Krone-Wirtschaftsmagazin: 4.11.06, Wirtschafts-Magazin, Wer in Österreich arm ist
(...) WIFO-Experte Alois Guger: "Man sollte wie in Dänemark nur dann eine höhere Hilfe gewähren,
wenn zumindest 75% der üblichen Arbeitszeit für Ausbildung und aktive Jobsuche verwendet werden." So
bleibt auch keine Zeit für Schwarzarbeit.
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Ja, das kann ein WIFO-Experte natürlich schön nachempfinden, wie der Arbeitslose in der sozialen
Hängematte ruht und nebenbei pfuschen geht. 75% der Zeit soll er mindestens investieren in die Jobsuche
und Ausbildung.
Nur: Der Herr WIFO-Experte hat wenig Ahnung davon, wie die Jobsuche abläuft.
Die Jobsuche geht nicht von 8-14 Uhr (75% von Bürozeit 8-16 Uhr). Der soll sich mal 10 Arbeitslose
rausgreifen bundesweit und fragen, wie es ausschaut mit den Bewerbungen. Zu welchen Zeiten sie
stattfinden, an welchen Orten usw.
Er kommt immer drauf an, ob man im Bereich eines
"fleißigen" Arbeitsamtes lebt, das den Klienten im Bundesgebiet herumhetzt, 3 Bewerbungen pro Tag, 7
Tage die Woche, oder im Bereich eines gemütlicheren Amtes.
Ich kenne Leute, die so fleißig
sind, daß sie gerne ein paar vielversprechende Jobs aus dem Stellenanzeiger vom Samstagskurier mit
einbauen wollen in ihren Bewerbungsplan. Nur fehlt oft die Zeit dafür. Weil das Arbeitsamt vorschreibt,
für welche offenen Stellen man sich zuerst bewerben muß. Und wenn der Chef nie zu sprechen ist, kriegt
man auch keinen Stempel, egal wie oft man hinfährt.
Das Problem in manchen
(Tiefpreis-)Branchen: Die Stellenangebote speziell vom Arbeitsamt sind oft unseriös. Die Firma wartet
schon seit Monaten oder Jahren "auf geeignetes Personal, weil die bleiben alle nicht lang, bei uns hat
Faulheit keine Chance", sagen aber gleich bei der Bewerbung brühwarm dem Bewerber ins Gesicht, daß man
sich leider nur leisten kann, nach Kollektivvertrag zu zahlen, Teilzeit natürlich, weil Vollzeit kostet
zu viel, man erwarte sich aber den Geschäftsanforderungen entsprechend freiwillige Überstunden, die man
natürlich auch nicht zahlen kann, aber der Bewerber soll froh sein, endlich einen Job zu haben.
Und die anderen Firmen, die aus der Zeitung, die keine Extraleistungen des Arbeitnehmers erwarten, die
sind leider zu oft zu gut nachgefragt, der schlechtere Bewerber hat das Nachsehen gegenüber dem
schnelleren, jüngeren, besser ausgebildeten.
Aber es ist schon so, daß viele Arbeitslose
genug versuchen, um einen Job zu bekommen. Auch mehr als 75% der Woche lang, aber zu unmöglichen Zeiten,
frühmorgens, nachts, am Wochenende, und dafür schwierige Wege und hohe Unkosten auf sich nehmen, um die
Chancen auf einen Job nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.
Die soziale Hängematte, das ist
ein Vorurteil aus der Phantasiewelt der WIFO-Experten und weiter Kreise der Wirtschaft und Bevölkerung,
das immer wahrer zu werden scheint, je öfter man es wiederholt.
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Der Sozialexperte und ehemalige Schispringer
Andreas Goldberger hat in der Zeitung vor einigen Tagen auch sein Rezept gegen die Arbeitslosigkeit
bekannt gegeben:
Wenn er was zu reden hätte (Bundeskanzler wär), tät er das
Arbeitslosengeld kürzen, da würden wir schon sehen, wie schnell die Faulen fleißig werden.
Ja, die faulen Säcke brauchen ja nur ein paar Sekunden sympathisch für die Lidl-Werbung in die Kamera
sprechen, schon rollt der Rubel, und man braucht 2 Jahre nix mehr arbeiten, soviel kriegt man dafür, auf
einfache Art, und durch ehrliche echte Arbeit!