|
Finanzmarktturbulenzen lassen Österreichs Industrie vorerst kalt
Der BA-CA EinkaufsManagerIndex (EMI) stieg im März von 52,4 auf 53,4. Nach dem 2 ½-
Jahres-Tief des Indikators im Vormonat schlägt die heimische Industrie nun wieder ein etwas
höheres Tempo an. Der Indexwert für das erste Quartal 2008 liegt zwar unter dem
Jahresschnitt 2007, überschreitet aber deutlich den Langzeit-Durchschnittswert. „Die
österreichische Industrie präsentiert sich ungeachtet der Turbulenzen auf den Finanzmärkten
und den ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen derzeit in einer robusten
Verfassung, meint Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefvolkswirt der Bank Austria
Creditanstalt (BA-CA) und ergänzt: „Zumindest für das erste Halbjahr 2008 besteht auch kein
Anlass für Pessimismus.“
Die heimische Industrieproduktion hat im März wieder kräftiger expandieren können, da
neue, zusätzliche Fertigungskapazitäten in Betrieb gegangen sind. Der Index für die
Produktionsleistung kletterte auf 55,2, den höchsten Wert des laufenden Jahres und sogar
deutlich über dem Jahresmittel 2007. Die Steigerung wurde durch die weiterhin zunehmende
Nachfrage nach österreichischen Industrieerzeugnissen ermöglicht. Allerdings ist das
Auftragsplus relativ bescheiden ausgefallen und auch deutlich niedriger als im abgelaufenen
Jahr, obwohl im März viele Aufträge wegen erwarteter Preisanhebungen zeitlich vorgezogen
worden sind.
Nach dem Rückgang im Vormonat haben sich die Auftragseingänge aus dem Ausland
wieder erholt. Auch bei dieser für die österreichische Konjunkturentwicklung besonders
wichtigen Auftragskomponente verbuchten die Firmen im März jedoch nur geringfügige
Zuwächse. Trotz negativer internationaler Einflüsse, wie dem starken Eurokurs, steigt die
Exportnachfrage jedoch leicht an. „Die heimische Industrie reagiert sehr flexibel auf die
verschlechterten Rahmenbedingungen und konzentriert die Aktivitäten verstärkt auf
Abnehmer in dynamischeren Wirtschaftszonen außerhalb des Dollarraums“, sagt BA-CA
Ökonom Walter Pudschedl. Wie aus den jüngsten Außenhandelsdaten ersichtlich, verliert
der Dollarraum an Bedeutung für die österreichische Exportwirtschaft, während unter
anderem der Handel mit den ost- und mitteleuropäischen Ländern boomt.
Der Handlungsrahmen der österreichischen Industrie ist zudem durch die
Preisentwicklungen auf den Rohstoffmärkten schwieriger geworden. Der Rekordanstieg des
Ölpreises im März bekamen die Unternehmen in Form höherer Energie- und
Vormaterialpreise zu spüren. Auch durch die Verteuerung von Metallen erreichte die
Steigerung der durchschnittlichen Einkaufspreise den höchsten Wert seit mehr als einem
Jahr. Infolgedessen hob Österreichs Industrie die Verkaufspreise stärker an. Die Erhöhung der Verkaufspreise überstieg nicht nur den Wert des Vormonats sondern war sogar die
zweitstärkste innerhalb eines Jahres. Unter den derzeitigen Marktbedingungen wird es
schwieriger, die zusätzliche Kostenbelastung durch die höheren Einkaufspreise in vollem
Umfang an die Kunden weiterzureichen. „Die heimische Industrie ist derzeit einem
besonders starken Rationalisierungsdruck ausgesetzt und muss intensive Anstrengungen
zur Steigerung der Produktivität unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“,
meint Pudschedl.
Neben dem Produktionsplus und der Entwicklung der Auftragseingänge ist der anhaltende
Beschäftigungsaufbau, der sich im März sogar wieder beschleunigt hat, ein erstaunliches
Lebenszeichen der Industrie. Der heimische Konjunkturmotor läuft zwar etwas weniger
kraftvoll als im Vorjahr, beweist allerdings eine beachtliche Ausdauer. Die Turbulenzen auf
den Finanzmärkten, welche die US-Ökonomie in die Rezession schlittern lassen, werden der
Dynamik der europäischen und damit auch der österreichischen Wirtschaft im weiteren
Jahresverlauf jedoch noch zusetzen. Die aktuellen Daten zeigen allerdings, dass die
Auswirkungen auf die heimische reale Wirtschaft weniger stark sein dürften, als ursprünglich
befürchtet. „Wir gehen daher für Österreich unverändert von einem Wirtschaftswachstum von
1,9 Prozent im Jahr 2008 aus. Befürchtungen über eine Rezession in Österreich möchte ich
eine klare Absage erteilen“, meint Bruckbauer. Gleichzeitig sehen die Ökonomen der BA-CA
die Chancen auf eine sehr rasche Durchquerung der erwarteten Konjunkturdelle allerdings
dahinschwinden. Die internationalen Rahmenbedingungen werden eine Erholung bis weit ins
nächste Jahr verzögern. Das Wachstum für 2008 könnte damit eher positiv, jenes für 2009
vielleicht etwas negativ überraschen.
|