Kapitalmarkteinschätzung 2010 (Stand : 17.10.2009)
von Dirk Schmidt-Sinns (dissi@web.de)
Der rasante Kursanstieg in
verschiedenen Anlageklassen seit März 2009 hinterläßt bei vielen Marktteilnehmern gemischte Gefühle.
Nach gefühlter Weltuntergangsstimmung zu Jahresbeginn haben Investoren in einer Hoffnungsrallye die
Kapitalmärkte stabilisiert, indem sie bei Risikopapieren aller Art die Untergewichtung korrigierten und
wieder investierten.
Im Spätherbst 2009 haben viele Anlageklassen ein Niveau erreicht, welches im
Marktkonsenz so ambitioniert ist, daß nun harte Fakten über weitere Kursveränderungen entscheiden
werden. War der bisherige Aufschwung stimmungsgetragen, kann ein weiterer Kursanstieg nur von deutlichen
Verbesserungen in der realen Wirtschaft getragen werden. Bleibt diese Verbesserung aus, droht den
Märkten neues Ungemach.
1.) Die ökonomische Großwetterlage
2.) Die Situation der
Unternehmen
3.) Anlagenotstand in allen Assetklassen
4.) Ausblick 2010
1.) Die
ökonomische Großwetterlage
Der Schuldenstand der Industrienationen (USA, Europa, Japan) ist
durch Finanzkrise und Rezession auf absolute Höchststände gestiegen. Die Rettung der Banken und die
Stimulierung der Wirtschaft durch Konjunkturprogramme der Regierungen hat immenses Kapital verschlungen -
nun droht den Staaten in den nächsten Monaten die Einnahmeseite wegzubrechen. Um diesem Einbruch zu
begegnen, stehen Steuererhöhungen an, werden Konjunkturpakete zurückgefahren und drohen harte
Kosteneinsparungen im Fiskalhaushalt.
Diese Maßnahmen sind unpopulär und schrecken die Politik.
Die Hoffnung auf einen nun selbsttragenden Aufschwung der Realwirtschaft wird damit zum einzig
verbliebenen Rettungsanker. Nur ein höheres Wirtschaftswachstum verspricht mehr Steuereinnahmen und
reduziert die Notwendigkeit unangenehmer Handlungsalternativen. Und da Wirtschaft bekanntlich zu 80 % aus
Psychologie besteht, kann
ein bißchen Zweckoptimismus ja nicht schaden.
Speziell in den
USA hat die Veröffentlichung unzähliger Wirtschaftsdaten eher Marketingcharakter. Ein klares Bild der
tatsächlichen Entwicklung der wirtschaflichen Situation in den USA läßt sich nicht ableiten, dazu sind
die Zahlen und ihre Ermitt-
lung oftmals viel zu nebulös.
Fakt ist, daß nur durch
immense staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, ein stärkerer Absturz in die Rezession vermieden wurde.
Abwrackprämie für Autos, Kaufanreize für Immobilien, Zinssubvention für säumige
Hypothekengläubiger, Hilfspakete für angeschlagene Firmen, Kurzarbeitergeld und Steuerschecks für
Konsum - um nur ein paar Maßnahmen zu nennen.
Eine derartige Unterstützung der Wirtschaft
ist auf Dauer nicht bezahlbar und daher wird der sich selbsttragende Aufschwung herbeigebetet. Die
Effekte dieses Aufschwungs wiederum müßen den Wegfall der staatlichen Eingriffe überkompensieren.
Wie schwer das werden dürfte, läßt sich am Beispiel der Abwrackprämie erahnen. Durch die
Abwrackprämie wurde eine Vorwegnahme der Autokäufe der nächsten Jahre erreicht. Der
Gebrauchtwagenmarkt hat in dieser Zeit enorm gelitten und
die Hersteller von Mittel- und
Luxusklassewägen haben kaum profitiert.
Insbesondere kleine, spritsparende Autos wurden verkauft.
