Grundeinkommen | aktie.at Forum
Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.11.07 01:34)

In der heutigen Zeit gibt es das Problem der Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeit. Immer mehr Arbeiten werden durch Maschinen übernommen. Das führt zwangsläufig dazu, dass mehr und mehr Menschen keine Arbeit finden.

Hat es unsere Gesellschaft nötig, auch nur einen einzigen Bürger durch das soziale Netz fallen zu lassen? Unsere Produktivität steigt ständig, nur nehmen wir das schon nicht mehr wahr. Durch unser System der mit hohen Steuern und Abgaben belegten Erwerbsarbeit wird den Unternehmen die Arbeit zu teuer. Deshalb rationalisieren sie, verlagern dabei Arbeitsplätze ins Ausland. Doch erhalten auch Erwerbslose ein Einkommen – finanziert durch Steuern, Abgaben und Lohnnebenkosten. Alle verlieren dabei – Einkommen und soziale Basisleistungen werden für den Einzelnen immer kleiner.

Arbeitslosigkeit ist ein Phänomen und kein Problem. Vor ein paar tausend Jahren haben sich Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Nun reden wir uns gern ein, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, weil wir so "human" geworden sind. Aber die Wahrheit ist: Durch die industrielle Revolution ist die Sklaverei überflüssig geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es billiger, einen Kohleofen zu füllen, als den Mund eines Sklaven. Wir sind mitten in einer Umwälzung, die bei weitem die industrielle Revolution übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Arbeit und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als eine Maschine.

Seit über einem Jahr beobachte ich die Aktienmärkte. Wenn da eine Meldung kommt, dass Entlassungen bevorstehen, um dadurch Einsparungen vorzunehmen und Gewinne zu steigern... prompt steigen die Kurse des Unternehmens. Die kapitalistische Logik sagt, dass technologischer Fortschritt und gesteigerte Produktivität alte Jobs vernichten. Wenn man nun meint, dass dadurch wieder Arbeit entsteht, weil die Technologie gepflegt werden muss, dann frage ich, wie viel Arbeitsplätze geschaffen werden.

Kein Politiker will das seinen Wählern erzählen. Es ist einfacher, die Europäische Union als Sündenbock zu missbrauchen oder den Wählern zu erklären, dass die bösen Unternehmer die Stellen ins billigere Ausland verlagern. Die Zahl der Jobs, die in Deutschland verschwinden, weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert werden, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber davon wird man von den Politikern nichts hören. Maschinen machen sich eben schlechter als Chinesen oder Polen.

Dazu kommt noch das Märchen der Bildung. In den Wahlreden hört man dann immer: Wir müssen die Leute nur richtig ausbilden und schon ist das Beschäftigungsproblem gelöst. Nehmen wir mal an, man könnte tatsächlich alle fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland so fortbilden, wie sich die Politiker das vorstellen. Was wäre denn dann? Es gäbe immer noch nicht genug Jobs.

Die Zeiten der Massenbeschäftigung sind vorbei. Wir werden nie wieder Tausende von Leuten sehen, die aus den Fabriktoren strömen. In Zukunft wird Arbeit etwas für Eliten sein. Für besondere Aufgaben wird man immer noch Top-Ärzte, Top-Anwälte oder Top-Designer brauchen. Aber Durchschnittsqualität kann ein Computer oder ein Roboter billiger liefern. Dann werden noch die Sozialabgaben als Buhmann hergenommen. Die USA sind hier das große Vorbild. Aber je härter die Sozialsysteme beschnitten werden, umso eher tauchen Probleme an anderer Stelle wieder auf: schlechtere Gesundheit, größere Armut, weniger Sicherheit, mehr Kriminalität.

In den USA ist die Arbeitslosenrate bestimmt niedriger, als zum Beispiel in Deutschland; dafür sitzen aber zwei Millionen in Gefängnissen – und das taucht in den Statistiken nicht auf.

In einer kapitalistischen Gesellschaft ist kein Platz für Alte, Schwache, Kranke oder gar Kinder. Sie verursachen unproduktive Arbeit, die nur kostet, aber keinen wirtschaftlichen Gewinn bringt. Und genau diese Ausgaben werden auf den Staat abgewälzt.

Quelle: http://wiki.unternimm-die-zukunft.de

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden

Antworten zu diesem Thema
Grundeinkommen, dj2000(0), 27.1.08 21:17
Subject Auszeichnungen Author Message Date ID
Bedingungsloses Grundeinkommen
31.8.06 08:39
1
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
31.8.06 09:12
2
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
31.8.06 09:18
3
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
31.8.06 12:21
4
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
31.8.06 15:39
5
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
01.9.06 10:26
6
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
01.9.06 13:08
7
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
01.9.06 14:27
8
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
01.9.06 16:38
9
      @Prof.Hagen?
01.9.06 17:01
10
      RE: @Prof.Hagen?
01.9.06 17:08
11
      RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
01.9.06 17:07
12
Links und weitere Informationen
31.8.06 08:45
13
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen...
12.9.06 23:42
14
RE: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen...
13.9.06 16:12
15
RE: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen...
13.9.06 17:01
16
Volkswirtschaftlicher Fehler?
17.9.06 15:00
17
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
17.9.06 15:32
18
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
17.9.06 15:47
19
      RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
17.9.06 16:14
20
      RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
17.9.06 16:53
21
      RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
17.9.06 17:16
22
Grundeinkommenstag
28.9.06 03:23
23
Wifo: Arbeitslose härter rannehmen!
05.11.06 22:18
24
Krankenversicherung für Sozialfälle zu teuer
13.12.06 12:15
25
Zwei Betrachtungen zum Grundeinkommen
08.1.07 21:57
26
Dilthey-Modell
29.4.07 23:29
27
Bedarfsorientiertes Grundeinkommen
27.1.08 21:17
28

Bedingungsloses Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 31.8.06 08:39)

