Konjunktur - Anhaltende Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im August; erneuter Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien

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Anhaltende Talfahrt der Eurozone-Privatwirtschaft im August; erneuter Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien



Die Wirtschaftsleistung der Eurozone-Privat-wirtschaft ist im August den siebten Monat in Folge zurückgegangen. Dies zeigt der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®), der gegenüber Juli um 0.2 Punkte auf 46.3 nachgab und damit auch die Vorabschätzung um 0.3 Zähler unterschritt. Mit 46.4 Punkten liegt der bisherige Durchschnitt für das 3. Quartal 2012 in etwa auf dem Niveau des Vorquartals.

Trotz der leichten Abschwächung gegenüber Juli war der Rückgang der Industrieproduktion im August so stark wie selten zuvor seit dem Ende der letzten Rezession 2009, womit der Industriesektor auch erneut schlechter abschnitt als der Servicesektor. Doch auch der 7. Rückgang der Geschäftstätigkeit im Servicesektor fiel etwas stärker aus als im Juli.

Den August-Daten zufolge schrumpfte die Wirtschaftsleistung in nahezu allen von der Umfrage erfassten Ländern. Spanien und Italien blieben Schlusslichter, während Deutschland und Frankreich jeweils mäßige Rückgänge vermeldeten. Einziger Lichtblick war Irland, wo das dritte Wachstum in Folge etwas stärker ausfiel als im Juli.

Rob Dobson, Senior Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite Index:

“Dass der finale Composite-Index die Vorabschätzung leicht unterschreitet, zeigt, dass die Eurozone im 3. Quartal weiter alle Kriterien für eine technische Rezession erfüllt. Hohe Auftragsverluste bei Industrie- und Servicefirmen und der anhaltende Jobabbau verdeutlichen, dass es kurzfristig keine Aussicht auf einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung gibt.

Bestes Beispiel, dass es auch mit krisengeplagten Ländern wie Italien und Spanien bald wieder aufwärts gehen könnte, ist Irland mit seinem jüngsten Aufschwung. Die größte Gefahr geht derzeit von Deutschland - dem Hoffnungsträger für viele Länder der Währungsunion - aus, wo die Konjunktur zunehmend lahmt. Angesichts rückläufiger Exporte und einer stagnierenden Binnennachfrage wird Deutschland im weiteren Jahresverlauf dieser Rolle wohl kaum gerecht werden. Sollten die Kernländer wanken, verschlechtern sich auf jeden Fall auch die Aussichten der Peripherieländer.“

Service- und Industriesektor kombiniert:

Hauptgrund für den Rückgang der Wirtschaftskraft der Eurozone im August war die anhaltende Auftragsflaute. Überdies waren trotz vermehrter Entlassungen Überkapazitäten noch immer an der Tagesordnung.

Der Auftragseingang wies das zweithöchste Minus seit Beginn des Nachfragerückgangs vor 13 Monaten aus. So blieb die zugrunde liegende Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen den Befragten zufolge nicht nur wegen der ungelösten Schulden- und Politikkrise in der Währungsunion, sondern auch infolge der weiteren Abkühlung der Weltkonjunktur schwach. Die vier Schwergewichtsländer vermeldeten durch die Bank weg Auftragsverluste, allen voran Deutschland.

Um vor dem Hintergrund der Auftragsflaute und der rückläufigen Geschäftsaktivitäten Überkapazitäten abzubauen, wurden zum achten Mal hintereinander per Saldo Stellen gestrichen.

Rückläufige Beschäftigung vermeldeten Frankreich, Italien und Spanien, doch nur in Italien beschleunigte sich der Jobabbau. In Irland blieb die Beschäftigung weitgehend konstant. Deutschland schnitt vergleichsweise gut ab, hier kam es zum dritten moderaten Stellenaufbau innerhalb der zurück-liegenden vier Monate.

Ungeachtet der insgesamt rückläufigen Beschäftigung nahmen die Auftragsbestände den 14. Monat in Folge ab. Alle von der Umfrage erfassten Länder verzeichneten hier Rückgänge.

Da sich der Kostenauftrieb im Servicesektor stärker auswirkte als der verlangsamte Kostenrückgang in der Industrie, wies der Gesamtindex Einkaufspreise insgesamt einen moderaten Anstieg aus.

Aufgrund des scharfen Wettbewerbs und der anhaltenden Auftragsflaute wurden die Verkaufspreise in der Industrie, insbesondere jedoch im Servicesektor reduziert. Sämtliche von der Umfrage erfassten Länder wiesen hier einen Rückgang aus, allen voran Spanien. In Deutschland kam es hingegen nur ganz vereinzelt zu Preisnachlässen.

Servicesektor:

Im Eurozone-Servicesektor hat sich der Abwärtstrend noch etwas stärker beschleunigt als von der Vorabschätzung angezeigt. Darauf deutet der finale Eurozone Service-Index Geschäftstätigkeit hin, der binnen Monatsfrist um 0.7 Punkte statt nur um 0.4 Punkte nachgab. Der Dienstleistungssektor schrumpft nun bereits seit sieben Monaten.

Deutschland und Frankreich glitten wieder in den rezessiven Bereich ab, in Italien und Spanien ging es trotz der jeweils leicht verlangsamten Talfahrt weiter steil bergab. Die irischen Branchenakteure vermeldeten hingegen erstmals seit vier Monaten wieder einen Geschäftszuwachs.

Der 12. Auftragsrückgang in Folge fiel im August fast genauso stark aus wie im Juli, als die höchsten Verluste seit drei Jahren zu Buche schlugen. Lediglich in Irland legte das Neugeschäft zu. In Deutschland vergrößerten sich die Verluste hingegen und waren so hoch wie zuletzt im Juni 2009, womit auch die jeweils miserablen Werte Frankreichs, Italiens und Spaniens noch unterschritten wurden.

Der 8. Jobabbau in Folge fiel so gravierend aus wie seit Januar 2010 nicht mehr. Niedrigere Beschäftigungslevels vermeldeten Frankreich, Italien, Spanien und Irland, während die deutschen Dienstleister per Saldo mehr neue Arbeitsplätze schufen als in den beiden Vormonaten.

Auf nach wie vor vorhandene Überkapazitäten deutet der abermals kräftige Rückgang der Auftragsbestände hin. In allen Ländern nahmen die Auftragspolster im August ab.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich im August zwar erstmals seit fünf Monaten wieder, der entsprechende Index notiert jedoch weiter unter seinem Langzeit-Durchschnitts-wert. In allen Ländern fiel der Ausblick im August besser aus als im Juli.

Der Anstieg der Einkaufspreise erreichte im August ein Vier-Monatshoch, womit auch der entsprechende Flash übertroffen wurde. Dass die höheren Kosten allerdings nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten, signalisiert die neunte Reduzierung der Angebotspreise in Folge. Sämtliche von der Umfrage erfassten Länder vermeldeten rückläufige Angebotspreise, allen voran Spanien. In Deutschland fiel die Ermäßigung hingegen nur ausgesprochen schwach aus.




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