In 2010 dürfte die Nachfrage in diesem Segment um bis zu 30 - 40 % einbrechen. Wird dieser Einbruch von
neuen Autokäufern ausgeglichen, die aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage neue Autos kaufen ?
Sofern die Staaten ihre Unterstützung für die Wirtschaft deutlich reduzieren, droht im
schlimmsten Fall ein Rückfall in die Rezession. Haushaltsdisziplin und steigende Steuern sind ebenfall
Belastungsfaktoren für das Wirtschaftswachstum.
Bleiben drei Faktoren, die für ein höheres
Wirtschaftswachstum sprechen könnten. Der Konsument, die Firmen (siehe Kapitel 2) und die
Schwellenländer (China, Indien, Lateinamerika)
Der Konsument hat sich in Europa und Japan als
Stütze der Wirtschaft erwiesen. Wurde der Privatkonsum in den letzten Jahren, speziell in Deutschland,
eher als Wachstumsbremse begriffen, zeigte sich in der Krise, daß ein sparsames Volk in schlechten
Zeiten eher in der Lage ist, sein bisheriges Konsumverhalten beizubehalten. So schnell wird aus einer
Bremse ein Stabilisator.
Länder mit einer niedrigen Sparquote in der Vergangenheit verfügten
nicht über diesen Stabilisator.
Entscheidend für die Stabilität des Konsums ist auch die
Arbeitsplatzsicherheit. In Nationen mit geringem Kündigungsschutz sind die Arbeitslosenzahlen bereits
enorm gestiegen, bspw. in USA, wo sich die Arbeitslosenquote verdoppelt hat auf fast 10 %. Während die
Amerikaner möglicherweise zukünftig ihren Arbeitsmarkt
schneller stabilisiert bekommen, drohen in
Deutschland durch den Wegfall der Kurzarbeit stark steigende Arbeitslosenzahlen. Dies dürfte den Konsum
in 2010 belasten.
Der Wegfall von Konsum in den Industrienationen könnte durch einen
erhöhten Konsum aus den Schwellenländern ausgeglichen werden. In einer ersten Globalisierungswelle
wurden einfache und personalintensive Fertigungsschritte an Billiglohnstandorte übertragen. Dies führte
dazu, daß Länder wie China und Indien einen
Boom erlebten, der allerdings stark von ausländischer
Nachfrage getrieben war.
Andere Länder wie Russland und Brasilien finanzierten ihren Konsum durch
den Verkauf ihrer Rohstoffe auf dem Weltmarkt. Mit dem Einbruch der Rohstoffpreise sank dieser Konsum
wieder deutlich.
China hat auf die Weltfinanzkrise mit einem enormen Konjunkturpaket für die
heimische Infrastruktur reagiert und schafft damit die Voraussetzung für weiteres Wirtschaftswachstum.
Das Land hat erkannt, daß es - nur als billiger Produzent für ausländischen Konsum - keine nachhaltige
Entwicklung seiner Volkswirtschaft erreichen kann.
Aber die Entwicklung eigener Kaufkraft in China
wird nicht so dynamisch verlaufen, wie sie während der Auslagerung internationaler Produktion für
Billiglohn erfolgte. Nun gilt es, im internationalen Wettbewerb eigene Produkte zu positionieren.
Gleichzeitig werden Länder, wie China und Indien weiterhin von ihren deutlich niedrigeren Lohnkosten,
auch für qualifizierte und hochqualifizierte Tätigkeiten, profitieren können. Allerdings wird auch
diese Entwicklung weniger dynamisch erfolgen können, als dies in der ersten Globalisierungswelle der
Fall war.
Der Rückgang des ausländischen Konsums wird das Wirtschaftswachstum in den
Schwellenländern begrenzen. Der Beitrag dieser Länder zum Weltwirtschaftswachstum wird deutlich positiv
sein, allerdings den Nachfragerückgang in den Industrienationen nicht ausgleichen können.
Fazit : „Die Rezession ist vorbei !" - denn Rezession definiert sich als Rückgang des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) über mindestens drei Quartale in Folge. Das wiederum bedeutet, daß das
erste Quartal mit positivem Wachstum das Ende der Rezession bedeutet.
