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Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Oktober: Industriekonjunktur bleibt vorläufig schwach
- Bank Austria EinkaufsManagerIndex fällt im Oktober erneut – jedoch nur mehr
minimaler Rückgang um 0,3 Punkte auf 44,8 Punkte
- Auftragseinbußen verursachen abermals Drosselung der Produktion und
Beschäftigungsabbau
- Ertragslage der Unternehmen durch stark steigende Einkaufspreise belastet
- Erholung der Industrie erst für 2013 erwartet: 3 Prozent Wachstum in Sicht
- Bundesländeraussichten: Industriewachstum in Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und
in Wien wird 2012 über Bundeswert von 1 Prozent liegen
Die ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen belasten weiterhin die österreichische
Industriekonjunktur. „Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex verlor im Oktober abermals an
Boden und markiert mit aktuell 44,8 Punkten. Damit verzeichnet er die höchsten Wachstumseinbußen
seit Mitte 2009. Allerdings spricht nach dem kontinuierlichen und zum Teil rasanten
Einbruch seit Beginn des Jahres der nur noch minimale Rückgang um 0,3 Punkte gegenüber dem Vormonat für eine Stabilisierung des Abwärtstrends“, so Bank Austria Chefvolkswirt Stefan
Bruckbauer. Bereits den vierten Monat in Folge zeigt der Indikator, der die Ergebnisse der
Umfrage zur Konjunkturlage in der heimischen Industrie in einem Wert wiedergibt, ein
Schrumpfen des Produktionssektors an. „Die Auftragseinbußen waren im Oktober deutlich,
sodass sowohl die Produktion zurückgefahren als auch die Beschäftigung verringert wurde.
Zudem belasteten stark steigende Einkaufspreise die Ertragssituation der heimischen
Industriebetriebe“, skizziert Bruckbauer die aktuelle Lage der Industrie.
Der Teilindex für das abgefragte Produktionsvolumen ist aktuell auf nur noch 43 Punkte
gesunken. „Die österreichischen Industriebetriebe haben im Oktober ihre Produktionsleistung so
stark reduziert, wie letztmals vor fast dreieinhalb Jahren. Ausschlaggebend ist die bereits seit
einigen Monaten sehr negative Auftragsentwicklung. Sowohl die Nachfrage aus dem Ausland als
auch von heimischen Kunden ist stark rückläufig. Zumindest hat sich dieser Trend aktuell nicht
mehr weiter verstärkt“, erkennt Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl einen Lichtblick in der
derzeitigen Auftragsentwicklung. Vor allem aus den Ländern der Eurozone kamen in den
vergangenen Wochen weniger Auftragseingänge herein. Die Rezession in wichtigen Abnehmerländern
der österreichischen Produzenten – vor allem in Italien, dem zweitwichtigsten Handelspartner
Österreichs – ist stark spürbar. Die Auftragspolster, die bereits seit Anfang des Jahres
ununterbrochen sinken, haben sich im Oktober abermals stark verringert.
Die starke Drosselung der Produktion aufgrund der rückläufigen Auftragseingänge löste eine
weitere Anpassung des Personalbedarfs in den heimischen Industriebetrieben aus. „Der Jobabbau beschleunigte sich im Oktober weiter und fiel so stark, wie zuletzt im Dezember 2009
aus. Die Mehrheit der heimischen Betriebe hielt den Beschäftigtenbestand jedoch stabil. In
einigen Branchen, so zum Beispiel in vielen Metallbereichen, dem Maschinenbau und der
Pharmaindustrie, wurden trotz der generell schwierigen Rahmenbedingungen Neueinstellungen
vorgenommen“, meint Pudschedl. Eine Umkehr des Beschäftigungstrends im Sektor ist
angesichts der ungünstigen Auftragslage und der weiterhin konsequenten Umsetzung von
Lagerabbauprogrammen nicht in Sicht. Um die Lagerkosten für Vormaterialien knappzuhalten,
wurde die Einkaufsmenge im Oktober abermals deutlich reduziert, nunmehr bereits den
sechsten Monat in Folge. Der leichte Abbau der Fertigwarenlager verursachte erstmalig seit fünf
Monaten sogar einen Anstieg der Lieferzeiten.
„Auch die aktuellen Preistrends setzen der Ertragssituation der heimischen Industriebetriebe zu.
Die Einkaufspreise stiegen im Oktober deutlich stärker als die Verkaufspreise“, so Pudschedl.
Durch den Preisdruck seitens der Kunden und des sich verschärfenden Wettbewerbs konnten
die Verkaufspreise nur geringfügig angehoben werden. Dagegen beschleunigte sich der Anstieg
der Preise für Vormaterialien und Rohstoffe. Insbesondere Gas, Strom, viele Chemikalien und
Kunststoffe aber auch einige Nahrungsmittelrohstoffe waren für den starken Preisauftrieb
verantwortlich.
Der aktuelle Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigt eine Fortsetzung der Rezession in der
heimischen Industrie. Allerdings beginnt sich die Lage mittlerweile zu stabilisieren. „Der Tiefpunkt
der Industriekonjunktur scheint knapp vor Ende des Jahres 2012 erreicht zu sein. Obwohl sich
die negative Industriestimmung der vergangenen Monate auch deutlich in den realen Werten
niedergeschlagen hat, ist im Gesamtjahr 2012 noch ein moderates Produktionsplus von bis zu 1
Prozent zu erwarten“, meint Bruckbauer. Abhängig von der jeweiligen Branchenzusammensetzung
wird die Industrie in Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg sowie in Wien – diese unter
anderem dank der hohen Dynamik in der Pharmaindustrie – im laufenden Jahr ein
überdurchschnittlich hohes Produktionsplus erzielen. Für 2013 halten die Ökonomen der Bank
Austria an einem optimistischen Szenario für die heimische Industrie mit einem Wachstum um
bis zu 3 Prozent fest. Auch im kommenden Jahr wird der Maschinenbau, die Metallwarenerzeugung
aber auch die Elektroindustrie für den Wachstumsschub im Produktionssektor sorgen. Positiv gestützt wird diese Entwicklung von der langsamen Beruhigung in der Eurozone
und damit von einer Nachfragebelebung auch aus dem europäischen Raum.
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