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Stärkster Wachstumsrückgang der Eurozone im Mai seit knapp drei Jahren
Mit 46.0 nach 46.7 Punkten im April verzeichnet der finale Markit Eurozone Composite Index (PMI®) im Mai den stärksten Wachstumsrückgang in der Eurozone seit Juni 2009. Die erste Schätzung wurde zwar um 0.1 Zähler übertroffen, der Index notiert jedoch den vierten Monat in Folge unter der neutralen Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird.
Mit der Geschäftstätigkeit im Service-Sektor ging es im Mai ebenso beschleunigt bergab wie in der Industrie, die sogar noch schlechter abschnitt.
Dass die Schwäche der Peripherie-Länder nun wohl endgültig auf die Kernländer übergesprungen ist, zeigt sich am Beispiel Deutschlands, dessen Wirtschaftsleistung im Mai erstmals seit letztem November leicht geschrumpft ist. Hier sank der Composite-Index allerdings auf den tiefsten Wert seit knapp drei Jahren. In Frankreich und Spanien beschleunigte sich der Abwärtstrend jeweils, während Italien trotz der leicht abgeschwächten Talfahrt noch immer tief in der Rezession verharrte.
Chris Williamson, Chefökonom bei Markit, kommentiert den finalen Composite Index Eurozone:
“Obwohl der finale Eurozone PMI die Vorabschätzung leicht übertrifft, kennzeichnet er den stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung im Mai seit knapp drei Jahren. Verantwortlich hierfür war laut den befragten Unternehmen die zunehmende politische und wirtschaftliche Unsicherheit, die der ohnehin schwachen Nachfrage auch über die Eurozone hinaus zusätzlich geschadet hat.
Ausgehend von den finalen Mai-Daten wäre es keine Überraschung, wenn das Eurozone-BIP im zweiten Quartal 2012 um 0.5% sinken würde – mit weiterem Abwärtspotenzial, sollten die Juni-Daten enttäuschend ausfallen.
Mittlerweile besteht die Konvergenz zwischen den Ländern darin, dass alle von rückläufigem Wachstum erfasst sind. Deutschlands Wirtschaft ist zwar nur geringfügig geschrumpft, doch neben Spanien und Italien ging es jetzt auch in Frankreich in alarmierendem Tempo bergab. Italien scheint es am schlimmsten erwischt zu haben, hier deutet der PMI auf einen BIP-Rückgang von 1% im zweiten Quartal hin. Doch auch Frankreich und Spanien droht ein Rückgang von über 0.5%.”
Die Unternehmen waren im Mai mit den höchsten Auftragsverlusten seit nahezu drei Jahren konfrontiert. Verschlimmert hat sich die Auftragslage in Deutschland, Frankreich und Spanien, und auch in Italien schlug erneut ein hohes Minus zu Buche.
Der fünfte Jobabbau in Folge schwächte sich gegenüber April leicht ab, hauptsächlich wegen des neuerlichen Beschäftigungszuwachses in Deutschland. Abwärts ging es mit der Beschäftigung hingegen in Frankreich, Italien und Spanien.
Die abermals zügige Abnahme der Auftragsbestände deutet auf anhaltende Kapazitätsüberhänge hin. In allen vier Schwergewichtsländern gingen die Auftragspolster zurück.
Wegen der Verbilligung zahlreicher Rohstoffe und gedämpfter Lohnforderungen schwächte sich der Kostendruck im Mai weiter ab. Abgeschwächte Inflationsraten in allen Ländern sorgten insgesamt für den niedrigsten Kostenanstieg seit sechs Monaten. Deutschland und Italien verbuchten erneut hohe Raten, in Frankreich und Spanien stiegen die Kosten hingegen kaum.
Aufgrund des scharfen Wettbewerbs und der Nachfrageflaute blieb die Preismacht der Industrie- und Serviceunternehmen im Mai begrenzt. Lediglich in Deutschland konnten die Verkaufspreise angehoben werden, am stärksten reduziert wurden sie in Spanien.
Service-Sektor:
Mit 46.7 gab der finale Service-Index Geschäfts-tätigkeit gegenüber April 0.2 Punkte nach und notiert damit auf einem Sieben-Monatstief. Obwohl die Vorabschätzung um 0.2 Zähler übertroffen wurde, ist dies einer der niedrigsten Indexwerte seit Mitte 2009. Die Dienstleister verzeichneten damit zum achten Mal innerhalb der letzten neun Monate Wachstumseinbußen.
Lediglich im deutschen Service-Sektor liefen die Geschäfte im Mai noch gut. Italien und Spanien stecken nach wie vor tief in der Krise, und in Frankreich ging es im Service-Sektor so stark bergab wie zuletzt im Oktober 2011.
Beim Auftragseingang schlug den neunten Monat in Folge ein Minus zu Buche, wenngleich der Rückgang nicht ganz so gravierend ausfiel wie von der Vorabschätzung signalisiert. Die höchsten Auftragsverluste verzeichneten Italien und Spanien, doch auch in Deutschland und Frankreich gingen die Neuaufträge zurück.
Infolge der Geschäfts- und Auftragseinbußen trübten sich nicht nur die Geschäftsaussichten ein, die Dienstleister konzentrierten sich auch wieder verstärkt auf Kosteneinsparungen. Der Gesamt-Index Geschäftsaussichten sank auf ein Vier-Monatstief, und in allen Ländern notieren die entsprechenden Indizes weiter unter ihren jeweiligen Langzeit-Durchschnittswerten.
Mit der Beschäftigung ging es zum fünften Mal bergab. In Frankreich und Italien fiel der Jobabbau moderat aus, in Spanien ausgesprochen stark. Deutschland vermeldete hingegen nach dem leichten Rückgang im April wieder steigende Beschäftigtenzahlen.
Der Kostenauftrieb setzte sich im Service-Sektor zwar fort, er fiel jedoch so schwach aus wie seit Juli 2010 nicht mehr. Die Angebotspreise mussten wegen des scharfen Wettbewerbs und der Nachfrageflaute ein weiteres Mal leicht reduziert werden. In Frankreich, Italien und Spanien gingen die Angebotspreise zurück, in Deutschland wurden sie jedoch mit der höchsten Rate seit über einem Jahr angehoben.
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