Ein bedingungsloses Grundeinkommen, bei dem die heute bestehenden sozialen Transfersysteme zusammengelegt werden, kann das ändern. Dann kann jeder, frei von grundlegenden Existenzsorgen, als freier Bürger tätig werden und die Arbeit erledigen, die ihm zugleich sinnvoll erscheint. Arbeit als ein Füreinander-Leisten in sozialer Sicherheit, in Würde und nach eigener Wahl. Automation wird segensreich, denn durch den Wegfall von Arbeiten, die auch programmierbare Automaten leisten können, entsteht keine neue Arbeitslosigkeit. Das Grundeinkommen schafft vielmehr Freiraum: Viele gemeinwirtschaftliche und kulturelle Arbeitsaufgaben sind finanzierbar. Viele neue Initiativen werden entstehen. Viele Menschen werden den Sinn in ihrer Arbeit wieder entdecken. Denn niemandem ist verwehrt, über das bedingungslose Grundeinkommen hinaus tätig zu werden und weiteres Einkommen zu erzielen – nur der Zwang fällt weg.

Ein transparentes Steuerwesen kann das bedingungslose Grundeinkommen tragen, das an alle Bundesbürger ausbezahlt wird. Grundlage ist die schrittweise Umgestaltung unseres Steuerwesens in Richtung Verbrauchssteuern. Die Vorteile: Wer weniger verbraucht, zahlt auch weniger Steuern, wer mehr verbraucht, höhere und mehr. Der Bürger muss keine Steuererklärung mehr ausfüllen. Bezahlt wird, wo konsumiert, wo verbraucht wird. Die Besteuerung wird wettbewerbsneutral.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird gestärkt, weil er Kapital ins Land zieht. Die Beschäftigung im Inland wird gesichert.

Ein Teil der heute mehr als 720 Milliarden Euro an Sozialausgaben in Deutschland kann schon durch den Wegfall der Verteilungsbürokratie eingespart werden. Das Wichtigste aber ist, dass damit ein leistungsfähiges Gemeinwesen für alle Bürger entsteht, in dem es keine Verlierer mehr gibt. Dafür wird es freie und selbst bestimmte Menschen geben, die Arbeit nicht mehr als Last, sondern als Chance verstehen.

Quelle:BGE-Wiki/Erklärung

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
    
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 31.8.06 09:12)

Je nachdem wieviele Leute dann noch für Geld arbeiten würden, wäre das System unterschiedlich inflationär.

Annahme:
- Grundeinkommen 1.000€ (wird vollständig verkonsumiert)
- Durchschnittliches Arbeitseinkommen 1.000€ (wird der Einfachkeit halber auch vollständig verkonsumiert)

=> Die Verbrauchssteuer (Umsatzsteuer) zur Finanzierung müßte 100% Aufschlag auf den Netto-Warenwert sein.


Beträgt das durchschnittliche Arbeitseinkommen 2.000€, verbessert sich das Verhältnis so, daß 50% Mehrwertssteuer reichen würden, die Verbraucherpreise also um 1/4 niedriger wären als im ersten Fall.

Bei einem durchschnittlichen Einkommen von 3.000€ reduziert sich der Aufschlag auf 33% und wäre nicht mehr um Welten von derzeitigen UST-Sätzen entfernt.


Je nach Gestaltung (wer ist anspruchsberechtigt?) besteht das Risiko einer Zuwanderung von Sozialschmarotzern und einer Abwanderung von Kaufkraft (wozu 50% oder 100% UST zahlen, wenn man in Nachbarstaaten mit 6-25% davonkommt?)

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 31.8.06 09:18)

Hallo Hagen!

Über all diese Sachen wird ausführlich und kontovers diskutiert. Das System ist ja (noch) nicht Wirklichkeit und ich finde es schon mal prima, daß man vor Einführung darüber diskutiert.

Eine reine Konsumbesteuerung steht zwar zur Finanzierung zur Debatte, aber das ist kein muß

Weitere Informationen für faulere Leser, die sich lieber solche Dinge als "Film" ansehen:
http://www.grundeinkommen.tv

Laßt erstmal die Idee auf Euch wirken und dann überlegt Euch, wie man das finanzieren könnte - man muß ja nicht von der bestehenden Situation ausgehen oder auch nicht von den bestehenden Ansätzen.

Hier noch mehr Informationen über die Geschichte:
1963 wurde eine Idee zum ersten Mal von einem "Ad Hoc Committee on the Triple Revolution" in den USA an die Öffentlichkeit gebracht. Diese Idee war als Absicherung gegen die Folgen einer technologischen Arbeitslosigkeit und die wachsende Armut gedacht. Dieses Einkommen war unabhängig von gemeinnütziger Arbeit. Zu den Befürwortern dieses "garantierten Jahresmindesteinkommen" gehörten W.H.Ferry vom Center for the Study of Democratic Institutions, sowie sozial orientierte Wirtschaftswissenschaftler, wie Robert Theobald, Robert Heilbroner und der Direktor des Institute for Advanced Studies in Princton, Robert Oppenheimer. Robert Theobald vertrat die Meinung, daß die traditionelle Verbindung von Einkommen und Arbeit aufgelöst werden müßte.

Die Forderung nach einem garantierten Mindesteinkommen erhielt unerwartete politische Unterstützung, als der führende neokonservative Ökonom und spätere Berater der Präsidenten Nixon und Reagon - Herr Milton Friedman - eine eigene Version in Form einer negativen Einkommenssteuer vorschlug. Seiner Meinung nach wäre es viel besser, den Armen ein bestimmtes jährliches Einkommen zu garantieren, statt Unmengen an Wohlfahrtsprogrammen zu finanzieren. Friedman schlug den USA vor, den Bürgern ein Mindesteinkommen zu garantieren.

1967 wurde unter Präsident Johnson eine Kommission zu dem Thema eingerichtet. Nach zwei Jahren wurde der Bericht der Kommission veröffentlicht, die aus Unternehmern, Gewerkschaftern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bestand und die sich einhellig für ein garantiertes Mindeseinkommen aussprach.

