Die Aktionärsversammlung war gut besucht; von ca. 100 Stühlen wurden tatsächlich auch mindestens 80%
belegt. Wie Otto schon geschrieben hat, gab es 3 große Stimmenblöcke: Die Equity Billion Invest, Erste
Sparinvest und Pioneer Investments Austria, welche zusammen 550.014 Aktien hielten, von insgesamt 558.536
anwesenden Aktienanteilen (die letzte Zahl wurde bei der Abstimmung erhoben). Somit war schon zu Beginn
klar, was auch immer beschlossen wird, muss bereits mit den Großaktionären abgesprochen worden sein, um
nicht in ein offenes Messer bei der Abstimmung zu laufen.
Die Aktionäre
Die
anwesenden Aktionäre konnten in 3 Gruppen eingeteilt werden: Jene, die exakt eine Aktie besaßen (11
Personen, darunter auch der Gründer der Firma, welcher aber persönlich nicht anwesend war) bzw. einen
Besitzstand von unter 10 Stk. und einen Wert aufwiesen, welcher unter der Depotgebühr liegen musste (28
Parteien). Diese Gruppe war die lauteste, sparte nicht an Zwischenrufen und schlechten Witzen. Vielleicht
sind sie auch von der Konkurenz geschickt worden um schlechte Stimmung zu machen. Die zweite Gruppe war
der typische Kleinaktionär mit unter 1000 Stücken. Diese Gruppe war bunt gemischt von Studenten bis hin
zu Pensionistenehepaaren. Und dann die Grossaktionäre, welche auf reservierten Plätzen in der ersten
Reihe platznehmen durften.
Die Sitzungseröffnung
Der "Vorstandvorsitzende" (sic
lt. Tischkärtchen) räumte bei einer Nachfrage schmunzelnd ein, dass er sich nun selbst vorsitzen
würde, da er alleine im Vorstand ist. Der CEO erläuterte den Bericht, insbesonders die aktuelle G&V und
die Halbjahresbilanz. Ich muss gestehen, dass er sehr überzeugend und offen wirkte und so auch rüber
kam. Er begann erst im Frühjahr, nach Seidlers Abgang, sein Mandat und hat zunächst ziemlich aufräumen
müssen. Und das nahm man ihm auch tatsächlich ab. Das war einer der Hauptgründe, warum die Zahlen so
spät vorgelegt wurden. Der Ritter von Gothic4 tronte über seinem ersten Slide und dann folgte seine
Erklärung von G&V-Position zu Position.
Es war tatsächlich so, dass er in der letzten Sitzung,
Ende Juni, von einem positiven Jahr 2010 ausging, weil sowohl Umsatz als auch Gewinn überraschend gut
waren. Er sagte dann, dass es sich um eine fatale Fehleinschätzung handelte. Alleine diese Aussage
brachte ihm einige Sympatiepunkte ein, weil sowas zuzugeben, auch bei der vorliegenden Faktenlage, bei
Menschen in seiner Position nicht leicht von den Lippen geht.
Hauptgründe für die
Verluste
1) Rückläufe
Die Branche, und das ist nun mal ein Faktum auch wenn das einige
1-Stück-Aktienbesitzer mit Zwischenrufen kritisierten, muss dem Handel Zahlungsziele von 6 Monaten
gewähren. Mit dieser Zinsspanne arbeiten Media Markt und Geizgeilheiten-Läden. Und diese Partner geben,
wenn überhaupt, nur vage Schätzungen des Verkaufserfolges oder auch völlig falsche. Die
Vertriebskanäle in Frankreich und England waren scheinbar solch letztgenannte und man wird sich nun neue
Partner suchen. Nun, werden im Dezember 2009 200.000 Stück Joga-Spiele (und darum ging es vorwiegend)
ausgeliefert, dann sieht das in der Bilanz sehr gut aus. Kommen jedoch 180.000 im Sommer 2010
überraschend wieder zurück, dann hat man ein Problem. Abgesehen davon, dass die Produktion eines
Spieles EUR 10,- gekostet hat.
