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Deutschland: Zweitstärkster Exporteinbruch seit April 2009
Das allgemein schwierige Wirtschaftsumfeld macht
der deutschen Industrie zunehmend zu schaffen.
Das unterlegt der finale saisonbereinigte
Markit/BME Einkaufsmanager Index, der im
Oktober verstärkten Rückgang signalisierte. Mit
46.0 (nach 47.4 im September) lag der Index zum
achten Mal in Folge im Schrumpfungsbereich sowie
deutlich unter dem Langzeitdurchschnitt von 52.0.
Die schmerzhaftesten Einbußen musste die
Vorleistungs- und Investitionsgüterindustrie
verkraften. Die Konsumgüterhersteller hingegen
widersetzten sich im Berichtsmonat dem
allgemeinen Trend und konnten eine leichte
Verbesserung verbuchen.
Der seit 16 Monaten anhaltende Auftragsrückgang
schlägt nun verstärkt auf die Produktionsleistung
durch, so dass sich das Abwärtstempo im Vergleich
zu September wieder beschleunigte. Nach Aussage
der befragten Manager wirkte sich vor allem die
sinkende Zuversicht der Kunden in die
wirtschaftliche Entwicklung negativ auf deren
Investitionsneigung aus. Besonders stark war die
Automobilindustrie betroffen.
Der anhaltenden Schwäche auf den traditionellen
Exportmärkten deutscher Unternehmen musste im
Oktober weiter Tribut gezollt werden. Folglich
wurde die zweitstärkste Rückgangsrate der
Exportaufträge seit April 2009 gemessen. Von der
negativen Entwicklung waren alle drei
Industriesektoren betroffen. Namentlich die
schwierige Wirtschaftslage in Südeuropa und die
zunehmend gedämpfte Investitionsneigung in Asien
wirkten sich laut Umfrageteilnehmern besonders
negativ auf die Ordersituation aus.
Wegen der schwachen Nachfrage konzentrierten
sich die Unternehmen gezwungenermaßen auf die
Abarbeitung bestehender Aufträge. Folglich sanken
die Auftragsbestände, und zwar noch stärker als im
Vormonat.
Gleichzeitig sahen sich die befragten Unternehmen
aufgrund der Schwächetendenzen veranlasst, ihre
Kapazitäten nach unten anzupassen. Der
Personalabbau war der zweitstärkste seit fast drei
Jahren und betraf in besonderem Maße die
Vorleistungsgüterindustrie.
Als Reaktion auf die unterkühlte Stimmung
verstärkten die Einkaufsmanager ihre
Bemühungen, die Lagerbestände weiter
anzupassen. Somit fielen die Fertigwarenlager den
dritten Monat in Folge. Die der gedrosselten Erzeugung angepasste Einkaufstätigkeit der
Manager ließ die Bestände für Vormaterial sogar so
stark schrumpfen wie seit April dieses Jahres nicht
mehr.
Die Lieferanten scheinen die Kapazitäten
erfolgreich an den aktuellen Bedarf angepasst zu
haben, was zu stabilen Lieferzeiten im
Berichtsmonat führte.
Trotz der gedämpften Nachfrage nach Inputs blieb
die Inflationsrate der Einkaufspreise wegen der
ständig steigenden Kraftstoff- und Energiekosten
hoch. Im Gegensatz dazu konnten die
Unternehmen, so wie im gesamten bisherigen
Jahresverlauf, die Verkaufspreise nicht
entsprechend nach oben anpassen, so dass diese
nahezu unverändert blieben.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert den
finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:
„Angesichts schwächelnder Exportmärkte fehlt der
deutschen Industrie zunehmend der Aufwind. Im
Oktober wirkte sich der Abwärtstrend am stärksten
auf die Vorleistungs- und Investitionsgüterindustrie
aus, da Aufträge aus Südeuropa und wegen
nachlassender Investitionsneigung nun auch aus
Asien ausblieben.
Die Ergebnisse unserer Umfrage deuten weiter
darauf hin, dass sich die Unternehmen mit
Personalkürzungen und einem weit verbreiteten
Lagerabbau auf ein schwieriges 4. Quartal 2012
vorbereiten. Die positive Nachricht ist, dass sich
die Angebotspreise stabilisierten und die
Zuwachsrate der Einkaufspreise zumindest das
Vormonatsniveau nicht überstieg.“
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