"profil": AvW-Skandal: Finanzministerium wusste bereits im Jahr 2000 von Unregelmäßigkeiten bei Kärntner Finanzhaus
Damalige Bundeswertpapieraufsicht erwog nach kritischem Vor-Ort-Prüfbericht auch Betrugsanzeige gegen Auer v. Welsbach - Akt wurde dennoch geschlossen
Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag
erscheinenden Ausgabe berichtet, wusste das Finanzministerium bereits
im Jahr 2000 von groben Unregelmäßigkeiten beim Investmenthaus AvW -
und blieb dennoch untätig. Im Mai 2000 war das Vertriebsvehikel AvW
Invest AG Schauplatz einer Vor-Ort-Prüfung durch die dem damaligen
Finanzminister Karl-Heinz Grasser direkt unterstellten
Bundeswertpapieraufsicht. Der Prüfbericht liegt profil vollständig
vor. Die BWA-Revisoren beanstandeten neben Lücken in der
Dokumentation, Sorgfaltspflichtverletzungen in Zusammenhang mit
Geldwäschereibestimmungen und vernachlässigten Informationspflichten
gegenüber Kunden vor allem Ungereimtheiten in Zusammenhang mit der
"Preisbildung" der damals noch nicht börsenotierten
AvW-Genussscheine. Die Verdachtsmomente wogen offenbar so schwer,
dass die BWA im Frühjahr 2001 laut eines profil ebenfalls
vorliegenden internen Aktenvermerks erwog, AvW-Gründer und
Vorstandschef Wolfgang Auer v. Welsbach, enger Freund des
verstorbenen Jörg Haider, wegen des Verdachts des Betrugs anzuzeigen.
Nach Rücksprache mit der hauseignen Rechtsabteilung wurde der Plan
jedoch verworfen und der Akt geschlossen.
Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt derzeit gegen Welsbach
und 19 andere Personen wegen des Verdachts der Untreue und des
schweren gewerbsmäßigen Betrugs in Zusammenhang mit dem Vertrieb und
Handel von Genussscheinen. Es gilt die Unschuldsvermutung.