OeNB - Nur moderate Konjunkturabschwächung für Österreichs Wirtschaft im ersten Halbjahr 2008
Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom März 2008
Trotz der internationalen Finanzmarktkrise und ihrer
weltweit dämpfenden Effekte stellen sich die Aussichten für die
österreichische Wirtschaft im ersten Halbjahr 2008 als erstaunlich
günstig dar. Wie schon bisher erwartet, wird das reale BIP-Wachstum
im Gesamtjahr 2008 merklich schwächer ausfallen als in den beiden
Jahren zuvor, ein dramatischer Einbruch der Konjunktur zeichnet sich
für Österreich derzeit jedoch nicht ab. Auf Basis der verfügbaren
Daten - die jedoch nur die bis zu Beginn dieses Jahres eingetretenen
Entwicklungen abbilden - lässt der Konjunkturindikator der OeNB ein
Wachstum des realen BIP von 0,6% im ersten und von 0,5% im zweiten
Quartal 2008 (saison- und arbeitstägig bereinigt, im Vergleich zum
Vorquartal) erwarten.
"Konjunkturprognosen gestalten sich im derzeitigen Spannungsfeld
zwischen ausgeprägten Finanzmarktturbulenzen und einer nach wie vor
guten Verfassung der Realwirtschaft in Österreich als außerordentlich
schwierig. Während die außenwirtschaftlichen Unsicherheiten stark
gestiegen sind, zeigen die verfügbaren Daten in weiten Bereichen ein
robustes Bild der österreichischen Wirtschaft. Wir gehen daher davon
aus, dass es im ersten Halbjahr 2008 zu keinem markanten Einbruch der
Konjunktur kommen wird", so OeNB-Direktor Josef Christl.
Die Dynamik der österreichischen Exporte nahm im Verlauf des
Jahres 2007 aufgrund des stetig zunehmenden Außenwerts des Euro und
der sich abschwächenden globalen Konjunktur zwar ab, die Ausfuhren
entwickelten sich aber auch im vierten Quartal noch relativ gut.
Infolge des starken Wertverlusts des US-Dollar gegenüber dem Euro ist
aber von einer weiteren Abschwächung der Exportdynamik im ersten
Halbjahr 2008 auszugehen. Dies wird auch durch die rückläufige
Dynamik der Exportaufträge signalisiert. Die Binnenkonjunktur
entwickelt sich sowohl nach Branchen als auch nach
Nachfragekomponenten sehr unterschiedlich. Die Dynamik der
Sachgütererzeugung hat zwar nachgelassen, die Branche verfügt aber
noch über überdurchschnittliche Auftragsbestände. Die Bauwirtschaft
und die Tourismusbranche entwickeln sich derzeit sehr gut. Im Bereich
der unternehmensnahen Dienstleistungen zeigt sich hingegen eine
deutliche Wachstumsverlangsamung. Auch gehen die Unternehmen laut der
EU-Konjunkturumfrage von einer ungünstigen weiteren Entwicklung der
Geschäftslage aus.
Die Investitionstätigkeit ist im Gesamtjahr 2007 sogar stärker als
im Jahr zuvor gewachsen. Jedoch zeigte sich bereits im Verlauf des
Jahres 2007 eine deutliche Wachstumsverlangsamung, die sich im
laufenden Jahr fortsetzen dürfte. Der private Konsum war trotz
starkem Beschäftigungswachstums auch während der Hochkonjunkturphase
der letzten beiden Jahre nicht in Schwung gekommen. Die - vor allem
aufgrund der starken Erhöhungen der Energie- und Nahrungsmittelpreise
- gestiegene Inflation dämpft zusätzlich die Realeinkommen der
Haushalte. Daher ist auch für die nächsten Monate keine dynamischere
Konsumnachfrage zu erwarten.
Kurzfristprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt in Österreich
für das erste und zweite Quartal 2008 (saison- und arbeitstägig
bereinigt):
2005 2006 2007 2008
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Veränderung zum Vorjahresquartal in %
2,3 2,2 2,2 2,7 3,2 3,1 3,0 3,3 3,4 3,4 3,3 3,0 2,8 2,4 Veränderung zum Vorquartal in %
0,3 0,9 0,9 0,6 0,7 0,8 0,8 0,8 0,9 0,8 0,7 0,6 0,6 0,5 Veränderung zum Vorjahr in %
2,3 3,1 3,3
Quelle: OeNB, Eurostat.
Der österreichische Arbeitsmarkt präsentiert sich aufgrund der
Hochkonjunktur der letzten Quartale in einer immer noch
ausgezeichneten Verfassung. Zudem verstärken temporäre Faktoren - wie
die gute Tourismussaison und die Bauwirtschaft - die Nachfrage nach
Arbeitskräften. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen hat seit
Jahresbeginn sogar deutlich zugenommen. Der Ausblick für den
Arbeitsmarkt bleibt daher für die nächsten Monate - trotz sich
abschwächender Konjunktur - positiv.
Die schon bei der letzten Veröffentlichung des
OeNB-Konjunkturindikators im Jänner betonten Risiken für die
österreichische Konjunktur haben sich durch die Entwicklungen der
letzten Wochen weiter erhöht. Die durch die US-Immobilienkrise
ausgelösten massiven Verwerfungen auf den internationalen
Finanzmärkten ziehen immer weitere Kreise, internationale
Organisationen revidieren deshalb ihre Prognosen kontinuierlich nach
unten. Entscheidend für eine Begrenzung des Effekts der
Finanzmarktkrise auf die konjunkturelle Entwicklung - speziell in den
USA - wird sein, das Vertrauen der Finanzmarktakteure rasch
wiederherzustellen. Angesichts der gegebenen Unsicherheiten dürfte
das freilich noch eine erhebliche Zeit in Anspruch nehmen.
Das Ausmaß der Transmission der Krise auf Europa hängt auch davon
ab, ob und in welchem Ausmaß die Finanzkrise hier zu Investitions-
und Konsumzurückhaltung führt. Dabei könnte es ein Vorteil für
Österreich sein, dass das heimische Bankensystem durch die
US-Immobilienkrise kaum direkt betroffen ist. Durch seine starke
Außenhandelsverflechtung kann sich Österreich den weltweit
schwächeren Wachstumserwartungen jedoch nicht entziehen. Erhöht
werden die Risiken noch durch den Ölpreis, der die 100-Dollar-Marke
schon klar hinter sich gelassen hat. Gleichzeitig stützt der starke
Wertverlust des US-Dollar zwar die US-Konjunktur, stellt für den
Euroraum jedoch eine zusätzliche Belastung dar.
Unter den derzeit gegebenen Rahmenbedingungen ist besonders
hervorzuheben, dass in die zur Berechnung des
OeNB-Konjunkturindikators verwendeten Daten lediglich die bis Anfang
des Jahres 2008 stattgefundenen Entwicklungen Eingang finden konnten.
Die Entwicklungen der letzten Wochen schlagen sich in diesen Daten
daher noch nicht nieder. Während die Entwicklung im ersten Quartal
davon kaum mehr berührt sein sollte, ist die prognostizierte
Wachstumsrate für das zweite Quartal 2008 eher als Obergrenze für den
Fall einer Beruhigung der Finanzmarktkrise zu interpretieren.
Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators ist für
Juli 2008 vorgesehen.