Der Bericht fand kaum Resonanz. Bürger und Politiker konnten sich nicht mit der Vorstellung anfreunden, allen Menschen ein bestimmtes Einkommen zu garantieren. Trotz der Empfehlung der Kommission, glaubten viele Politiker, daß allein die Idee eines garantierten Einkommens den Arbeitswillen einer ganzen Generation US-Amerikaner unterminieren würde.

Trotzdem gab es von der US-Regierung Pilotprojekte, um die praktischen Folgen eines garantierten Mindesteinkommen zu testen. Zu ihrer Überraschung stellte sich heraus, daß der Antrieb, sich eine Arbeit zu suchen, bei den Empfängern nicht nennenswert schwächer wurde.

Quelle: Jeremy Rifkin, Das Ende der Arbeit, ISBN: 3-596-16971-2, kurze Zusammenfassung der Seiten 205-208

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 31.8.06 12:21)

Das System funktioniert nur dann, wenn ein ausreichender Prozentsatz bereit ist zu arbeiten, darin unterscheidet es sich nicht wesentlich vom heutigen System. Egal wie man es dreht und wendet, und auf welchen Wegen man die Finanzierung organisiert, letztlich finanziert ausschließlich der arbeitende (konkret der verdienende) Teil der Bevölkerung das Grundeinkommen.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 31.8.06 15:39)

>Das System funktioniert nur dann, wenn
>ein ausreichender Prozentsatz bereit ist
>zu arbeiten, darin unterscheidet es
>sich nicht wesentlich vom heutigen
>System. Egal wie man es
>dreht und wendet, und auf
>welchen Wegen man die Finanzierung
>organisiert, letztlich finanziert ausschließlich der
>arbeitende (konkret der verdienende) Teil
>der Bevölkerung das Grundeinkommen.

Derzeit arbeiten in Deutschland ca. 60% - Tendenz fallend. Es ist meiner Meinung nach total ungerecht, wenn der arbeitende Gesellschaftsteil den Nichtarbeitenden finanzieren soll. Man hört schon heute, daß man die "Sozialschmarotzer" nicht mittragen will, weil man ihnen Faulheit unterstellt (das sagen sogar Politiker). Aber wenn es nunmal nicht für alle genug Arbeit gibt (wie hier geschrieben), was dann?

Geld finanziert das System - weder Arbeitende noch Konsumierende. Wie das Geld dann verteilt wird, steht noch zur Debatte. Ansatz ist z.B. auch eine "Produktionssteuer" oder eine Vermögensbeschränkung nach oben. Es wird viel diskutiert und gedacht und gerechnet. Aber immerhin beschäftigen sich Leute damit. Und wie heißt ein schönes chinesisches Sprichwort: Störe nicht jene, die am unmögichen arbeiten, nur weil Du meinst, es sei nicht möglich.

Iovialis

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
Rang: Alptraum(117) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 10:26)

Interessante Geschichte, dj Iovialis, in guter literarischer Tradition (die letzte größere Aktion der Richtung datiert wohl zur Jahrhundertwende mit Theodor Hertzkas "Freiland", Anfänge kann man je nach Geschmack bei Morus oder gar Platon suchen). Die Ideen sind leider so wenig revolutionär, wie deren Umsetzung je geglückt ist. Was nicht heißt, dass "die Zeit" nicht gelegentlich reif sein könnte. Der technologische Fortschritt jedenfalls, immer DAS zentrale Hauptargument der Finanzierungsideen (Arbeit sollte etwas freiwilliges sein, nichts gemusstes; dadurch würde ein deutlich höheres kreatives und produktives Potential erzeugt?!) schreitet voran und gibt somit neuer Hoffnung Nahrung.

Die Kernfrage bleibt: Ändert sich der Mensch? Denn an dem ist es letztlich noch immer gescheitert
(Wenn Vernunft eine so mächtige Kraft wäre, würde es längst auch keine Kriege mehr geben, zB.!)


>Geld finanziert das System - weder Arbeitende noch Konsumierende. Wie das Geld dann verteilt wird, steht noch zur Debatte.

Das missversteht etwas Hagens Ansatz, fürchte ich - denn Geld ist ja keine objektive Größe, sondern unterliegt dem Kreislauf und in dem muss auch generiert bzw. produziert werden. Und da ist es entscheidend, dass dies in ausreichendem Maß geschieht, dass der Rest überhaupt funktionieren kann - und das bedarf eines ziemlich starken Anreizes, fürchte ich (siehe Systeme mit fixer Versorgung, wie etwa Kuba, die allerdings durch undemokratische Beschränkung nach oben abregeln - funktioniert schon, aber wie siehts da aus? Und was passiert, wenn der "Maximum Leader" mal abgedankt hat?)

Finde ich gut, den Gedanken weiterzuleben!

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 13:08)

>Interessante Geschichte, dj Iovialis, in guter
>literarischer Tradition (die letzte größere
>Aktion der Richtung datiert wohl
>zur Jahrhundertwende mit Theodor Hertzkas
>"Freiland", Anfänge kann man je
>nach Geschmack bei Morus oder
>gar Platon suchen). Die Ideen
>sind leider so wenig revolutionär,
>wie deren Umsetzung je geglückt
>ist. Was nicht heißt, dass
>"die Zeit" nicht gelegentlich reif
>sein könnte. Der technologische Fortschritt
>jedenfalls, immer DAS zentrale Hauptargument
>der Finanzierungsideen (Arbeit sollte etwas
>freiwilliges sein, nichts gemusstes; dadurch
>würde ein deutlich höheres kreatives
>und produktives Potential erzeugt?!) schreitet
>voran und gibt somit neuer
>Hoffnung Nahrung.
>
>Die Kernfrage bleibt: Ändert sich der
>Mensch? Denn an dem ist
>es letztlich noch immer gescheitert
>

Diesen Ansatz verstehe ich sehr gut und bin auch absolut Deiner Meinung. Die Idee ist wirklich nicht neu und es gab in der Geschichte schon mehrere Ansätze dazu. Der Anarchismus als Staatstheorie ist hier als Vergleich zu sehen: der Mensch ist einfach nicht "reif" genug, in absoluter Freiheit zu leben. Aber auf der anderen Seite: welche wirtschaftlichen Lösungsansätze gibt es denn sonst zu der bestehenden Situation auf der Welt. Eine wirkliche Alternative wäre Bürgerkrieg oder, um dem entgegenzuwirken: ein Weltkrieg.

