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Bank Austria EinkaufsManagerIndex im März: Kein Frühlingserwachen in Österreichs Industrie
• Bank Austria EinkaufsManagerIndex im März wieder gesunken
• Anhaltende Auftragsflaute verstärkt Produktionsrückgang
• Kostendruck führt zu Rekordabbau von Mitarbeitern
• Vorleistungen deutlich verbilligt, auch Verkaufspreise fallen
• Exportnachfrage entscheidet: Kein Industriewachstum vor 2010
Die schwierige Lage der österreichischen Industrie verschärft sich weiter. Der saisonbereinigte
Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) ist im März wieder gesunken und liegt mit 33,7 Punkten
nur geringfügig über dem Allzeittief vom Jänner. Seit einem Jahr befindet sich der Indikator bereits
unter der Neutralitätslinie von 50. „Seit zwölf Monaten ist die heimische Industrie in einer
Abschwungsphase und darüber hinaus hat sich die Fallgeschwindigkeit laufend erhöht“, meint der
stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer. Die jüngsten Werte des Bank Austria EinkaufsManagerIndex deuten an, dass sich das Tempo der Talfahrt zu konsolidieren
beginnt. „Auch zu Frühlingsbeginn schrumpft die österreichische Industrie, lediglich die Stärke des
Abwärtstrends pendelt sich nun auf ein stabiles Niveau ein“, so Bruckbauer weiter und ergänzt:
„Von einer Konsolidierung oder gar einem Auffrischen der Industriekonjunktur sind jedenfalls keine
Anzeichen zu erkennen.“
Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria stehen der österreichischen Industrie noch
sehr harte Zeiten bevor, ehe eine Bodenbildung eintreten wird. Auf breiter Basis haben sich im
März die Umfrageergebnisse verschlechtert. Die Auftragspolster der heimischen Unternehmen
werden immer dünner und neue Aufträge kommen immer seltener herein. Insbesondere aus dem
Ausland lässt die Nachfrage immer stärker nach. Es überrascht daher nicht, dass die Industrie im
März die Produktionsleistung noch stärker zurückgefahren hat als im Vormonat. Der
entsprechende Index fiel von 36 auf 35,4 Punkte.
Um in diesem schwierigen, von stark rückläufiger Nachfrage geprägten, wirtschaftlichen Umfeld
bestehen zu können, haben die heimischen Industrieunternehmen bereits vehement an der
Kostenschraube zu drehen begonnen. Neben der Begrenzung der Neuinvestitionen auf das
notwendige Mindestmaß und der Eindämmung von Ausgaben durch die Neuverhandlung von
Lieferantenabkommen ist die Anpassung der Personalkapazitäten an die niedrigeren
Produktionsanforderungen bereits seit elf Monaten im Gange. „Im März erfolgte der Jobabbau in
der Industrie mit neuem Rekordtempo. In 43 Prozent der befragten Unternehmen gingen Arbeitsstellen verloren, nur in 3 Prozent wurden Neueinstellungen vorgenommen“, zitiert
Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl aus der aktuellen Befragung. Die Anzahl der
unselbständig Beschäftigten in der österreichischen Industrie liegt derzeit bereits mehr als 3
Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Steiermark, Salzburg und das Burgenland haben bisher
die stärksten Beschäftigungsrückgänge unter den österreichischen Bundesländern hinnehmen
müssen. Im Gleichschritt hat sich auch die Arbeitslosigkeit im Sektor deutlich erhöht. Innerhalb
Jahresfrist stieg die Anzahl der Arbeitslosen aus Industrie und Gewerbe um sogar 35 Prozent,
dabei überdurchschnittlich stark in Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg.
Im Zuge der zum Teil deutlichen Verbilligung von Vormaterialien, insbesondere von Stahl und
Rohöl waren die österreichischen Industriebetriebe im März mit dem stärksten Rückgang der
Einkaufspreise seit Beginn der entsprechenden Umfrage vor mehr als zehn Jahren konfrontiert.
Der verminderte Kostendruck von der Inputseite ist zwar willkommen, eine maßgebliche
Verbesserung der Rahmenbedingungen ergibt sich dadurch angesichts der schwächelnden
Auftragslage jedoch nicht. Aufgrund der angespannten Nachfragesituation sind die Erzeuger
derzeit noch härterem Wettbewerb ausgesetzt und haben in der Folge auch die Verkaufspreise
entsprechend stärker nach unten angepasst. Die Abgabepreise sind im März mit neuer Rekordrate
gesunken. „Der kräftige Preisverfall bei einigen Vormaterialien bietet in der derzeitigen Situation
den heimischen Industrieunternehmen keine Möglichkeit ihre Ertragslage positiv zu beeinflussen.
Im Gegenteil die rückläufige Nachfrage zwingt mitunter zu nicht mehr kostendeckenden
Verkaufspreisen“, meint Pudschedl.
Industriekonjunktur verlängert Winterpause
Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex vom März unterstreicht, dass ein Umschwung der
Konjunkturabkühlung der österreichischen Industrie vorerst nicht in Sicht ist. Die schmalen
Auftragsbücher und der dramatische Einbruch des Neugeschäfts dämpfen die Aussichten
nachhaltig. Die Chancen auf eine Bodenbildung der heimischen Industrie verschieben sich
angesichts des sich weiter verfinsternden Konjunkturhimmels über den europäischen
Hauptmärkten, vor allem über Deutschland und Italien, in die zweite Jahreshälfte. „Die nationalen Konjunkturmaßnahmen und die geldpolitische Lockerung durch die EZB unterstützen zwar, der
Schlüssel für einen nachhaltigen Aufschwung der heimischen Industrie liegt jedoch in der
Entwicklung der globalen Exportnachfrage. Erst wenn es Österreichs wichtigsten Handelspartnern
gelingen sollte, die Rezession zu überwinden und die Nachfrage nach „Made in Austria“ wieder in
Schwung kommt, wird sich die heimische Industriekonjunktur aufzuhellen beginnen“, meint
Bruckbauer. Nach einem Anstieg der Industrieproduktion im Gesamtjahr 2008 um 1,6 Prozent
erwarten die Ökonomen der Bank Austria für 2009 eine drastische Einbuße im Sektor von über 6
Prozent.
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