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Moderater Wachstumsrückgang der deutschen Privatwirtschaft im Oktober infolge der Schwäche des Industriesektors
Die deutsche Privatwirtschaft ist im Oktober wieder
stärker geschrumpft als im September. Dies zeigt
der Markit Flash Deutschland Composite Index
Produktion, der gegenüber September um 1.1
Punkte auf 48.1 sank und sich damit dem
Durchschnittswert des dritten Quartals 2012 von
47.9 wieder annäherte. Seit sechs Monaten geht
die Wirtschaftsleistung in Deutschland nun bereits
ununterbrochen zurück.
Sowohl in der Industrie, als auch im Servicesektor
kam es zu Produktions- bzw. Geschäftsseinbußen,
wobei die Industrie schlechter abschnitt. Im
Servicesektor entfernte sich der Index wieder von
der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten,
der er sich im Vormonat deutlich angenähert und
damit weitgehende Stabilisierung signalisiert hatte.
Die Industrieproduktion sank im Oktober hingegen
zum siebten Mal hintereinander.
In der Industrie vergrößerten sich die Auftragsverluste nochmals, so dass hier das 16. Minus in
Folge zu Buche schlug. Zurückzuführen war dies
den Befragten zufolge in erster Linie auf die
Konjunkturschwäche in den Exportmärkten, allen
voran in Südeuropa. Hinzu kam die gedämpfte
Nachfrage aus dem Automobilsektor, und in Asien
waren vor allem Investitionsgüter weniger gefragt
als zuletzt. Insgesamt mussten die Branchenakteure die zweithöchsten Exportverluste seit April
2009 hinnehmen. Das jetzige Minus wurde nur vom
August-Wert übertroffen.
Im Servicesektor fiel der Auftragsrückgang
hingegen schwächer aus als in den drei
Vormonaten. Gebremst wurde die Nachfrage der
privaten Haushalte nach Dienstleistungen durch
den Kostenanstieg bei Kraftstoffen und Energie,
und auch der scharfe Wettbewerb machte den
Dienstleistern zu schaffen. Insgesamt verlangsamte
sich der 8. Auftragsrückgang in Folge in der
deutschen Privatwirtschaft jedoch ein weiteres Mal.
Dass die Kapazitäten auch im Oktober nicht
ausgelastet waren, zeigte der in beiden Sektoren anhaltende Rückgang der Auftragsbestände.
Überdies fiel der 12-Monatsausblick der
Dienstleister ausgesprochen pessimistisch aus.
Entsprechende Sorgen hinsichtlich der weiteren
Nachfrageentwicklung in der Industrie spiegelten
sich im stärksten Rückgang der Vormateriallager
seit Dezember 2009 wider.
Die negativen Konjunkturaussichten und die
Überkapazitäten sorgten dafür, dass in der
Industrie erstmals wieder per Saldo Arbeitsplätze
abgebaut wurden und im Servicesektor
diesbezüglich Stagnation herrschte. Folglich notiert
der Jobindex für die gesamte Privatwirtschaft zum
zweiten Mal hintereinander unter der neutralen 50er
Marke, womit die Beschäftigung erstmals seit
Anfang 2010 wieder in zwei aufeinanderfolgenden
Monaten sank.
Zusätzlicher Druck ging im Oktober von den
abermals kräftig steigenden Einkaufspreisen aus.
Im Servicesektor stieg die Kostenbelastung erneut
stärker als in der Industrie. Verteuert haben sich in
der Industrie vor allem Kraftstoffe und Rohstoffe,
wenngleich die Kostenentwicklung hier durch die
Verbilligung von Stahl letztlich gedämpft wurde.
Die Verkaufspreise legten hingegen erstmals seit
vier Monaten wieder zu, da sie in beiden Sektoren
geringfügig angehoben wurden. Wegen des starken
Wettbewerbsdrucks und der aktuell gedämpften
Konjunktur, insbesondere in den Exportmärkten,
blieb die Preismacht der Unternehmen begrenzt.
Tim Moore, Senior-Ökonom bei Markit,
kommentiert den aktuellen Markit Flash EMIâ„¢
Deutschland:
„Nach einem Schritt in die richtige Richtung im
September hat die deutsche Wirtschaft im Oktober
wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet. Dass die
heutige Vorabschätzung das Vier-Monatshoch von
September unterschritt, lag vor allem daran, dass die
Industrieproduktion stärker zurückgefahren wurde als
zuletzt.
Zu schaffen machen den Industrieunternehmen vor
allem die nachlassenden Exporte nach Südeuropa
und der Nachfragerückgang im Automobilsektor. Die
Schwäche der Automobilhersteller sorgte wiederum
bei deren Vorleistungsgüterproduzenten für leere
Auftragsbücher. Gleichzeitig schadete die relativ
gedämpfte Ausgabenbereitschaft in Asien den
Investitionsgüterexporten.
Unsere aktuellen Umfragen zeigen auch, dass sich
sowohl die Industrie- als auch die Serviceunternehmen große Sorgen hinsichtlich der
kurzfristigen Geschäftsaussichten machen. Die
Industrieunternehmen bauten ihre Vormateriallager so
stark ab wie seit fast drei Jahren nicht mehr, und der
Ausblick der Dienstleister fällt im Oktober so
pessimistisch aus wie selten zuvor seit dem
Höhepunkt der Rezession Anfang 2009. Bedenken
hinsichtlich der Nachfrageentwicklung und
hartnäckiger Überkapazitäten trugen schließlich mit
dazu bei, dass die Beschäftigung in der deutschen
Privatwirtschaft erstmals seit Anfang 2010 in zwei
aufeinander folgenden Monaten wieder abgebaut
wurde.“
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