Wenn wir die "freie Marktwirtschaft" ansehen, ist das reine Anarchie (Abwesenheit von Regelungen). Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage - und wie bei einem Computer Null und Eins sehr komplexe Gebilde entstehen können, ist dies auch in der Wirtschaft der Fall. Aber diese Regellosigkeit läßt (wie nach Darwins Evolutionstheorie) Schwache durch das Netz fallen. Dazu hat aber der Mensch ein Bewußtsein, um nicht den Naturgesetzen gehorchen zu müssen.

>>Geld finanziert das System - weder Arbeitende noch Konsumierende. Wie das Geld dann verteilt wird, steht noch zur Debatte.
>
>Das missversteht etwas Hagens Ansatz, fürchte
>ich - denn Geld ist
>ja keine objektive Größe, sondern
>unterliegt dem Kreislauf und in
>dem muss auch generiert bzw.
>produziert werden. Und da ist
>es entscheidend, dass dies in
>ausreichendem Maß geschieht, dass der
>Rest überhaupt funktionieren kann -
>und das bedarf eines ziemlich
>starken Anreizes, fürchte ich (siehe
>Systeme mit fixer Versorgung, wie
>etwa Kuba, die allerdings durch
>undemokratische Beschränkung nach oben abregeln
>- funktioniert schon, aber wie
>siehts da aus? Und was
>passiert, wenn der "Maximum Leader"
>mal abgedankt hat?)

Die Auffassung über Geld ist leider ein wichtiger Knackpunkt an der ganzen Geschichte. Eigentlich ist es Tauschmittel, um den Fluß von Waren und Dienstleistungen zu vereinfachen. Aber Geld wurde selbst zur Ware, die jemand horten und besitzen kann. Wie Du sagst, liegt es am Menschen und ein Umdenken ist erforderlich.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde nichts verändern, wenn der Mensch sich nicht "mitverändert". Aber wie ich in letzter Zeit feststelle, tun einige Leute in dieser Hinsicht viel: Aufklärungsarbeit, um Menschen diese Ideen nahe zu bringen. Daran arbeite auch ich (und hoffe, mich wird deshalb niemand als Sektenangehöriger bezeichnen!).

Mein Anliegen ist nicht die Umsetzung (da habe ich nicht die nötige Macht dazu), sondern vielmehr, daß sich Menschen mit diesen Ideen auseinandersetzen und sich darüber eigene Gedanken machen. Alle wissen, daß es so nicht weitergehen kann (bis auf manche, die noch in Positionen sind, aus denen heraus sie nicht spüren, daß es nötig ist) - viele wollen aber nicht nachdenken, weil sie meinen, es habe sowieso keinen Sinn oder weil sie in ihrer "kleinen Welt" mit Arbeit oder sonstigen Verpflichtungen gefangen sind. Traurig an der Sache ist (zumindest in Deutschland), daß man als Bürger wirklich kaum Einfluß auf das politische Geschehen hat.

Vielleicht sind wir aber wirklich soweit, mit unserem (technischen) Fortschritt, um uns allen eine Zukunft zu ermöglichen, statt an diesem Fortschritt zugrunde zu gehen.

In diesem Sinne,

Iovialis

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 14:27)

Zum Thema stellen sich für mich 2 grundsätzliche Fragen:

- Ist es finanzierbar? Das hängt mE davon ab, welchen Lebensstil man sich von diesem Grundeinkommen leisten können soll. Soll man damit mehr schlecht als recht überleben können, dann mache ich mir wegen der Finanzierung keine Sorgen. Dann handelt es sich nur um eine Vereinheitlichung von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Karenzgeld, Familienbeihilfe, Pension, Studienbeihilfe und unter welchen Titeln uns der Staat heute schon beglückt.
Soll es dagegen mehr sein, dann wird es schwierig: Anreize dazuzuverdienen nehmen ab, gleichzeitig steigen die Kosten, also ähnlich wie heute das Pensionsproblem: Die Zahl der Beitragszahler sinkt, die der Ansprüche steigt.

- Der zweite Themenkreis, der noch wichtiger ist: Wollen wir das überhaupt? Wieviel Versorgung verträgt der Mensch? Ich fürchte die Entstehung einer völlig passiven, uninteressierten, gelangweilten Schicht, die den Tag mit Fernsehen, Computerspielen, saufen und Streitereien verbringt. Heute schon hat die Polizei am Ende jedes langen Wochenendes alle Hände voll zu tun um unsinnige Streitereien zwischen Nachbarn und Lebensgefährten zu schlichten, aber am Montag ist wenigstens wieder Ruhe.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 16:38)

Zur Finanzierung:
Der CDU-Ministerpräsident Althaus schlug folgendes vor (wobei ich persönlich gegen den Vorschlag bin):
http://www.d-althaus.de/index.php?id=52

Wollen wir das überhaupt:
Hmmm... gute Frage, aber schlag was besseres vor

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
@Prof.Hagen?
Rang: SieurKolou74(340) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 17:01)

Editiert am 01-09-06 um 06:41 PM durch den Thread-Moderator oder Autor

Habe da einen älteren Beitrag im Forum gefunden.
Da gab es einmal einen @Prof.Werner Hagen.
http://forum.aktien-online.at/dcforum/DCForumID2/163.html
Bist du das @Hagen?


