stimmung der Konsumenten hat sich verbessert, Industrie bleibt angesichts
zunehmender Konjunktursorgen skeptisch
- Konjunkturtiefpunkt verschiebt sich: leichter BIP-Rückgang im 4. Quartal zu erwarten,
Wirtschaftswachstum in diesem Jahr daher unter 1 Prozent
- Ausblick: Zaghafte Konjunkturerwärmung nach dem Winter bringt 2013 mit 1,2
Prozent etwas höheren BIP-Anstieg
Am österreichischen Konjunkturhimmel halten sich hartnäckig dunkle Wolken. „Der Konjunkturindikator
der Bank Austria befindet sich im Oktober weiter im negativen Wertebereich, der eine
anhaltende Schwäche der heimischen Wirtschaft signalisiert. Allerdings zeigt der Anstieg um 0,4 Punkte gegenüber dem Vormonat auf aktuell minus 0,8 Punkte, dass eine leichte Aufhellung
in den kommenden Monaten bevorsteht“, so Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Trotz
der schwierigen internationalen Rahmenbedingungen gehen die Ökonomen der Bank Austria
davon aus, dass sich die jüngste Verbesserung des Indikators in den kommenden Monaten
fortsetzen wird. Demnach besteht im Zuge der Stabilisierung der Lage in Europa die Aussicht
auf ein zaghaftes Frühlingserwachen zu Beginn des neuen Jahres.
Ausschlaggebend für den moderaten Anstieg des Bank Austria Konjunkturindikators war
ausschließlich die leichte Verbesserung der Stimmung unter Österreichs Konsumenten. „Eine
relativ stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt und die Weichenstellungen zur Lösung der Eurokrise
haben die heimischen Verbraucher im Oktober optimistischer gestimmt. Die österreichischen
Produktionsbetriebe betrachten die Geschäftsaussichten hingegen im Sog der europäischen
Industrie mit etwas gestiegener Skepsis“, folgert Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
„Im dritten Quartal hat sich die heimische Konjunktur zwar weiter eingetrübt, ohne dass es zu
einem Rückgang des BIP gekommen ist. Wir gehen von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung
während der Sommermonate aus“, so Pudschedl weiter. Dank relativ günstiger realer Daten ist
die österreichische Wirtschaft von Juli bis September nicht ins Minus abgerutscht. Die Industrie
weist eine stabile Produktion auf und die Exporte sind leicht gewachsen. Positiv hat im dritten
Quartal auch die Bauwirtschaft aufgezeigt. Die Einbußen im Einzelhandel deuten dagegen auf
eine sehr zurückhaltende Inlandsnachfrage während des Sommers hin.
BIP-Rückgang im 4. Quartal erwartet
Der ursprünglich für die Sommermonate erwartete Konjunkturtiefpunkt verschiebt sich nach
Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria auf das vierte Quartal 2012. Das Konjunkturklima
wird sich vor dem Jahresende nicht mehr verbessern. Die rückläufige Auftragsentwicklung und
die negativen Vorgaben aus dem Ausland werden im Schlussquartal 2012 in der heimischen
Industrie zu einem Produktionsrückgang führen, der sich auch in den Exportzahlen
niederschlagen wird. Die ungünstigen Eckdaten des heimischen Arbeitsmarkts belasten zunehmend die Entwicklung der Inlandsnachfrage. „Gegen Ende 2012 kommen sowohl die
Auslands- als auch die Inlandsnachfrage noch stärker unter Druck. Für das Schlussquartal ist
daher nun sogar von einem leichten Rückgang des BIP um 0,1 Prozent zum Vorquartal
auszugehen. Dank dem guten Start ist im Gesamtjahr 2012 dennoch mit einem Wirtschaftswachstum
von 0,9 Prozent zu rechnen. Dies ist allerdings etwas weniger als wir noch vor einigen
Monaten erwartet hatten“, analysiert Bruckbauer.
Die Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria zum Konjunkturverlauf bleibt unverändert:
Nachdem der Konjunkturzyklus seinen Tiefpunkt nun erreicht, steht im kommenden Jahr ein
moderater Aufschwung bevor. Die Eurokrise wird laut den Bank Austria Volkswirten als
Risikoszenario für die Konjunkturentwicklung in den Hintergrund rücken. Stattdessen wird sich
die Aufmerksamkeit zunehmend auf verhaltenere Nachfrageimpulse aus den Emerging Markets
richten sowie auf die Verschuldungsproblematik in anderen Industriestaaten außerhalb Europas,
die längerfristig eine restriktive Haushaltspolitik zur Folge haben wird. Diese Faktoren sind
maßgeblich für eine nur zögerliche Belebung der Konjunktur im kommenden Jahr. „Die fehlende
Einigung auf einen Haushaltsplan in den USA und die damit drohende Fiskalklippe bergen das
aktuell weltweit höchste Bedrohungspotenzial für die weitere Entwicklung der Konjunktur – und
damit auch der heimischen Wirtschaftsentwicklung – in sich. Wir gehen jedoch davon aus, dass
hier letztlich ein Kompromiss gefunden werden kann, sodass der moderate Wirtschaftsaufschwung
in den USA nicht in Gefahr gerät. Mit einem Anstieg um 1,2 Prozent und damit
geringfügig höher als im laufenden Jahr, halten wir an unserer Wachstumsprognose für die
österreichische Wirtschaft für 2013 weiter fest“, meint Bruckbauer abschließend.
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