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Mensdorff-Pouilly in ÖSTERREICH: "Ich bin kein Einstein der Korruption"
Vor dem U-Ausschuss schwieg der Lobbyist auf 43 Fragen. In der Tageszeitung ÖSTERREICH gibt er umfassend Antwort auf zahlreiche Fragen.
In einem Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH
(Sonntagsausgabe) gibt der Lobbyist und Berater Alfons
Mensdorff-Pouilly (59) bereitwillig Antwort auf alle Fragen zu den
Themen Jagd-Einladungen, seine U-Haft und das Hauptthema, die
Korruption.
ÖSTERREICH: Herr Mensdorff-Pouilly, Ihr Auftritt beim U-Ausschuss
hat für viel Kritik gesorgt. Wie haben Sie selbst denn den
U-Ausschuss erlebt?
ALFONS MENSDORFF-POUILLY: Wenn man mit einem reinen Gewissen dorthin
geht, dann ist man relativ ruhig.
ÖSTERREICH: Warum haben Sie sich dann 43 Mal entschlagen. War das
die richtige Strategie?
MENSDORFF-POUILLY: Von 150 Antworten sind 43 Entschlagungen ungefähr
ein Drittel. Es gibt das Recht, dass die Aussage vor der
Staatsanwaltschaft gilt. Warum sollte ich also alles vor dem
U-Ausschuss nochmals erzählen? Damit ich einen Nuancenfehler mache
und ich wegen falscher Zeugenaussage vor dem U-Ausschuss anzeigt
werde? Da wäre ich ja deppert, wenn ich das mache, denn die Aussage
vor dem Staatsanwalt war am 21. September 2011. Da kann man sich
nicht jede Nuance und jedes Wort merken.
ÖSTERREICH: Die Schweigestrategie hat Sie für viele noch
verdächtiger gemacht
MENSDORFF-POUILLY: Schauen Sie, wenn man ein armes Vieh schlachten
will, findet man immer etwas. Aber die Entschlagung ist das Recht
jedes Bürgers. Egal, ob das der Obdachlose ist oder der
Bundespräsident.
ÖSTERREICH: Sehen Sie sich als armes Vieh, das geschlachtet werden
soll?
MENSDORFF-POUILLY:: Nein, überhaupt nicht. Auch dann nicht, wenn die
Schlächter vis-à -vis sitzen. Ich sehe mich nicht als Tier, sondern
höchstens als Subjekt.
ÖSTERREICH: Die Abgeordneten im U-Ausschuss sehen Sie als
Schlächter?
MENSDORFF-POUILLY: Ich glaube, anfangs haben sie die Messer gewetzt.
Aber dann haben sie gesehen, dass da nichts ist . . .
ÖSTERREICH: Nun wird schon seit sechs Jahren gegen Sie ermittelt.
Sie saßen in Wien und in Großbritannien in U-Haft. Wie geht die
Familie damit um?
MENSDORFF-POUILLY: Meine Frau ist das gewohnt. Früher wurde sie als
Ministerin in der Luft zerrissen. Jetzt werde ich es. Wer wirklich
darunter leidet, ist mein Sohn.
ÖSTERREICH: Wie leidet Ihr Sohn?
MENSDORFF-POUILLY: Als er noch zur Schule ging, war es schlimm. Oft
sind Mitschüler zu ihm gekommen und haben zu ihm gesagt: "Dein Vater
ist ein Verbrecher." Das ist nicht lustig, aber zum Glück hat er mein
Naturell.
ÖSTERREICH: Sie saßen in Wien und England in U-Haft. Wo ist es
schlimmer?
MENSDORFF-POUILLY: U-Haft ist überhaupt nicht lustig, wenn sich
herausstellt, dass es keinen Grund gibt. Also, wenn ich es mir
aussuchen könnte, würde ich lieber nach Österreich gehen! Als
Ausländer in England - da hauen sich halt die Engländer auf ein
Packel. Aber es war wurscht, denn es dauerte nur fünf Tage. Ich habe
so viel Geld (430.000 Euro Entschädigung) dafür bekommen, ich würde
wieder gehen. (Lacht.)
ÖSTERREICH: Peter Pilz wirft Ihnen vor, dass Sie als Berater
weniger wissen als die Manager, die Sie beraten . . .