  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: @Prof.Hagen?
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 17:08)

Nein, 2000 kannte ich dieses Forum noch nicht.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 01.9.06 17:07)

Editiert am 01-09-06 um 05:14 PM durch den Thread-Moderator oder Autor

>Zur Finanzierung:
>Der CDU-Ministerpräsident Althaus schlug folgendes vor
>(wobei ich persönlich gegen den
>Vorschlag bin):

Ein interessanter Ansatz, weil mit Zahlen untermauert. In diesem Falle geht es also um eine reine Sicherung des Existenzminimums. Das reduziert meine Bedenken beträchtlich. Gut gefällt mir das degressive Einkommenssteuersystem, so etwas gibt es bisher glaube ich nur in Obwalden. Wobei so krass mit einem Eingangssteuersatz von 50% müßte es nicht sein...

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen...
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 12.9.06 23:42)

1. Bibel:
Zweiter Brief des Paulus (~ 50) an die Thessaloniken - Warnung vor Müßiggang - 3. Kapitel Vers 10: "Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen."

2. August Bebel (1883) Gründer der Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP)):
"Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"

3. Lenin 1917 (und natürlich darauf fußend später Stalin):
Staat und Revolution Kapitel 5 - Die ökonomischen Grundlagen für das Absterben des Staates - : "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", dieses sozialistische Prinzip ist SCHON verwirklicht" <...>

4. Adolf Hitler (1925):
Wer nicht arbeitet, soll nicht essen. Und wer nicht um sein Leben kämpft, soll nicht auf dieser Erde leben. Nur dem Starken, dem Fleißigen und dem Mutigen gebührt ein Sitz hinieden."

5. Franz Müntefering (Gegenwart):
"Wer arbeitet, soll etwas zu essen haben, wer nicht arbeitet, braucht nichts!" Über den tatsächlichen Wortlaut gehen die Meinungen auseinander.

Quelle: http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/thread.asp?FacId=423850

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
    
RE: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen...
Rang: Andrew91(15) ProfilBuddyIgnorieren (am 13.9.06 16:12)

d.h. wohl dass bei diesen 5 Beispielen auch die Pensions- und (die lt. ÖVP ohnehin nicht vorhandene) Pflegeproblematik gleich mitgelöst sind?

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
    
RE: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen...
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 13.9.06 17:01)

Man beachte aber die kleinen feinen Unterchiede:

Paulus: "Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen"

(Inter-)Nationale Sozialisten: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"


Der Unterschied ist nicht trivial, denn er führt im Sozialismus zu Euthanasie unter diversen Titeln. Aus der Bibel wäre so etwas nur durch sehr verdrehte Auslegung ableitbar.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Volkswirtschaftlicher Fehler?
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 17.9.06 15:00)

Die heutige Volkswirtschaft geht von der Theorie aus, daß der Wert einer Ware allein durch den Anteil an menschlicher Arbeit, den sie enthält, bestimmt wird. Diese Theorie wird im allgemeinen Karl Marx zugeschrieben, der an Vorläufer wie William Petty, Adam Smith oder David Ricardo anknüpfte. Keynes sieht das etwas differenzierter, baut aber auch auf die Ricardo´schen Denk-Ansätze auf.

Ein neuer Ansatz negieren die Ansätze von Ricardo und Karl Marx; für sie war nämlich Vollautomatisation undenkbar. Dieser Ansatz kehrt die Theorie von Karl Marx um, nach der nur menschliche Arbeit den Wert schafft: Nicht der Anteil menschlicher Arbeit ist wertschöpfend, sondern die Tätigkeit der Produktveredelung an sich ist wertschöpfend. Dabei spielt es keine Rolle, wer, wie oder wodurch die Produktveredelung erfolgte.

Das deckt sich auch mit der allgemeinen Lebenserfahrung: Der Mensch möchte ein "Dach über dem Kopf" haben. Dazu baut er ein Haus. Für Fundament und Keller ist es dazu i.A. notwendig, eine Baugrube auszuheben.
Ändert sich der Gebrauchswert oder der Handelswert des Hauses, wenn die Baugrube durch einen Arbeiter-Trupp mit Schaufel und Schubkarren ausgehoben wird oder durch einen Bagger?

Nach unserer heutigen, politisch angewandten Volkswirtschaftstheorie muß der Baggerfahrer durch seinen Lohn die Arbeiter mitentlohnen, die nicht mit Schaufel und Schubkarren zum Einsatz kamen.

Das ist aber völliger Humbug. Ersetzt man den Baggerfahrer durch einen Roboter, so ändert sich am Handels- oder Gebrauchswert des Hauses nichts, rein gar nichts!

Nach unserer heutigen, politisch angewandten Volkswirtschaftstheorie muß dann eben das Wartungspersonal oder der Baggermonteur den Arbeiter-Trupp und den Baggerfahrer mitentlohnen.

Das ist aber völliger Humbug. Ersetzt man das Wartungspersonal oder die Bagger-Monteure durch Roboter, so ändert sich am Handels- oder Gebrauchswert des Hauses nichts, rein gar nichts!

Diese Reihe kann man beliebig fortsetzen, bis zu 100% Automatisation. Der Handels- und Gebrauchswert des Hauses wird sich nicht ändern.
Aber wer soll dann noch die Menschen entlohnen?

Dieser Widerspruch läßt sich ganz einfach auflösen, wenn man den Bagger die Menschen entlohnen läßt. Denn der Bagger ist Teil der Wertschöpfung.
Der Bagger schafft die Baugrube, die zum Gebrauchs- und Handelswert des Hauses notwendig ist.

Nicht Arbeit schafft den Wert, sondern das Produkt durch seinen Handels- oder Gebrauchswert.

Was meint ihr dazu? Wie ist Maschinenarbeit in der heutigen Volkswirtschaft definiert?

Iovialis

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
    
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
Rang: Vecernicek(618) ProfilBuddyIgnorieren (am 17.9.06 15:32)

Ein Bagger kann sein Werk sicher günstiger anbieten als 100 Arbeiter selbst aus dem billigsten Winkel der Welt.