Nach der Lehman-Pleite fiel
die Wirtschaftsleistung rasant innerhalb kürzester Zeit.
Vor allem brach das BIP massiv ein.
Dieser Effekt läuft im Herbst 2009 aus, d.h. auf Basis von Vorjahresvergleichen wird der enorme Einbruch
der Wirtschaft ab 2010 ausgeblendet. Das Ende der Rezession bedeutet dabei in keinstem Fall die Rückkehr
zu den Wachstumszahlen der Vorjahre.
Dauerhafte Nachfrageausfälle erzeugen die
Überschuldungssituation der Amerikaner (private Haushalte, Kommunen und Staat) und die
Überschuldungssituation der Staatshaushalte der Industrienationen. Steuererhöhungen und die Rücknahme
staatlicher Hilfspakete werden die Nachfrage belasten.
Ausgleichend wirkt die steigende Nachfrage
aus den Schwellenländern. Sie wird allerdings die dauerhaften Nachfrageausfälle aus den
Industrienationen nur zum Teil kompensieren.
Die Industrienationen könnten versucht sein, ihre
angespannten Staatshaushalte weiterhin zu ignorieren und unter Erhöhung der Staatsschulden weiterhin
weder Steuern zu erhöhen, noch die Kosten im Staatshaushalt zu senken und bei Bedarf die Wirtschaft
weiterhin auf Pump zu stützen. Dies würde die Staatsschulden exlodieren lassen, aber weiterhin ein
Wirtschaftswachstum „auf Kredit" erzeugen.
Politisch wird man sich folglich für einen Mittelweg
entscheiden - „Das eine tun, das andere nicht lassen !"
In diesem Szenario wäre ein
moderates, allerdings wenig dynamisches Wachstum möglich.
2.) Die Situation der Unternehmen
Die Weltwirtschaftskrise wird in einigen Sektoren für eine beschleunigte Bereinigung der
Überkapazitäten sorgen. Unternehmen mit hohem Verschuldungsgrad scheiden aus dem Markt aus oder werden
in ihrem weiteren Wachstum mangels Kreditvergabe gehemmt.
Schwierig ist die Situation bei großen
Unternehmen, die im nationalen Kontext „too big, too fail" sind. Diese Unternehmen werden mit
staatlicher Unterstützung am Leben gehalten, was branchenweit dazu führt, daß sich die
Überkapazitäten im
Markt nicht abbauen. Dies belastet global die ganze Branche, da derart
„gerettete" Unternehmen erneut als Wettbewerber auftreten und die Marktbereinigung nicht erfolgt, bzw.
nur in den Ländern erfolgt, die eine staatliche Stützung ihrer Unternehmen ausschließen Ab einer
gewissen Unternehmensgröße folgt daraus, daß diese Unternehmen auf Kosten anderer kleinerer
Wettbewerber am Leben gehalten
werden d.h. perspektivisch zu Lasten noch gesunder Wettbewerber. Dies
fördert den Konzentrationsprozess und die Entwicklung noch größerer Unternehmen und bedeutet
mittelfristig erhöhte Abhängigkeiten im Wirtschaftssystem.
In vielen Branchen sind die
Umsätze stark rückläufig gewesen und oftmals auch heute noch zweistellig im Minus ggü. 2007. Die
Unternehmen haben in der Krise schnell und effizient auf der Kostenseite reagiert und den Umsatz- und
Gewinneinbruch durch Kosteneinsparungen zumindest teilweise ausgeglichen.
In den Quartalsberichten
der letzten zwei Quartale war deutlich erkennbar, das verbesserte Unternehmensgewinne weniger von
Umsatzanstiegen beeinflußt wurden, sondern den ergriffenen Maßnahmen auf der Kostenseite geschuldet
waren. Dies zeigt sich an den stark gestiegenen Arbeitslosenzahlen, bzw. dem starken Anstieg der
Kurzarbeit. Mit angepassten Kostenstrukturen sind die Unternehmen in der Lage die Krise zu
überstehen.
