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Industrie: Rasch handeln, bevor es zu spät ist!
Resolution des Bundesvorstandes der Industriellenvereinigung an
die Regierung
Die Welt-Finanzkrise hat auf die Realwirtschaft
in Österreich endgültig voll und massiv durchgeschlagen. Das zeigen
insbesondere die dramatischen Auftragseinbrüche in Leitindustrien
(gegenwärtig belaufen sich die Produktionsrückgänge auf im Schnitt
minus 10 %, in einzelnen Branchen auf bis zu minus 60 %!) und die
rasant steigende Arbeitslosigkeit (und das ist erst der Anfang der
Entwicklung). Österreich steht vor einer extrem herausfordernden
Situation.
Die aktuelle Krise ist nicht mit vergangenen zu vergleichen und
stellt daher in punkto Schnelligkeit neue Anforderungen auch an die
politischen Entscheidungsträger. Die notwendigen Maßnahmen sind
bekannt und wurden von der Industriellenvereinigung mehrmals klar zum
Ausdruck gebracht. Trotzdem dreht sich die politische Diskussion seit
Wochen fruchtlos im Kreis! Die Dramatik der Situation wird nach wie
vor sträflich unterschätzt. Jetzt ist die Zeit zu agieren, nicht zu
reagieren! Wenn nicht rasch gehandelt wird, wird die Politik die
volle Verantwortung für dramatische weitere Verschlechterungen insb.
am Arbeitsmarkt übernehmen müssen.
Der Bundesvorstand fordert daher nachdrücklich die rasche
Umsetzung des folgenden Fünfpunkteplans:
1. Treffsichere - allenfalls auf die Dauer der Krise befristete -
arbeitsmarktpolitische Maßnahmen (weitere
Arbeitszeitflexibilisierung, Verlängerung der
Durchrechnungszeiträume, wenn notwendig Notkollektivverträge nach
schwedischem Vorbild, Verlagerung der Entscheidungen über
Arbeitszeitgestaltung auf die Betriebsebene nach dänischem Vorbild),
die der Tiefe der Krise gerecht werden.
2. Den sich verschärfenden Liquiditätsengpässen insb. in der
Industrie muss endlich mit staatlichen Garantien für
Industriefinanzierungen (Industrieanleihen und staatlich garantierte
Kredite nach deutschem Vorbild) wirkungsvoll entgegengetreten werden.
Die in anderen Staaten (oft mit Standortgarantie) bereits
beschlossenen Maßnahmen setzen den Industriestandort Österreich
bereits massiv unter Druck.
2. Infrastrukturinvestitionen insb. im Energiebereich (Leitungen,
Kraftwerke) müssen endlich ermöglicht und die verzögernden Verfahren
beschleunigt werden. Nach wie vor überschießende Regeln und
mangelnder politischer Mut verhindern Investitionen in einem der
wenigen Bereiche, in dem die Unternehmen selbst rasch investieren
könnten und wollten. Nur große Schritte wie u.a. die klare
gesetzliche Verankerung des öffentlichen Interesses an der
Energieversorgungssicherheit oder die Schaffung einstufiger Verfahren
auf Bundesebene führen zur notwendigen Beschleunigung bzw. zum
notwendigen Erfolg.
3. Wirkungsvolle Investitionsanreize müssen geschaffen werden. Die
derzeit in Umsetzung befindliche vorzeitige Abschreibung (AfA) wird
kaum Investitionen auslösen. Die Industrie braucht rasch
Investitionsförderungen (Investitionsprämie und
Investitionsfreibetrag), damit ein völliges Wegbrechen der
Investitionen, die einen fünfmal so großen Hebel auf unser BIP haben,
wie der politisch stark überschätzte Konsum, zu verhindern.
4. Sicherstellung ausreichender Finanzierung im F&E-Bereich
(ausreichende Finanzierung der direkten, angewandten
Forschungsförderung insb. über die FFG und ein positives Signal in
der indirekten Forschungsförderung insb. Forschungsprämie). Die
bisher vorliegenden budgetären Mittel reichen bei weitem nicht aus,
um das standortpolitisch notwendige Forschungsvolumen aufrecht zu
erhalten, geschweige denn den Standort Österreich in der Krise
antizyklisch zu verbessern. Ohne zusätzliche Anstrengungen würde
Österreich sich als Forschungsstandort verschlechtern und in der
Folge ein niedrigeres Potentialwachstum und damit auch eine
niedrigere Beschäftigung erreichen.
Die kommenden Wochen sind für die Zukunft von Wohlstand und
Beschäftigung in Österreich entscheidend. Die Industrie ist der
Nukleus der österreichischen Volkswirtschaft. Ohne Industrie gibt es
keinen Wohlstand. Industriearbeitsplätze die nachhaltig verloren
gehen, kommen auch nach der Krise nicht wieder. Darum muss die
Politik jetzt rasch handeln.
Diese Resolution wurde durch den Bundesvorstand der
Industriellenvereinigung - der aus 120 Eigentümern und
Geschäftsführern der größten österreichischen Unternehmen der
Industrie, Kredit-, Versicherungs- sowie Energiewirtschaft besteht -
am 5. März 2009 verabschiedet. Der Bundesvorstand der
Industriellenvereinigung repräsentiert direkt und indirekt rund 1,5
Mio. Arbeitsplätze in Österreich.
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