Langfristig (in Jahrhunderten gerechnet) wird die Arbeitsleistung und somit der ganz unmenschlich in Geld kalkulierte Wert eines Menschen überall auf der Welt sich auf ein ziemlich ähnliches Niveau einpendeln. Momentan sind ja die Dimensionen noch extrem unterschiedlich, da auch die in Jahrtausenden gewachsenen subjektiven Bedürfnisse der Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen sich noch sehr grob unterscheiden. Aber daß ein Osteuropäer nicht weniger bezahlt bekommen will als ein Westeuropäer, erleben wir bereits in diesem Jahrzehnt.

Ganz einebnen wird man die Unterschied nur können, wenn auch das Bildungsniveau überall gleich ist, und mit ihm die Einkommenschancen.

Dann wird auch der Konkurrenzkampf Mensch gegen Bagger wegfallen, denn im Wert des Baggers sind die für die Herstellung des Baggers erforderlichen Arbeitsstunden des nun standardisierten Durchschnittsmenschen bereits eingeflossen.

Unbekannte in dieser Kalkulation werden immer die sein, die aus irgendwelchen Gründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden und trotzdem ein menschenwürdiges Leben beanspruchen. Sie müsste man entweder in die Kriminalität (wobei Kriminalität durchaus weiter gefaßt werden wird, denn jeder, der nicht zum Volkswohlstand beiträgt, wird zum Asozialen gestempelt, wie in vielen anderen Kulturen vorher) abgleiten lassen, oder man findet den gesellschaftlichen Konsens, wer unter welchen Voraussetzungen von der Arbeit befreit wird und trotzdem seine (Mindest-)Bedürfnisse befriedigt bekommt.

Alles in allem glaube ich, daß dieser Konsens nicht leicht erzielt werden kann, Verteilungskämpfe sind sicher über viele Generationen vorprogrammiert.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
    
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 17.9.06 15:47)

Die Arbeitswerttheorie spielt in der klassischen Theorie der Nationalökonomie (von Smith bis Marx) eine große Rolle und ist für den Marxismus essentiell, weil durch sie die Ausbeutung der Arbeiter durch die Kapitalisten abgeleitet wird.

Das klassische Werteparadoxon brachte Ökonomen schon seit ewigen Zeiten zur Verzweiflung: Zwischen Nutzen und Wert bzw. Preis besteht oft kein Zusammenhang. Luft ist beispielsweise lebensnowendig, hat aber keinen Preis. Diamaten sind ziemlich nutzlos, aber sauteuer.

Die neoklassische Theorie (entstanden seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts) lehnt die Arbeitswerttheorie ab, und setzt an ihre Stelle die Theorie von Grenznutzen und Grenzproduktivität. Diese Theorie ist durchaus maschinentauglich, weil sie sich nicht für den Produktionsaufwand, sonderen für den Tauschwert von Gütern interessiert.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 17.9.06 16:14)

Vielen Dank an Vecernicek und Hagen für Eure Antworten! Die heutige Basis der Volkswirtschaft und Grundlage der meisten marktwirtschaftlichen Staaten basiert (leider) noch auf der Nationalökonomie (hauptsächlich von Smith). Die Besteuerung von Arbeit soll den Gesamtstaat tragen, was bei weniger Arbeit (weil durch Maschinen ersetzt) zu höheren Abgaben führt, um die "von Arbeit befreiten Menschen" mitzufinanzieren.

Das Althausmodell, was ich hier zur Finanzierung eines Grundeinkommens vorgestellt hatte, setzt auch bei dieser Volkswirtschaftstheorie an (denn auch dort wird menschliche Arbeit als Finanzierungsgrundlage gesehen).

Eine Kartoffel ist z.B. ein "Verbrauchsgegenstand" und das dafür bezahlte Geld bleibt im Geldkreislauf enthalten, ohne, daß durch menschliches Zutun "Wert" dafür geschaffen wurde (nur durch Pflanzung, Ernte und Saat). Die Kartoffel selbst ist allerdings aus sich selbst gewachsen und hat ihren Wert eigenständig gebildet (Nährwert).

"Wert" definiert sich demnach folgendermaßen: der Wert einer Ware wird durch die Einigung zweier Parteien bestimmt; einmal der Partei, die Ware anbietet (Angebotsseite) und einmal der Partei, die Ware nachfragt (Nachfrageseite). Die Produktion der Ware an sich (z.B. einer Kartoffel) hat nichts mit dem Warenwert zu tun.

Schwenken wir auf Aktien um... An der Börse ist wohl das reinste "Angebot-Nachfrage-Spiel" zu erleben. Hier läuft es tatsächlich so, daß man Unternehmensanteile (=Aktien) kauft und verkauft, wie sie durch Angebot und Nachfrage geboten sind. Dies ist allerdings spekulativ und hat wenig mit dem reinen Unternehmenswert zu tun.

Teilweise sind Aktien überbewertet (der Kurs der Aktie ist auf einem Niveau, daß die Marktkapitalisierung den Unternehmenswert übersteigt), teilweise sind Aktien unterbewertet (der Kurs der Aktie ist auf einem Niveau, daß die Marktkapitalisierung den Unternehmenswert unterschreitet). Der Wert des Unternehmens (=Arbeit) hat wenig mit dem Wert der Aktie zu tun (sicher wird die Aktie davon beeinflußt).

Somit zeigt sich:
Nicht Arbeit schafft den Wert, sondern das Produkt durch seinen Handels- oder Gebrauchswert. Nicht der Anteil menschlicher Arbeit ist wertschöpfend, sondern die Tätigkeit der Produktveredelung an sich ist wertschöpfend.

Ausgehend davon ist es Blödsinn, ein Grundeinkommen auf Arbeit zu finanzieren. Die Besteuerung der Produktion, bzw. indirekt des Mehrwerts der Ware (nämlich der Preisfindung von Händler und Käufer) ergibt eher Sinn.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 17.9.06 16:53)

>Die Besteuerung von Arbeit soll den Gesamtstaat tragen

Ganz so ist es aber nicht. Es wird heute so ziemlich alles besteuert was sich besteuern läßt:

- Einkommen (aus Arbeit oder Kapital)
- Konsum (Umsatzsteuer, Verbrauchssteuern, Zölle)
- Vermögen (Grundsteuer, Erbschaftssteuer)

Hinzu kommen noch Gebühren für staatliche Leistungen wie Autobahnmaut, Stempelgebühren, Studiengebühren etc.