Seit Frühsommer 2009 haben die Unternehmen ihre bis dahin stark reduzierten
Läger wieder aufgefüllt und die Produktion leicht erhöht, um der Stabilisierung der Wirtschaft
Rechnung zu tragen. Diese Effekte haben erste Indikationen für eine verbesserte Wirtschaftstätigkeit
geliefert, müssen sich aber durch reale
Umsatzsteigerungen in den nächsten Quartalen
bestätigen.
Sollten die Umsätze in den nächsten Monaten nicht deutlich ansteigen, bleibt sonst
wenig Potential für weiter steigende Unternehmensgewinne.
Weitere Schritte auf der Kostenseite
werden die erneute Verlagerung von personalintensiven Arbeitsschritten an Billiglohnstandorte sein, was
eine weitere Personalfreisetzung in den Industrienationen bedeutet.
Eine stark steigende Zahl an
Arbeitslosen wiederum wird sich belastend auf die Konsumnachfrage der Industrienationen auswirken.
Ergo ruht die Hoffnung international agierender Unternehmen auf einer steigenden
Auslandsnachfrage der bevölkerungsstarken Schwellenländer. Dort sind höhere Stückzahlen absetzbar, zu
allerdings geringeren Margen. Sollte die Auslandsnachfrage deutlich steigen, könnten diese Unternehmen
davon profitieren und in der Folge die heimischen Zulieferer und damit die heimische Wirtschaft
ebenfalls. Andernfalls würden die Rufe nach neuen staatlichen Fördermaßnahmen laut, um die nächste
Durststrecke ohne große Blessuren zu überstehen.
Fazit : Die Rezession ist vorbei - die
Märkte haben sich stabilisiert. Die Überkapazitäten in vielen Bereichen sind noch da, die
Kapazitätsauslastung ist historisch niedrig. Dies ist ein Umfeld für Verdrängungswettbewerb, zunehmend
auch mit neuen Konkurrenten aus den Schwellenländern.
Moderat steigende Umsätze werden die
Unternehmen auch auf der Kostenseite fordern. In diesem Umfeld wird die Gewinndynamik vom heutigen Niveau
aus eher niedrig sein. War es bis zuletzt möglich, im Rahmen der Stabilisierungstendenzschnell die
Gewinnerwartungen der Märkte zu übertreffen, wird dies in den nächsten Quartalen deutlich schwieriger
werden. Den steigenden Absatzpotentialen in den Schwellenländern stehen stagnierende bis rückläufige
Absätze in den Industrienationen gegenüber. Die Unternehmensgewinne werden maximal moderat steigen.
3.) Anlagenotstand in allen Assetklassen
Die Niedrigzinspolitik der internationalen
Notenbanken hat die Kapitalanlage der letzten Monaten stark beeinflusst. Die kurzfristige Liquidität war
aufgrund der Risikoaversion der Marktteilnehmer ohnehin sehr hoch. Diese Liquidität wurde durch die
Rettungsaktionen für die Banken sogar noch erhöht.
Aufgrund fehlender Investions- und
Anlagealternativen und mit steigender Risikobereitschaft fließen diese Gelder nun zurück an die
Kapitalmärkte und werden dort in vermeintlich fortlaufend handelbaren Anlageklassen investiert.
Interessant ist hierbei, daß das Kapital kaum in der Realwirtschaft investiert wird, sondern
überwiegend die Preise in fast allen Assetklassen in die Höhe treibt. Während Unternehmen über eine
schlechte Kreditversorgung klagen, wird die Liquidität der Marktteilnehmer an den internationalen
Kapitalmärkte investiert.
Während die Inflation im HVPI (Harmonisierter
Verbraucherpreis-Index) auf niedrigem Niveau verharrt, befindet sich der Preisanstieg in den
Anlageklassen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Aktien, Rohstoffe auf einem sehr hohen Niveau.
