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Bank Austria Konjunkturindikator: Österreich von weltweiter Rezession immer stärker betroffen
- Bank Austria Konjunkturindikator setzt Talfahrt fort
- Weitere Verschlechterung der globalen Rahmenbedingungen
- Österreichs Wirtschaft schrumpft 2009 um 1,3 Prozent
- Rezession unterstützt deutlichen Inflationsrückgang
Auch zum Jahreswechsel zeichnet sich kein Ende der negativen Entwicklungen in der
österreichischen Wirtschaft ab. Der aktuelle Bank Austria Konjunkturindikator ist von -0,8 im
Vormonat auf nunmehr -1,2 Punkte gefallen und erreicht damit abermals einen neuen Tiefststand.
Während die Stimmung sowohl in der heimischen als auch der europäischen Industrie noch immer in rasantem Tempo sinkt, hat sich die lange Talfahrt des Konsumentenvertrauens nun
eingebremst. Die stark sinkende Inflation und relativ kräftige Lohnerhöhungen sowie die
angekündigte Steuerentlastung wirken der negativen Stimmung der heimischen Verbraucher
entgegen, was den Rückgang des Gesamtindikators etwas abfedert. „Die weitere
Verschlechterung des Bank Austria Konjunkturindikators verdeutlicht, dass der Konjunkturtiefpunkt
voraussichtlich nicht vor dem Herbst 2009 erreicht werden wird. Angesichts des derzeitigen
wirtschaftlichen Umfelds darf die aktuelle Verlangsamung des Indikatorrückgangs nicht als
Anzeichen einer beginnenden Stabilisierungsphase interpretiert werden“, meint der stellvertretende
Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer.
Weltweite Rezession dämpft Exportaussichten
Die abnehmenden Geschäftserwartungen der Industrie, die vordringlich hinter der aktuellen
Abwärtsbewegung des Konjunkturindikators stehen, widerspiegeln die anhaltende
Verschlechterung der globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Wochen.
Ausgehend von der US-Immobilienkrise befindet sich mittlerweile nicht nur die US-Wirtschaft in der
Rezession. Auch die europäischen Industrieländer konnten sich nicht abkoppeln, wobei
insbesondere die Aussichten für Deutschland, den wichtigsten Handelspartner der österreichischen
Wirtschaft, stark zurückgeschraubt wurden. Mittlerweile beginnen auch die osteuropäischen
Wachstumsmärkte, die für beinahe 25 Prozent der Nachfrage nach „Made in Austria“
verantwortlich sind, zu schwächeln. Zudem sind angesichts des weltweiten Überschwappens der
Konjunkturkrise die Erfolgschancen einer stärkeren Fokussierung auf weiter entfernte Märkte wie
z.B. Asien begrenzt. „Aufgrund der weltweiten Rezession stehen der österreichischen
Exportwirtschaft besonders harte Zeiten bevor. Für 2009 ist mit einem Rückgang der
Warenausfuhren zu rechnen, die Auslandsnachfrage wird erstmals seit fünf Jahren negativ auf die
Wirtschaftsdynamik wirken“, meint Bruckbauer.
Investitionen brechen ein
Neben dem Außenhandel reagiert auch die Investitionstätigkeit zunehmend auf die negativen
internationalen Vorgaben. Für das laufende Jahr ist sogar von einem deutlichen Einbruch der Investitionen auszugehen. Tatsächlich beginnen die österreichischen Unternehmer in Reaktion auf
das ungünstige internationale Umfeld ihre Investitionspläne nicht mehr nur zu verschieben,
sondern in Rahmen einer strategischen Neuorientierung stark zurückzunehmen. Während sich der
Rückgang bei Bauinvestitionen dank der Förderungen der öffentlichen Hand sowie der Stützungsmaßnahmen
für die Bauwirtschaft durch die beiden staatlichen Konjunkturpakete in Grenzen halten
wird, ist bei den Ausrüstungsinvestitionen 2009 mit einem Minus um über 7 Prozent zu rechnen.
„Ungeachtet der geldpolitischen Lockerung durch die Europäische Zentralbank wird die laufend
sinkende Bereitschaft zu Erneuerungs- und insbesondere Erweiterungsinvestitionen die
Investitionstätigkeit 2009 sogar um mehr als 4 Prozent real sinken lassen“, meint Bank Austria
Ökonom Walter Pudschedl.
Die zunehmenden negativen internationalen Konjunktureinflüsse, die primär die Export- und
Investitionsnachfrage dämpfen, haben eine rasche Trendwende am Arbeitsmarkt verursacht, die
sich bereits in einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zeigt. „Aufgrund des verschlechterten
Konjunkturumfelds rechnen wir für heuer mit einem leichten Beschäftigungsrückgang und im
Durchschnitt mit 35.000 mehr Arbeitssuchenden als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote wird stärker
als ursprünglich erhofft, von 5,8 Prozent auf 6,7 Prozent 2009, steigen“, erwartet Pudschedl.
Österreichs Wirtschaft schrumpft 2009 um 1,3 Prozent
Der aktuelle Rückgang des Konjunkturindikators sowie die jüngsten Wirtschaftsdaten lassen darauf
schließen, dass bereits im Schlussquartal 2008 die Wirtschaftsleistung in Österreich geringfügig
zurückgegangen ist. Die Ökonomen der Bank Austria gehen für das Gesamtjahr 2008 weiterhin
von einem Anstieg des BIP um 1,8 Prozent aus. Angesichts der laufenden Verschlechterung des
internationalen Konjunkturumfelds ist für 2009 mit einem deutlich stärkeren Einbruch der
Wirtschaftsleistung als bisher angenommen zu rechnen. Da bislang Anzeichen für eine
Trendumkehr fehlen, wird die Rezession zudem länger andauern. Frühestens gegen Jahresende
2009 sind Chancen für eine Stabilisierung der österreichischen Wirtschaft gegeben. Die
anschließende Erholung wird aufgrund voraussichtlich eher moderater Impulse aus dem Ausland
relativ zäh verlaufen. Somit wird sich auch 2010 die Konjunktur nur zurückhaltend entwickeln. „Ich
gehe mittlerweile von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung Österreichs im laufenden Jahr um sogar 1,3 Prozent aus. Im nächsten Jahr ist ein leicht positiver Trend mit einem Wachstum um 0,7
Prozent möglich“, fasst Bruckbauer die aktuellen BIP-Prognosen der Bank Austria zusammen.
Angesichts der schwachen Nachfrage und der moderaten Entwicklung der Rohstoffpreise wird die
Inflation, die im Jahresdurchschnitt 2008 noch 3,2 Prozent betragen hat, im nächsten Jahr den
bereits begonnenen Abwärtstrend noch verstärkt fortsetzen. Die Teuerung wird 2009 weniger als 1
Prozent betragen. Das wirtschaftspolitische heiße Eisen des Vorjahres rückt damit vorläufig aus
dem Brennpunkt und ermöglicht der Europäischen Zentralbank weitere Zinsschritte nach unten.
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