In Österreich war das Aufkommen aus der Umsatzsteuer 2003 sogar ein bißchen höher als das Aufkommen aus der Lohnsteuer. Im Grunde sind deine Forderungen an das Steuersystem also bereits erfüllt.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
        
RE: Volkswirtschaftlicher Fehler?
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 17.9.06 17:16)

>In Österreich war das Aufkommen aus
>der Umsatzsteuer 2003 sogar ein
>bißchen höher als das Aufkommen
>aus der Lohnsteuer. Im Grunde
>sind deine Forderungen an das
>Steuersystem also bereits erfüllt.


Dann muß ich mich wohl outen und sagen, daß ich dem Land komme, deren Einwohner ihr "Piefke" nennt. Und dort gibt es Hartz-IV, das darauf ausgelegt ist, die Leute zum Arbeiten "zu zwingen", um den einstigen Sozialstaat wieder finanzierbar zu machen. Über Österreich und das Sozial-, bzw. Steuersystem weiß ich nicht zu viel (das gebe ich gerne zu). Jedenfalls hat Deutschland massive Probleme damit.

OK, ich lebe in der Ukraine, von daher interessiert es mich weniger, was in Deutschland tatsächlich passiert; trotzdem fühle ich mich verpflichtet, über solche Ideen und Ansätze (zumindest) nachzudenken.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Grundeinkommenstag
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 28.9.06 03:23)

Am Samstag, 30.09.2006 ist der erste gesamtbundesdeutsche Grundeinkommenstag! Deshalb bin ich in Deutschland



Quelle: http://www.grundeinkommenstag.org

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Wifo: Arbeitslose härter rannehmen!
Rang: Jaeger_und_Sammler(30) ProfilBuddyIgnorieren (am 05.11.06 22:18)

Krone-Wirtschaftsmagazin: 4.11.06, Wirtschafts-Magazin, Wer in Österreich arm ist

(...) WIFO-Experte Alois Guger: "Man sollte wie in Dänemark nur dann eine höhere Hilfe gewähren, wenn zumindest 75% der üblichen Arbeitszeit für Ausbildung und aktive Jobsuche verwendet werden." So bleibt auch keine Zeit für Schwarzarbeit.
-------------------------------------------------
Ja, das kann ein WIFO-Experte natürlich schön nachempfinden, wie der Arbeitslose in der sozialen Hängematte ruht und nebenbei pfuschen geht. 75% der Zeit soll er mindestens investieren in die Jobsuche und Ausbildung.

Nur: Der Herr WIFO-Experte hat wenig Ahnung davon, wie die Jobsuche abläuft. Die Jobsuche geht nicht von 8-14 Uhr (75% von Bürozeit 8-16 Uhr). Der soll sich mal 10 Arbeitslose rausgreifen bundesweit und fragen, wie es ausschaut mit den Bewerbungen. Zu welchen Zeiten sie stattfinden, an welchen Orten usw.

Er kommt immer drauf an, ob man im Bereich eines "fleißigen" Arbeitsamtes lebt, das den Klienten im Bundesgebiet herumhetzt, 3 Bewerbungen pro Tag, 7 Tage die Woche, oder im Bereich eines gemütlicheren Amtes.

Ich kenne Leute, die so fleißig sind, daß sie gerne ein paar vielversprechende Jobs aus dem Stellenanzeiger vom Samstagskurier mit einbauen wollen in ihren Bewerbungsplan. Nur fehlt oft die Zeit dafür. Weil das Arbeitsamt vorschreibt, für welche offenen Stellen man sich zuerst bewerben muß. Und wenn der Chef nie zu sprechen ist, kriegt man auch keinen Stempel, egal wie oft man hinfährt.

Das Problem in manchen (Tiefpreis-)Branchen: Die Stellenangebote speziell vom Arbeitsamt sind oft unseriös. Die Firma wartet schon seit Monaten oder Jahren "auf geeignetes Personal, weil die bleiben alle nicht lang, bei uns hat Faulheit keine Chance", sagen aber gleich bei der Bewerbung brühwarm dem Bewerber ins Gesicht, daß man sich leider nur leisten kann, nach Kollektivvertrag zu zahlen, Teilzeit natürlich, weil Vollzeit kostet zu viel, man erwarte sich aber den Geschäftsanforderungen entsprechend freiwillige Überstunden, die man natürlich auch nicht zahlen kann, aber der Bewerber soll froh sein, endlich einen Job zu haben.

Und die anderen Firmen, die aus der Zeitung, die keine Extraleistungen des Arbeitnehmers erwarten, die sind leider zu oft zu gut nachgefragt, der schlechtere Bewerber hat das Nachsehen gegenüber dem schnelleren, jüngeren, besser ausgebildeten.

Aber es ist schon so, daß viele Arbeitslose genug versuchen, um einen Job zu bekommen. Auch mehr als 75% der Woche lang, aber zu unmöglichen Zeiten, frühmorgens, nachts, am Wochenende, und dafür schwierige Wege und hohe Unkosten auf sich nehmen, um die Chancen auf einen Job nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.

Die soziale Hängematte, das ist ein Vorurteil aus der Phantasiewelt der WIFO-Experten und weiter Kreise der Wirtschaft und Bevölkerung, das immer wahrer zu werden scheint, je öfter man es wiederholt.
-------------------------------------------------
Der Sozialexperte und ehemalige Schispringer Andreas Goldberger hat in der Zeitung vor einigen Tagen auch sein Rezept gegen die Arbeitslosigkeit bekannt gegeben:

Wenn er was zu reden hätte (Bundeskanzler wär), tät er das Arbeitslosengeld kürzen, da würden wir schon sehen, wie schnell die Faulen fleißig werden.