Aktienmärkte steigen binnen kürzester Zeit um 60 % und mehr, Staatsanleihen sind extrem teuer, obwohl
die Staatsschulden explodieren und Unternehmensanleihen bringen kaum Rendite, trotz weiterhin schwierigem
Umfeld für die Unternehmen.
Problematisch wird dieser Zustand, wenn der Anlagenotstand fast
ausschließlich über steigende Preise an den Kapitalmärkten verarbeitet wird, und in der Realwirtschaft
tatsächlich kaum investiert wird. Dieser Zustand führt zwangsläufig zu einer fortwährenden Bildung
von Spekulationsblasen, deren Platzen die Kapitalmärkte erneut in extremen Stress versetzt. Fast
zwangsläufig sind dann auch wieder Banken involviert, deren Betätigungsfeld „qua Definition" unter
anderem die Kapitalmärkte sind.
Während in der Krise alle Anlageklassen im Gleichklang
fielen - mit Ausnahme von Staatsanleihen und Bankeinlagen - steigen nun alle Assetklassen gleichzeitig
wieder an, mit den besagten Ausnahmen, deren Renditen auf niedrigstem Niveau verharren. Bleiben die
Leitzinsen niedrig, wird sukzessive immer mehr Kapital aus
renditeschwachen Anlagen in Risikoanlagen
switchen. Der Gleichlauf in der Preisentwicklung von Risiko-Assets führt erneut dazu, daß
Diversifikationseffekte im Portfolio kaum erreichbar sind. Dies erhöht die Schwankungsanfälligkeit
aller Portfolien, mit Ausnahme von Staatsanleihen „guter" Emittenten und Bankanlagen.
Die
weitere Entwicklung der Staatsschulden wird die Einschätzung „guter" Emittenten" beeinflussen. So ist
zwingend erforderlich, bei weiter ausufernden Staatsdefiziten, die Bonitätseinschätzung des
betreffenden Landes zu senken.
Staaten müssten höhere Risikoaufschläge bezahlen, die Preise für
Staatsanleihen fallen.
Gleichzeitig sind die internationalen Notenbanken aufgefordert,
Exit-Strategien zu entwickeln, um die enorme Liquidität der Märkte zu verringern, sofern sich die
wirtschaftliche Erholung fortsetzt. Im übrigen muß die Liquidität auch dann verringert werden, wenn
sich die wirtschaftliche Erholung nicht fortsetzt. Die Liquidität würde
ansonsten fortwährend die
Preise kapitalmarktnotierter Assetklassen treiben, da dort die höheren Renditehoffnungen locken. Zu
befürchten ist, daß die Kapitalmärkte in dem Moment, in dem die Notenbanken die ersten Schritte in
diese Richtung andeuten, in deutlichen Streß geraten. Die Hoffnung muß sein, daß die restriktivere
Notenbankpolitik ein Indikator für eine verbesserte Wirtschaftslage ist. Die Aufgabe der Notenbank wird
folglich sein, die Maßnahmen der Exit-Strategie in vielen kleinen Schritten zu vollziehen, die im Rahmen
einer fortschreitenden Genesung der Wirtschaft in Etappen umgesetzt werden können.
Fazit
: Bereits in der Krise wurde offensichtlich, daß es die vermeintlich sicheren Kapitalanlageformen
schlussendlich nicht gibt. Für jede Form der Kapitalanlage mit Realverzinsungsanspruch
(inflationsbereinigt) gibt es Wachstumserfordernisse in der Wirtschaft. Wird die Ökonomie dieser
Wachstumsanforderung dauerhaft nicht gerecht, entfällt perspektivisch jeglicher Renditeanspruch.
Da die Kapitalmärkte - wie der Name schon sagt - durch die Menge des zur Verfügung gestellten
Kapitals bewegt werden, führt eine lockere Geldpolitik der Notenbanken zu einer Bildung von
Spekulationsblasen und Marktungleichgewichten.
Erste Tendenzen hierzu sind bereits erneut wieder
deutlich erkennbar.
4.) Ausblick 2010
In der Krise galt „Cash is King !".
Nach der Krise ilt „Investieren, Investieren ...!".
