Wenn der Hintern brennt, brennt, brennt
"Ring of Fire" ist Johnny Cashs bekanntester Song.
Eine amerikanische Werbetexterin interpretiert den Text auf ganz besondere Weise. Sie will damit für ein
Hämorrhoiden-Medikament werben. Cashs Familie tobt.
Gute Werbung lebt von Witz und
Ironie. Häufig entstehen die Lacher dadurch, dass ernste Bilder mit bekannten Liedern ironisch gebrochen
werden. Die Songtexte bekommen dann eine andere, meist witzige Bedeutung.
Insofern hatte die
amerikanische Werberin Sula Miller eine gewöhnliche Geschäftsidee als sie Johnny Cashs wohl
erfolgreichsten Song "Ring of Fire" für die Werbung verwenden wollte. Das Produkt, das beworben werden
soll, ist ein Hämorrhoiden-Medikament. Die für Miller entscheidende Zeile aus dem Lied: "And it burns,
burns, burns, the ring of fire, the ring of fire."
Gehört habe Miller den Song bei einer
Autofahrt im Radio, als sie sich gerade über das unangenehme Leiden Gedanken gemacht habe. Die Idee für
die Hämorrhoiden-Werbung war geboren. Doch wahrscheinlich wird Miller sie nicht verwirklichen können.
Denn die Familie von Johnny Cash, allen voran seine Tochter Roseanne, hat mit angemessener
Empörung auf die Idee der Werbetexterin reagiert. Eine derartige Verunglimpfung des Liedes würde sie
auf keinen Fall zulassen, sagte Cash der US-Zeitung "The Tennessean".
Der Co-Komponist von
"Ring of Fire", Merle Kilgore, sieht das nicht so eng. Er hielt die Idee zunächst für äußerst
amüsant. Er selbst habe oft Witze über Hämorrhoiden gemacht, wenn er den Song auf der Bühne
vorgestellt habe, sagte er dem Blatt. Auch Kilgore bekam daraufhin den Unmut der Cash-Tochter zu spüren:
"Kilgore begann über diese schwachsinnige Verknüpfung zu phantasieren, ohne mit uns zu sprechen."
Die Hinterbliebenen der Country-Ikone haben sich jedenfalls festgelegt, was die Interpretation
des Songtextes betrifft. Es gehe um die gestalterische Kraft der Liebe. Etwas anderes werde er für die
Familie niemals bedeuten.
Quön:
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,287123,00.html
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Krem am Morgen lindert Kummer und Sorgen
Jens Balzer
Hämorrhoiden sind eine
Volkskrankheit, nicht nur im alten Europa. Fünfundsiebzig Prozent aller US-Amerikaner leiden mindestens
einmal im Leben an hämorrhoidalen Symptomen: Das hat der Pharmakonzern Wyeth Consumer Healthcare
errechnet, der mit "Preparation H" die in den USA meistverkaufte und beliebteste Anti-Hämorrhoiden-Salbe
herstellt. "Preparation H" ist tatsächlich sogar dermaßen beliebt, dass viele Hollywoodstars mittleren
Alters sie auch als Antifaltensalbe gebrauchen - wie die Kosmetikexpertin Diane Irons kürzlich in ihrem
Buch "The World s Best Kept Beauty Secrets" enthüllte. "Die Zutaten in Antifalten- und in
Antihämorrhoidenkrem sind ja in etwa dieselben", so Irons: "Was hilft, um Hämorrhoiden abschwellen zu
lassen, hilft auch bei Augenfältchen und Tränensäcken. " Nun soll "Preparation H" noch beliebter
werden: mit Hilfe eines Reklamefilms, den die in Florida ansässige Produktionsfirma Big Grin Productions
entwickelt hat. Er zeigt eine junge Geschäftsfrau, die frühmorgens glücklich lächelnd ihr Badezimmer
verlässt. Ein bisschen Krem am Morgen lindert Kummer und Sorgen, wie ein abschließender Zoom auf ihr
Salbenregal beweist - musikalisch untermalt von einem der schönsten und beliebtesten Lieder der
Country-Musik: "Ring of Fire". Insbesondere die Refrainzeile ". and it burns, burns, burns, that ring of
fire" beschreibe höchst zutreffend jene Beschwerden, gegen die "Preparation H" enwickelt worden sei: so
kommentierten Big Grin Productions ihre Idee.
Eine gute Idee - auch wenn es sich um eine alte
Idee handelt. Eigentlich stammt sie nämlich von Merle Kilgore, der das Stück vor fast vierzig Jahren
zusammen mit June Carter Cash geschrieben hat. Johnny Cash wurde damit berühmt, aber auch Kilgore hat
"Ring of Fire" in seinen Konzerten immer wieder gespielt - stets mit einem Verweis auf die Salbe, die ihm
sein Leben so sehr erleichtert. "Darum habe ich gern zugestimmt, als man mich um die Lizenzrechte bat",
so Kilgore.
Rosanne Cash, die Tochter von Johnny und June, hat hingegen für diese Deutung des
Stücks bisher wenig Verständnis gezeigt. In diversen Interviews verwies sie jetzt noch einmal darauf,
dass "Ring of Fire" die "erhebende Kraft der Liebe" behandle - und nicht etwa Beschwerden im Anus. Zudem
habe Kilgore weder sie noch den Rest der Cash-Erben über sein "schwachsinniges" Ansinnen informiert.
"Wir werden niemals erlauben, dass der Song auf diese Weise entwertet wird. " Der Gescholtene kann ihren
Zorn nicht verstehen: "Ich wollte die Cash-Familie nicht verärgern, denn ich liebe sie. Ich fand die
Idee einfach lustig. "
Quön:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0224/feuilleton/00
37/index.html