Ja, die faulen Säcke brauchen ja nur ein paar Sekunden sympathisch für die Lidl-Werbung in die Kamera sprechen, schon rollt der Rubel, und man braucht 2 Jahre nix mehr arbeiten, soviel kriegt man dafür, auf einfache Art, und durch ehrliche echte Arbeit!

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Krankenversicherung für Sozialfälle zu teuer
Rang: Jaeger_und_Sammler(30) ProfilBuddyIgnorieren (am 13.12.06 12:15)

http://www.orf.at

E-Card für Sozialhilfeempfänger: Finanzierung offen
Die Einführung der E-Card für Sozialhilfeempfänger hängt vorerst in der Warteschleife. Wie die APA aus dem Gesundheitsministerium erfuhr, möchte man auf die Vorschläge der Salzburger Vorsitzführung der Landeshauptleute-Konferenz warten.

Salzburg übernimmt den Vorsitz von Oberösterreich am 1. Jänner. Andere Chancen sehen die Verhandler des Ministeriums derzeit nicht.

Ablehnung der Länder
Das zuletzt in einer Arbeitsgruppe ausgehandelte Papier - akkordiert zwischen Landessozialreferenten, Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Gesundheitsministerium - hat die Landeshauptleute-Konferenz am 4. Dezember doch wieder abgelehnt.

Die darin vorgesehenen Krankenversicherungsbeiträge für die rund 19.000 Sozialhilfebezieher bundesweit hätten die Länder pro Jahr insgesamt 53 Mio. Euro gekostet, pro Person und Monat wären 233 Euro zu entrichten gewesen. Den Ländern war dieser Vorschlag aber immer noch zu teuer, obwohl er sich aus ihren eigenen Datensätzen über die Zahl der Betroffenen und die für sie aufgewendeten Summen für die "Krankenhilfe" errechnet.

Ministerium weist Argumente zurück
Das Argument der Bundesländer, die Gesundheitsversorgung sei Bundessache, zumal sie in einem Bundesgesetz geregelt ist, weist man im Ministerium zurück. Es gehe nicht um die Art der Leistung, sondern um die Zuständigkeit für die Betroffenen.

Und Sozialhilfebezieher fallen in die Kompetenz der Länder. Außerdem hätten die Länder einige Betroffene sehr wohl krankenversichert, heißt es aus dem Ministerium. Man mutmaßt, dass es sich dabei um diejenigen handelt, deren Behandlungen über die Krankenhilfe teurer sind als regelmäßige Versicherungsbeiträge.

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Zwei Betrachtungen zum Grundeinkommen
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 08.1.07 21:57)

Hier zwei Texte, die sich mit grundlegenden Gedanken zum Thema "Grundeinkommen" beschäftigen. Das eine ist eine verhaltenstheoretische Überlegung, das andere (aufbauend) eine ökotrophologische Betrachtung. Beide Worte mögen zwar abschrecken, doch der Text ist einfach gehalten - aber regt stark zum Nachdenken an - vor allem über sich selbst

Verhaltenstheoretische Betrachtung eines Grundeinkommens

Ökotrophologische Betrachtung eines Grundeinkommens

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Dilthey-Modell
dj2000(0) ProfilBuddyIgnorieren (am 29.4.07 23:29)

Rechtzeitig zum 1. Mai hat mir Matthias Dilthey soeben die Freigabe für seine Beschreibung zur "Ausgestaltung eines emanzipatorischen BGE" gegeben und mich gebeten, den Link weiterzuleiten. Das PDF findet sich unter anderem hier:
http://www.iovialis.org/download

Bisher kenne ich kein BGE-Modell, das auch transnationale und internationale Aspekte berücksichtigt, sowie staatsunabhängig funktionieren kann. Krankenversicherung, Rentenproblematik, Arbeitsbetrachtung und Kapitalbeschaffung sind in dem Modell genauso berücksichtigt, wie verschiedene Auswirkungen von Steuern, die zur Finanzierung erhoben werden. Die zugrundeliegenden Gedanken und Hintergründe des Modells sind in der Form einmalig und durchweg nachvollziehbar, aber einfach verständlich. Das Modell geht auch auf anderen Ansätze (TG-M und Werner) ein und zeigt deren Schwachpunkte auf.

In dem PDF sind viele Quellen angegeben, wodurch das Dilthey-Modell sehr fundiert ist. Nach meinem Kenntnisstand wurde dieses Modell seit Mitte der 80er Jahre entwickelt und lag bisher nur fragmentiert vor. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden diese Teile zu diesem Dokument zusammengefaßt. Im Oktober 06 wurde mir das Modell in einem persönlichen Gespräch erklärt, worauf es zur Zusammenarbeit mit Matthias Dilthey kam.

Wer Lust hat, kann unter folgendem Link mitdiskutieren:
http://psgd.info/forum/thread.php?goto=lastpost&threadid=996


Viele Grüße aus Kiew,

Iovialis

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Bedarfsorientiertes Grundeinkommen
Rang: Jaeger_und_Sammler(30) ProfilBuddyIgnorieren (am 27.1.08 21:17)

Damit dieser Thread nicht der Vergessenheit anheim fällt,
kick ich ihn an den Forumsanfang

Otto berichtet von einer Grundeinkommensdiskussion im kleinen Kreis (Erwin Buchinger, Heide Schmidt, H.P. Haselsteiner), und davon, warum er sogar die häßlich klingende "Negativsteuer" für besser hält als das "bedarfsorientierte Grundeinkommen", Umbenennung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe.

Es soll der Beginn einer kurzen Serie von Beiträgen zu diesem Thema sein:
http://www.be24.at/blog/entry/13451/so-war-die-ioge-diskussion-haselsteiner-schmidt-buchi nger-ueber-grundeinkommen-sozialschmarotzer-etc

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Thema #4925

Vorheriges Thema | Nächstes Thema

5
Powered by DCForum+ Version 1.27
Copyright 1997-2003 DCScripts.com
0.05