CEO Rössler hatte aber auch schon ein Gegenkonzept parat, leider
vermittelte er das nicht explizit als solches: Damit man die tatsächlichen Verkäufe der Händler
überblicken kann, wurde ein neuer Kopierschutz entwickelt, der übrigens in der Community sehr gut
ankam: Man erwirbt das Spiel im Laden und muss durch einen Code das Spiel online aktivieren. Das muss der
Kunde nur 1x machen und ist somit auch nicht weiter lästig. Dieser Code wird bei den Jowood-Servern
registriert und man kann sogar grafisch feststellen, in welchem Land das "verkaufte Spiel",
beispielsweise vom Media Markt Wien, aktiviert wurde. Das zeigt einerseits, wo in der Welt der Kunde
sitzt (bei Online-Händlern relevant) und wieviele Spiele tatsächlich verkauft wurden. In einem Slide
konnte man beispielsweise sehen, dass neben Europa Gothic auch stark in Indien, Süd- und Mittelamerika
und USA gespielt wird. Relativ wenig in Russland, Kanada (dazu komme ich noch später) und Japan. Diese
Weltkarte war nicht sehr groß, ich hoffe, ich konnte sie richtig interpretieren.
Gothic verkaufte
sich bisher mit 120.000 Einheiten sehr gut (ist ja auch erst seit 3 Wochen im Handel). Das sind
tatsächliche Verkäufe, wo es keine "unerwarteten Rückläufe", wie diesen Sommer, mehr geben kann.
2) Personalsituation
Rössler räumte ein, dass die Firma personalmäßig aus dem letzten
Loch pfeift. Man hatte vor seiner Zeit es stark vernachlässigt, ausreichend Personal auf die richtigen
Stellen zu setzen. So gab es lange Zeit nur eine einzige Person in der Buchhaltung, ein Unding bei einer
solchen Firma. Jetzt wird es dort 3 Leute geben bzw. gibt es schon. Die Firma wird sich einen richtigen
Hausjuristen suchen, so habe ich es zumindest verstanden, und man wird sich einen Controler suchen, den
man bisher auch nicht hatte. Ich nehme an, dass diese Leistungen bisher extern zugekauft wurden.
Jedenfalls war das alles auch ein Grund, warum Buchungen verspätet durchgeführt oder eventuelle Fehler
erst zu spät entdeckt wurden.
Achja, das Buchhaltungsprogramm ist über 10 Jahre alt und es gibt zu
viele unterschiedliche Programme im Konzern. Ich fand diese Aussage sehr ehrlich, was den Bericht des
CEOs in einen sehr offenen und hellen Licht darstellte. Er nannte die Dinge bei ihren richtigen Namen und
das zeigt mir als Aktionär, dass er Nägel mit Köpfen machen und keine heiße Luft mehr in Ballons
verpacken will.
3) Kanada
Da gibt es eine Firma Dreamcatcher, welche bisher immer moderat
aber doch gut arbeitete. Im ersten Halbjahr 2010 brachen jedoch die Ergebnisse weg. Warum, war mir
eigentlich nicht so ganz klar, aber in der Regel waren alle bisherigen Auslandsabenteuer Jowood nie von
Glück gesegnet. Hatten wir nicht mal früher sogar eine Filiale in Japan? Jedenfalls mußten dies
Beteilungen entsprechend wertberichtigt werden.
4) Jowood Iberia
Hier wurden ebenfalls
die Werte berichtigt und man besann sich wieder einmal, diesen Auslandsmarkt vom Headquater besser
bearbeiten zu können.
Auf der positiven Seite konnte ich folgendes verbuchen
1) Die rumänische Tochter Quantic Lab arbeitet nicht schlecht, sie hat aber im Gegensatz zu Kanada und
Iberia auch ein klares Profil: Sie testet Spiele Q/A, nicht nur eigene sondern auch Fremdspiele. Diese
Tochter konnte 180.000 an Beiträgen für das 1. Halbjahr abwerfen.
2) Die Personalsituation
scheint Rössler jetzt im Griff zu haben.
3) Die Sache mit den Umsätzen und Forderungen,
welche sich nach 6-12 Monaten wieder in Luft auflösen können und dadurch sämtliche Zahlen als mehr
oder weniger "Schätzung" abtun, ist mit dem neuen Aktivierungstool für Spiele auf stärkeren Beinen.
4) Die Firma besitzt anscheinend immer noch die meisten Namen- und Markenrechte der Spieletitel.
Diese sind der eigentliche Wert der Firma. Zumindest antwortete Rössler auf eine Publikumsanfrage, dass
nach seinem Wissen in den letzten Jahren nichts verlauft wurde.
5) Die Banken haben bis zum
Tag X+1 (X=die a.o. Aktionsversammlung) sämtliche Konten Jowoods eingefroren. Nach den positiven
Beschlüssen gestern, hat die Firma jetzt wieder flüssiges Geld.
