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Konjunkturverschlechterung beschleunigt sich
Wien (WIFO) - Nachdem die österreichische Wirtschaft im IV.
Quartal 2008 saison- und arbeitstägig bereinigt gegenüber dem
Vorquartal um 0,2% schrumpfte (+0,3% gegenüber dem Vorjahr), hält der
Abschwung in der Sachgütererzeugung im I. Quartal 2009 an. Die
Ergebnisse des aktuellen WIFO-Konjunkturtests deuten auf eine
Vertiefung der Krise hin. Die Rezession bei den wichtigsten
Handelspartnern belastet die heimische Export- und
Industriekonjunktur. Der Arbeitsmarkt reagierte im Februar mit einem
raschen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Gemäß der aktuellen VGR-Quartalsrechnung sank das BIP in
Österreich im IV. Quartal 2008 saison- und arbeitstägig bereinigt
real um 0,2% gegenüber dem Vorquartal (nach +/-0,0% im III. Quartal).
Gegenüber dem Vorjahr wuchs es real noch um 0,3%. Vor dem Hintergrund
der Rezession bei den wichtigsten Handelspartnern verschlechterte
sich die exportgetragene Industriekonjunktur zu Jahresende. Bei einem
Produktionsrückgang in der Sachgütererzeugung um 1,4% gegenüber dem
Vorquartal nahmen auch die Exporte im IV. Quartal deutlich ab (-0,8%
gegenüber der Vorperiode). Laut dem WIFO-Konjunkturtest vom Februar
hält die Abwärtstendenz in der Sachgütererzeugung im I. Quartal 2009
an. Mehr als 50% der befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle
Geschäftslage als nicht zufriedenstellend, fast zwei Drittel
schätzten die Exporte als zu gering ein. Das ist die schlechteste
Bewertung seit dem Frühjahr 1996.
Auch die Auswirkungen der Krise auf die Bauwirtschaft verstärken
sich. Nachdem die Wertschöpfung im IV. Quartal real gegenüber dem
Vorquartal um 0,5% zurückgegangen war, beurteilten die Unternehmen im
Februar sowohl die Bautätigkeit der letzen drei Monate als auch die
aktuellen Auftragsbestände weiterhin als schwach. Im letzten
Abschwung 2001 bis 2003 war die Einschätzung allerdings noch
ungünstiger ausgefallen.
Als stabil erwiesen sich im IV. Quartal weiterhin die
Konsumausgaben der privaten Haushalte; sie schwanken im
Konjunkturzyklus generell weniger als Exporte und Sachgütererzeugung.
Mit real +0,2% gegenüber dem Vorquartal expandierte der private
Konsum ähnlich wie in den Vorperioden. Im Handel nahm die
Wertschöpfung saisonbereinigt um 0,5% ab, vor allem der Großhandel
und der Kfz-Handel verzeichneten einen schlechten Geschäftsgang.
Impulse kamen weiterhin aus dem Tourismus, welcher verzögert auf eine
internationale Nachfrageschwäche reagiert.
Die drei größten Wirtschaftsräume - USA, Japan und die EU -
befinden sich in der Rezession. Im IV. Quartal 2008 schrumpfte die
Wirtschaftsleistung fast aller Industrieländer empfindlich.
Vorlaufindikatoren deuten für das I. Quartal 2009 auf eine weitere
Vertiefung der Krise in den USA hin. Die Industrieproduktion blieb im
Jänner nach einer vorläufigen Schätzung um 10% unter dem
Vorjahresniveau. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag im
Februar bei 8,1%. Das war der höchste Wert seit 25 Jahren. Die Lage
auf den Immobilienmärkten ist nach wie vor schlecht. Für den
Euro-Raum zeigt der Euroframe Growth Indicator im I. und II. Quartal
2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um jeweils etwas mehr als
2% gegenüber dem Vorjahr an. Der Ende 2008 verzeichnete Einbruch der
Industrieproduktion dürfte sich verstärkt fortsetzen: Die
Auftragseingänge waren im Dezember um 22,3% geringer als im Vorjahr.
Auch in den asiatischen Schwellenländern leidet die Wirtschaft
unter der Abnahme der Importnachfrage aus den Industrieländern, das
Wachstum ließ Ende 2008 deutlich nach. Bislang gibt es keine
Anzeichen für eine internationale Konjunkturbelebung.
Mit der Verringerung der Nachfrage geben die Preise von Rohöl und
anderen Rohstoffen seit Mitte 2008 kontinuierlich nach. Rohöl der
Sorte Brent notierte Ende Februar bei 40 $ je Barrel. Der Höchstwert
hatte im Juli 2008 rund 140 $ betragen. Der HWWI-Index der
Weltmarktrohstoffpreise, welcher Nahrungs- und Genussmittel sowie
Energie- und Industrierohstoffe umfasst, sank auf Dollarbasis in den
letzten vier Monaten kumuliert gegenüber der Vergleichsperiode des
Vorjahres um rund 40%. Die Verbilligung von Treibstoffen und Heizöl
dämpfte die Inflationsrate im Euro-Raum wie in der gesamten EU. In
Österreich erreichte die Teuerungsrate im Jänner mit 1,2% den
niedrigsten Wert seit fast drei Jahren.
Der Konjunktureinbruch hat nun den österreichischen Arbeitsmarkt
erfasst. Nach einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit im
Jänner (+33.000 gegenüber dem Vorjahr) waren im Februar 2009 bereits
302.000 Arbeitslose vorgemerkt (+58.000, +24%). Besonders betroffen
sind die konjunkturreagiblen Bereiche Sachgütererzeugung und
Bauwesen. Erstmals seit dem Frühjahr 2003 nahm die Zahl der
unselbständig aktiv Beschäftigten ab (-0,8% gegenüber dem Vorjahr).
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