Da Marktteilnehmer an den Kapitalmärkten
meist von Angst und Gier getrieben sind, ist ihr Verhalten meist wenig rational. Während gestern noch
Sicherheit Trumpf war, besteht schon morgen die Angst, bei einem Aufschwung nicht dabei zu sein.
Entsprechende Renditeerwartungen der Kapitalanleger verstärken dieses Dilemma.
In Zeiten
nachhaltigen Wirtschaftswachstums kann die Mehrzahl der Anleger dauerhaft angemessene Renditen erzielen.
Ohne
Wirtschaftswachstum wird die Kapitalanlage immer mehr zum Glücksspiel. Die Schwankungsbreite
der Märkte nimmt zu und die Investoren sind gefordert für Outperformance rechtzeitig ein- und
auszusteigen. Völlig logisch, daß dies der Mehrzahl der Investoren nicht gelingen kann. Ohne Wachstum
ensteht keine echte Wert-steigerung in der Realwirtschaft und an den Kapitalmärkten wird nur Geld
umverteilt.
Seit geraumer Zeit ist an den Aktien-, Rohstoff- und Immobilien-märkten eine steigende
Schwankungsbreite (Volatilität) erkennbar. Selbst Staatsanleihen - immer noch zu Unrecht als „Hort der
Stabilität" angesehen - wiesen in der Finanzkrise erstmals eine höhere Volatilität auf.
Für das Jahr 2010 wünschen sich die Staaten und Notenbanken eine weitere Erholung der Wirtschaft.
Dafür werden sie vieles tun. Restriktive Schritte werden wohldosiert gehalten, um das fragile
Pflänzchen Wirtschaftswachstum nicht durch eine Rücknahme der ergriffenen Maßnahmen wieder im Keim zu
ersticken.
Nur eine zunehmende Dynamik der Erholung der Wirtschaft würde eine schnellere und
effektivere Vorgehensweise ermöglichen.
Von den Marktteilnehmern an den Kapitalmärkten ist
vermutlich ein weniger besonnenes Verhalten zu erwarten. Die schnellen Gewinne aus 2009 gilt es zu
verteidigen und eine hohe Schwankungsbreite der Märkte schafft die Voraussetzungen für weitere schnelle
Gewinne. Basiseffekte in der Messung des Wirtschaftswachstums führen ab 2010 dazu, daß im
Vorjahresvergleich über Monate hinweg ein deutliches Wirtschaftswachstum berichtet werden kann.
Die
Stimmungsindikatoren sind jetzt bereits wieder nahe ihrer Höchststände.
Auch die
Unternehmensgewinne werden in den nächsten Monaten im Vorjahresvergleich deutlich angestiegen sein.
Allerdings sind dies statistische Größen.
Wenn die Temperatur von 1 auf 2 Grad gestiegen ist, dann
handelt es sich statistisch gesehen um einen Anstieg um 100 % - aber es ist immer noch kalt.
In der Vergangenheit haben Anleger in einem derartigen Umfeld weiterhin investiert.
Die folgenden
Kursanstiege haben andere Marktteilnehmer nter „Performancedruck" gebracht und weitere Investments nach
sich gezogen. Der Markt zog sich quasi selbst nach oben. Unterstützung erfuhren die Märkte stets durch
niedrige Leitzinsen der Notenbank. Diese wurden von einigen Investoren genutzt, um zusätzlich
Spekulationen auf Kredit zu betreiben. Aus heutiger Sicht muß man
davon ausgehen, daß sich diese
Handlungsmuster wiederholen.
Nur entschlossene Maßnahmen der Notenbanken und Staaten können
diesem
Treiben vorzeitig ein Ende setzen. Und genau dieses Handeln wird erforderlich sein, um die
Krisenfestigkeit des Systems zu verbessern.
Würden die Marktteilnehmer stattdessen ebenfalls
„besonnen" handeln, bleibt für 2010 wenig Potential für weitere Kursanstiege in vielen Anlageklassen.
(Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Corporate Bonds, Treasuries)
Dirk Schmidt-Sinns
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