6) Am 20.11.10 wird es eine
Fortführungsprognose von Price Waterhouse geben. Und da die Herren anwesend waren und so ich die
Körpersprache richtig verstanden habe, scheint diese mit den vorgelegten Maßnahmenkatalog auch positiv
zu sein.
7) Man wird zukünftig die auswärtigen Studios erfolgsabhängig bezahlen und
geringere Vorfinanzierungen leisten, nach dem Motto: "Hier hast ein wenig Spielgeld und nun mach mal ein
Spiel daraus". Der letzte Satz ist natürlich meine eigene Auslegung 
8) Es wird das
Producing professionalisiert - der Kernbereich der Firma, welcher ebenfalls an Personalmangel und
-fluktuation gelitten hat.
9) Mit den beschlossenen Kapitalmaßnahmen kommt auch frisches Geld
in die Firma. Und da ja doch einige Fonds investiert sind und diese mitgestimmt hatten, scheint sich hier
schon durch Vorgespräche einiges getan zu haben. Einige Aktionäre stießen sich aber daran, dass durch
die Wandelschuldverschreibung "jemand wieder saftige Gewinne machen würde", weil bei einer positiven
Zeichnung, die Aktie wieder stark steigen würde. Hier stellte jemand die Gegenfrage : Na und? Wenn hier
jemand Geld reinsteckt und die Firma dadurch überleben kann, warum soll er dann auf der anderen Seite
nicht durch seine eigenen Aktien am Profit mitnaschen? Ich denke, dass diese "Neider-fragen" in die
Kategorie 1-Stück-Aktienbesitzer-Stimmungsmacher abzulegen sind.
Sonstige Beiträge
Ein Jurist, welcher sehr emotional wirkte, fragte den Aufsichtsratvorsitzenden Sares, ob er wisse, wer
denn die 10%-Anleihe besitzen bzw. ob er oder sein Umfeld sie selbst besitzen würde. Hier wurde der
Aufsichtsratvorsitzende ein wenig aus der Fassung gebracht und er legte sein zuvor ebenfalls sehr offenes
Image ab und sagte, dass das nicht Gegenstand der Sitzung sei. Nach mehrmaligen Nachfragen antwortete er
dann doch, dass er natürlich nicht wissen könne, wer hier diese Anleihen gezeichnet hätte. Mir gab
diese kurze Diskussion doch zu denken, weil diese Person/Fonds natürlich ein starkes Interesse hat, dass
die Firma vor dem Fälligkeitstermin 2011 (?) nicht insolvent geht. Auf der anderes Seite: Wenn diese
Person auch dann wieder die Wandelschuldanleihe zeichnen möchte, dann soll es den Aktionären und den
Firmenangestellten doch nur recht sein.
Der Aktiensplitt soll vermutlich dazu dienen, dass der
Wandelschuldzeichner die Aktien zum Nennwert von dann zukünftig EUR 1,- wandeln kann. Jedenfalls würde
das auch stimmen, weil eine andere Person feststellte, dass jemand in den letzten Wochen die Aktie durch
Einzelverkäufe scheinbar bewußt drückte. Jedenfalls fragte er in Richtung Sares, ob man denn nicht
wisse, wer denn diese Verkäufe veranlasste.
Ein anderer Aktionär wollte besonders witzig
sein, in dem er den Veranstaltungsort "Haus der Musik" mit dem fehlenden Trauermarsch gleichsetzte. Naja,
vielleicht hätten einige Teilnehmer doch schon früher zum kleinen Buffet gehen sollen.
Fazit
Abschließend muss ich noch erwähnen, dass die Versammlung, obwohl durch die
Stimmgewichtung Institutionen/Kleinaktionäre bereits vorab entschieden, sehr offen geleitet wurde. Man
bekam wirklich Gehör und man bemühte sich auch die unqualifiziertesten Anfragen zu beantworten. Wie
schon erwähnt, macht mir erstmalig ein CEO von Jowood den Eindruck, dass er die Dinge auch anpacken und
sich durch keine Weltkonzern-Dreamcatcher-Philosophien ein eigenes Denkmal setzen möchte.
Für die
Zahlenfreunde - die Abstimmungen liefen fast immer nach der gleichen Masche ab: Gerundete 560.000
anwesende Aktien wovon sich 307.000 enthielten und somit 253.000 Stimmen jeweils dafür und 300 dagegen
waren. Mit +/- 0,01% Schwankungsbreite. Alle Anträge des Aufsichtsratvorsitzenden gingen somit eindeutig
durch.