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Stärkster Rückgang der Eurozone-Wirtschaftsleistung im September seit
Juni 2009 trotz abgeschwächter Talfahrt in Deutschland
Angesichts des leicht beschleunigten Abwärtstrends
verzeichnete die Eurozone-Privatwirtschaft
im September den stärksten Rückgang der
Wirtschaftsleistung seit Juni 2009. Dies zeigt der
Markit Flash Eurozone Composite Index
Produktion, der binnen Monatsfrist um 0.4 Punkte
auf 45.9 sank und damit zum zwölften Mal
innerhalb der letzten 13 Monate unter der neutralen
Marke von 50 notiert, ab der Wachstum signalisiert
wird. Die Vorabschätzung basiert auf rund 85% der
monatlichen Rückmeldungen der regulären
Einkaufsmanagerindex-Umfragen.
Mit 46.2 Punkten fällt der Index-Durchschnitt für
das 3. Quartal 2012 nicht nur schlechter aus als im
2. Quartal (46.4), er markiert auch die höchsten
Wachstumseinbußen seit dem 2. Quartal 2009.
Die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit
im Service-Sektor gingen im September
mit fast gleich hoher Rate zurück. zurück. Während
jedoch der Produktionsindex in der Industrie den
höchsten Wert seit April markiert, befindet sich der
Service-Index auf dem tiefsten Wert seit Juli 2009.
Hauptverantwortlich für die beschleunigte Talfahrt
der Eurozone war der Auftragseingang, wo die
höchsten Verluste seit Mai 2009 zu Buche schlugen. In beiden Sektoren fielen die Rückgänge
gleich stark aus. Für die Dienstleister bedeutet dies
das höchste Auftragsminus seit Juni 2009. In der
Industrie fielen die Verluste nur geringfügig höher
aus als im August, wenngleich die Exportbestellungen
mit abgeschwächter Rate sanken.
Vom Wachstums- und Auftragsrückgang war die
gesamte Eurozone betroffen, größere Unterschiede
gab es vor allem zwischen den beiden Schwergewichtsländern
Deutschland und Frankreich.
In Frankreich schrumpften Wirtschaftsleistung und
Auftragseingang so stark wie zuletzt im April 2009,
wobei sich die Abwärtstrends sowohl in der
Industrie als auch im Servicesektor spürbar
beschleunigten.
In Deutschland verlangsamte sich der Rückgang
der Wirtschaftsleistung hingegen erheblich, hier
schlugen nur noch geringfügige Wachstumseinbußen
zu Buche, und auch die Auftragsverluste
verringerten sich. Der deutsche Servicesektor
verzeichnete sogar erstmals seit Mai wieder einen
leichten Zuwachs der Geschäftstätigkeit. Der
Industriesektor schrumpfte hingegen weiter,
hauptsächlich wegen gravierender Exportorderverluste.
Außerhalb der beiden großen Länder sank die
Wirtschaftskraft in Durchschnitt so deutlich wie seit
Mai 2009 nicht mehr, und auch der Auftragseingang
wies ein höheres Minus aus als im August.
Der neunte Jobabbau in Folge fiel insgesamt so
kräftig aus wie zuletzt im Januar 2010. Im
Servicesektor wurden per Saldo so viele Stellen
gestrichen wie seit November 2009 nicht mehr. In
der Industrie verlangsamte sich der Jobabbau
hingegen und fiel schwächer aus als in den vier
Vormonaten.
Während in Deutschland nur ganz vereinzelt
Arbeitsplätze abgebaut wurden, gingen in
Frankreich per Saldo so viele Stellen verloren wie zuletzt im November 2009, und in den übrigen
Ländern so viele wie seit Juli 2009 nicht mehr.
Aufgrund beschleunigt abnehmender Auftragspolster
in beiden Sektoren fiel der Rückgang der
Auftragsbestände auch insgesamt so stark aus
wie zuletzt im Juli 2009. Ohne Nachfragebelebung
drohen in den nächsten Monaten somit weitere
Entlassungen.
Im Servicesektor trübten sich die Geschäftsaussichten
binnen Jahresfrist weiter ein und
fielen so pessimistisch aus wie seit März 2009 nicht
mehr. Nicht nur in Deutschland und Frankreich,
sondern auch in den übrigen Ländern
verschlechterte sich der Ausblick.
Der Preisdruck verstärkte sich im September
wieder. So legten die Einkaufspreise mit der
höchsten Rate seit April zu, ausgelöst vor allem
durch die Verteuerung von Öl, Kraftstoffen und
Nahrungsmitteln. In der Industrie stiegen sowohl
die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise erstmals
seit vier Monaten wieder. Im Servicesektor wurden
die Angebotspreise wegen der Nachfrageschwäche
- trotz des stärksten Anstiegs der Einkaufspreise
seit sechs Monaten - so deutlich reduziert wie
zuletzt im Februar 2010.
Chris Williamson, Chief Economist bei Markit,
kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:
“Angesichts des beschleunigten Abwärtstrends im
September deutet alles darauf hin, dass die
Wirtschaftsleistung der Eurozone im dritten Quartal
2012 so stark gesunken ist wie seit drei Jahren nicht
mehr. Unsere Vorabschätzung signalisiert einen BIPRückgang
von 0.6%, womit die Währungsregion
wieder die Bedingungen für eine technische
Rezession erfüllt.
Wir hatten ja gehofft, dass sich die Neuigkeiten
hinsichtlich der Intervention der EZB zur Milderung
der Schuldenkrise positiv auf das Geschäftsklima
auswirken würden, doch stattdessen scheint sich
die Stimmung sogar noch verschlechtert zu haben.
Der Ausblick fällt so pessimistisch aus wie seit
Anfang 2009 nicht mehr, was in erster Linie auf den
anhaltenden Gegenwind durch die sich abkühlende
Weltkonjunktur zurückzuführen ist. Die miese
Stimmung und die Nachfrageflaute hatten im
September jedenfalls den stärksten Jobabbau seit
Januar 2010 zur Folge.
Gleichzeitig hat sich der Kostendruck wegen der
gestiegenen Ölpreise spürbar verstärkt. Aufgrund
der schwachen Nachfrage konnten die Unternehmen
den Preisanstieg jedoch nicht an ihre
Kunden weitergeben, sondern musste ihre
Verkaufspreise ein weiteres Mal reduzieren.
Steigende Kosten und rückläufige Verkaufspreise
schaden in jeden Fall den operativen Margen.
Einen kleinen Lichtblick liefert Deutschland, wo sich
die Talfahrt im September deutlich verlangsamt hat.
In Frankreich ging es jedoch mit markant
beschleunigter Rate bergab, und auch in den
Peripherieländern hat sich die Lage weiter
verschlimmert. Ob sich Deutschland auf Dauer
diesem Negativtrend wird entziehen können, kann
man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau
sagen, vor allem angesichts der anhaltend hohen
Verluste beim Auftragseingang in der Industrie und
im Servicesektor gleichermaßen.“
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