MENSDORFF-POUILLY: Das ist auch völlig richtig. Mein Job ist, dass
ich meinen Kunden die richtigen Informationen organisiere und sie mit
den richtigen Gesprächspartnern zusammenbringe. Ich kümmere mich
nicht um technische Details. Aber wenn ein Manager zu mir gesagt hat:
"Ich versuche seit zwei Monaten beim Herrn X oder Y einen Termin zu
bekommen, aber es klappt nicht" - dann habe ich den Grund dafür
herausgefunden.
ÖSTERREICH: Wie kommt man zu diesen Kontakten?
MENSDORFF-POUILLY: Indem man ein Netzwerk hat, das man sich über
viele Jahre aufgebaut hat. Dafür braucht man keinen zu bestechen.
Aber man versucht mir die Jagd als mein Netzwerk zu verpesten.
ÖSTERREICH: Sie geben zu, dass die Jagd gut fürs Netzwerken ist .
. .
MENSDORFF-POUILLY: Für mich war es immer gut, durch die Jagden vor
allem im Ausland habe ich viele Menschen kennengelernt. Ich nehme
nicht an, dass man so viel Geld ausgibt, wenn es keinen Sinn hat.
Darum lädt man auch Gäste zum Opernball oder zum Hahnenkammrennen
ein.
ÖSTERREICH: Netzwerke werden also beim Jagen aufgebaut, aber keine
Korruption . . .
MENSDORFF-POUILLY: Glauben Sie wirklich, dass, wenn man am Hochstand
oder beim Essen zusammensitzt, wo noch 15 andere Personen mithören,
der eine zu anderen sagt: "Du komm, wir machen jetzt eine krumme
Sache "? Wenn man etwas Krummes machen will, dann geht man
wahrscheinlich eher alleine am Donauufer spazieren und nicht auf eine
Jagd.
ÖSTERREICH: Würden Sie in Ihrem Leben alles wieder so machen?
MENSDORFF-POUILLY: Eigentlich schon. Nur meiner Frau würde ich bei
der Hochzeit sagen: "Tritt aus der Politik aus!"
ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass Sie heute ruhiger leben würden?
MENSDORFF-POUILLY: Na sicher. Kein Hund hätte sich um mich
geschissen. Aber bitte, das ist jetzt kein Vorwurf an meine Frau.
ÖSTERREICH: Verstehen Sie den Unmut der Österreicher, wenn Sie
hören, dass man für Beratung ein Honorar von 1,1 Millionen Euro
bekommt?
MENSDORFF-POUILLY: Selbstverständlich. Nur schreibt keiner, dass die
Hälfte an Steuern weggeht. Dass ich meine Mitarbeiter und die Büros
auch über die Jahre, die nicht so gut sind, davon zahle. Rechnen Sie
sich aus, was da übrig bleibt. Sicher, ich hungere nicht . . .
ÖSTERREICH: Sie haben zwei Schlösser . . .
MENSDORFF-POUILLY: Wenn man es genau nimmt, habe ich nur ein Schloss,
Luising ist ja kein Schloss im klassischen Sinn. Das dient aber nicht
meinem Privatvergnügen, sondern es sind eigene Betriebe, die sich
wirtschaftlich selbst erhalten müssen. Für mich privat habe ich
jeweils nur ein Zimmer, der Rest der Häuser wird für Jagden und
andere Veranstaltungen vermietet.
ÖSTERREICH: Wie viel Geld brauchen Sie im Monat? Vor sechs Monaten
sagten Sie 10.000 Euro, vor Kurzem gaben Sie 3.000 Euro an.
MENSDORFF-POUILLY: Jetzt eher 3.000 Euro, weil ich einfach mehr
spare. Durch die Krise sind die Zeiten nicht einfacher geworden.
ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass Sie am Ende angeklagt werden?
MENSDORFF-POUILLY: Ich gehe nicht davon aus, weil ich noch immer
daran glaube, dass Österreich ein Rechtsstaat ist. Man ermittelt
jetzt sechs Jahre gegen mich, es gibt Kisten über Kisten mit Papier.
Und was hat man bis jetzt gefunden? Nichts. Also, so gescheit bin ich
auch nicht, dass ich das so gut hätte machen können. Ich bin kein
Einstein der Korruption.
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