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Beschleunigte Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im Oktober; PMI sinkt auf 40-Monatstief
Die Eurozone-Privatwirtschaft ist im Oktober stärker
geschrumpft als im September und verzeichnete
die höchsten Wachstumseinbußen seit Juni 2009.
Dies zeigt der Markit Flash Eurozone Composite
Index Produktion, der binnen Monatsfrist um 0.3
Punkte auf 45.8 sank und damit den dritten Monat
in Folge nachgab. Mit Ausnahme des geringfügigen
Zuwachses im Januar geht die Wirtschaftsleistung
nun bereits seit September letzten Jahres zurück.
Die Vorabschätzung basiert auf rund 85% der
monatlichen Rückmeldungen der regulären
Einkaufsmanagerindex-Umfragen.
Hauptverantwortlich für die erneuten Wachstumseinbußen waren die hohen Verluste beim Auftragseingang. Immerhin fielen diese nicht mehr ganz so
hoch aus wie im September, als das höchste Minus
seit Juni 2009 zu Buche geschlagen hatte.
Im Servicesektor schwächten sich die Geschäfts-
und Auftragseinbußen gegenüber September leicht
ab, in der Industrie vergrößerten sich die
Produktions- und Auftragsverluste hingegen.
Folglich schnitt die Industrie erneut schlechter ab
als der Servicesektor.
In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft etwas stärker als im September, jedoch deutlich weniger
kräftig als im Juli und August. Im Gegensatz dazu
ging es in Frankreich mit nahezu unvermindertem
Tempo bergab, womit das Land weiter in der
tiefsten Rezession seit Anfang 2009 verharrt.
Außerhalb dieser beiden Schwergewichtsländer
schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt
so stark wie zuletzt im Mai, womit sich die seit
einem Jahr anhaltende rasante Talfahrt fortsetzte.
Um die Kapazitäten der rückläufigen Nachfrage
nach Industrieerzeugnissen und Dienstleistungen
anzupassen, wurden in der Eurozone in fast
unvermindertem Tempo Stellen gestrichen.
Allerdings schwächte sich der Jobabbau gegenüber
dem 32-Monatstief im September leicht ab. In der
Industrie fiel der Rückgang stärker aus als im
Servicesektor. Während in Deutschland nur ganz
vereinzelt Arbeitsplätze wegfielen, vermeldete
Frankreich einen nahezu genauso signifikanten
Jobabbau wie die Peripherieländer.
Da die Geschäftsaussichten der Dienstleister
binnen Jahresfrist insgesamt so pessimistisch
ausfielen wie seit Februar 2009 nicht mehr, ist in
den kommenden zwölf Monaten wohl nicht nur mit
Geschäftseinbußen, sondern auch mit weiteren
Entlassungen zu rechnen.
Drastisch verschlechtert hat sich der Ausblick vor
allem außerhalb Frankreichs und Deutschlands. In
Frankreich verschärfte sich der Pessimismus zwar
leicht, in Deutschland hingegen schwächte er sich
etwas ab, nachdem der Ausblick hier im September
noch so negativ ausgefallen war wie zuletzt vor 3,5
Jahren.
Wegen der Nachfrageflaute und dem starken
Wettbewerb wurden die Verkaufspreise zwar erneut
kräftig reduziert, der Rückgang schwächte sich
jedoch aufgrund steigender Einkaufspreise ab. Im
historischen Vergleich fiel der Kostenauftrieb
infolge des scharfen Wettbewerbs bei den Lieferanten jedoch insgesamt gedämpft aus.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit,
kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Die Eurozone ist zum Start des vierten Quartals
2012 wieder tiefer in die Rezession abgerutscht.
Unsere Vorabschätzung signalisiert einen Rückgang
der Wirtschaftsleistung um 0,5% auf Quartalsbasis.
Die offiziellen Daten sind im Sommer zwar
überraschend besser ausgefallen als von uns
prognostiziert, doch hat sich das Geschäftsklima in
den letzten Monaten eindeutig verschlechtert. Auch
wenn das BIP im dritten Quartal nur moderat
zurückgegangen sein dürfte, könnte es im vierten
Quartal dann doch stärker schrumpfen.
Die Finanzmärkte haben die positiven
Entscheidungen der Politiker zur Lösung der
Schuldenkrise, insbesondere das Versprechen der
EZB, auf den Anleihemärkten tätig zu werden, zwar
begrüßt, die Unternehmen waren davon jedoch
offensichtlich weniger beeindruckt. Deren
Jahresausblick fällt aktuell so pessimistisch aus wie
zuletzt Anfang 2009, als die Krise nach der
Lehman-Pleite noch in vollem Gange war.
Zur Sorge über die heimische Konjunktur kommt
bei den Unternehmen jetzt noch die sich
verschärfende Nachfrageschwäche, vor allem aus
Asien, und – etwas weniger ausgeprägt - seitens
der USA hinzu.
Der pessimistische Ausblick hat sich ja bereits in
einem weiteren Jobabbau niedergeschlagen, was
darauf hindeutet, dass die Unternehmen
zunehmend auf Kosteneinsparungen setzen. Sogar
Deutschland ist dagegen nicht immun – hier ging
die Beschäftigung im Oktober erstmals seit Anfang
2010 wieder in zwei aufeinander folgenden
Monaten zurück.“
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