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Schlechte Konjunkturdaten
Während die Ungewissheit rund um die Europäischen Schuldenkrise weiterhin hauptverantwortlich für die eingetrübte Stimmung an den Märkten blieb, sorgte in den letzten Tagen eine Reihe enttäuschender Konjunkturdaten für zusätzliche Verunsicherung. So fiel der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Mai mit lediglich 69.000 neu geschaffenen Stellen zum zweiten Mal in Folge überaus ernüchternd aus. Die Arbeitslosenrate stieg um einen Zehntel Prozentpunkt auf 8,2% an. Eine unerwartet negative Entwicklung wurde auch bei den Auftragseingängen in der Industrie beobachtet, welche im April gegenüber dem Vormonat um 0,6% zurückgingen. Es war dies bereits die dritte negative Änderungsrate innerhalb der letzten vier Monate. Im Mai verschlechterte sich der ISM Einkaufsmanagerindex für das Produzierende Gewerbe von 54,8 auf 53,5 Punkte. Nach einer zweiten Berechnung wurde das annualisierte US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal von ursprünglich 2,2% auf 1,9% nach unten revidiert. Auch die Rate für die privaten Konsumausgaben wurden um -0,2 Prozentpunkte auf 2,7% korrigiert. Es war dies die schwächste Wachstumsdynamik des Privatkonsums seit dem 4. Quartal 2010. Im Euroraum wurde im Zuge einer zweiten Schätzung die Stagnation der Wirtschaftsleistung im 1. Quartal bestätigt. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum wurde mit -0,1% die erste negative Rate seit dem 4. Quartal 2009 festgestellt. Der Einkaufsmanagerindex für das Produzierende Gewerbe in der Eurozone fiel im Mai auf einen Stand von 45,1 Punkte (April: 45,9 Punkte). Seit nunmehr 10 Monaten befindet sich der Index unterhalb der 50-Punkte-Marke, welche Kontraktion von Wachstum trennt. Mit einem Rückgang gegenüber dem Vorjahresniveau um 2,5% zeigte sich im April bei den Einzelhandelsumsätzen die schlechteste Entwicklung seit September 2009. Einbrechende Auftragseingänge in Deutschland (-1,9% M/M), sowie ein neuerlicher drastischer Rückgang in der spanischen Industrieproduktion (-8,3% J/J) im April runden das negative Gesamtbild der aktuellen Konjunktur im Euroraum ab.
Die Sorgen um die nachhaltige Finanzierbarkeit des spanischen Staatshaushalts erreichten in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt und ließen den Wechselkurs des Euro am Freitag zwischenzeitlich auf 1,23 USD je EUR fallen. Gleichzeitig engte sich die 10-jährige deutsche Benchmarkrendite auf ein Rekordtief von 1,134% ein. Angesichts des hohen Zinsniveaus sei „für Spanien die Tür zum Kapitalmarkt derzeit geschlossen“, räumte der spanische Finanzminister Cristobal Montoro am Dienstag ein. Spanien äußerte zuletzt den Wunsch, dass sich die angeschlagenen Banken des Landes direkt über Mitteln der EFSF bzw. des ESM rekapitalisieren könnten. Die Möglichkeit eines Hilfsansuchen des spanischen Staates, welcher mit den dann erhaltenen Mitteln die Banken unterstützen könnte, wird von Spanien aufgrund der mit einem solchen Hilfspaket einhergehenden fiskalischen Auflagen seitens der Geldgeber jedoch abgelehnt. Eine direkte Bankenhilfe unter Umgehung eines staatlichen Hilfsansuchens ist in den EFSF/ESM-Statuten nicht vorgesehen, jedoch wurde zuletzt ein Kompromiss diskutiert, welcher darauf abzielt, dass anstatt fiskalischer Auflagen lediglich Vorgaben hinsichtlich der Reform des Bankensektors gemacht werden könnten. Dieser mögliche Kompromiss sorgte an den Märkten für leichte Entspannung.
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Bei ihrer heutigen Sitzung entschied die EZB, den Leitzinssatz bei 1,0% zu belassen. Die volle Zuteilung zum fixen Hauptrefinanzierungssatz wurde wie erwartet bis Mitte Jänner verlängert. EZB-Präsident Mario Draghi betonte zudem, dass die EZB die Daten aufmerksam beobachten werde und bereit sei, gegebenenfalls zu handeln. Vor der neuerlichen Parlamentswahl in Griechenland am 17. Juni bleibt die Anspannung an den Märkten bestehen. Wir erwarten daher in den nächsten Tagen mit anhaltend hoher Volatilität eine tendenzielle Seitwärtsentwicklung, aber nach der heutigen Zinsentscheidung nur mehr wenig Bewegung bei den Geldmarktzinsen.
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