Börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETF, sind die Gewinner der Krise. Anleger können
kostengünstig auf die Entwicklung von Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Währungen setzen.
Sie
sind die jüngsten Lieblinge der Anleger
Mit börsengehandelten Indexfonds, kurz ETF genannt, kann
man sich auf einen Schlag eine ganze Börsenliga wie den MSCI World Index ins Depot holen, auf exotische
Märkte wie den Oman setzen oder mit Rohstoffen reich wie ein Scheich werden. Gezahlt wird auf jeden Fall
nur ein Bruchteil der sonst üblichen Fondsspesen. FORMAT zeigt, was ETF können und wie Investoren am
besten auf Einkaufstour gehen.
Die Bilanz des Jahres 2009 fällt angesichts der allgemeinen
Kurserholung positiv, zum Teil sogar spektakulär aus. So legte der ETF von Lyxor auf den MSCI India seit
Anfang 2009 um 74,3 Prozent zu. Auch bei den ETF-Produzenten gab es in den vergangenen Monaten rundum
zufriedene Gesichter: Während die Anbieter von klassischen Fonds nach der Lehman-Pleite mit einer
massiven Verkaufswelle zu kämpfen hatten, konnten ETF sogar ihren Absatz steigern. So wurden in Europa
in den ersten zwei Quartalen 142 Milliarden Euro in börsengehandelte Indexfonds investiert (siehe
Grafik). Im dritten Quartal ging der Umsatz nach neuesten Schätzungen zwar zurück, langfristig gesehen
bleiben ETF aber auf der Überholspur.
Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Fonds ist leicht
erklärt: Es schaffen nur die wenigsten Fondsmanager, den Vergleichsindex langfristig zu schlagen – der
Grund dafür sind die jährlichen Verwaltungsgebühren von zwei Prozent, die der Fonds erst einmal
erwirtschaften muss, um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen. Dazu kommt noch der Ausgabeaufschlag von
bis zu fünf Prozent. Deshalb suchen Anleger immer häufiger nach günstigeren Alternativen. Und werden
fündig.
Die ETF (eine Abkürzung von Exchange Traded Funds) sind simpel gestrickt
Es
wird ein vorgegebener Aktienindex eins zu eins abgebildet. Die Kursentwicklung ist dadurch transparenter,
die Rendite liegt im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds auffallend oft im Spitzenfeld. Der
Ausgabeaufschlag fällt weg, es müssen nur die Ordergebühren an der Börse sowie der Unterschied
zwischen An- und Verkaufspreis einkalkuliert werden. Die jährlichen Gebühren belaufen sich auf
höchstens ein Prozent, meist jedoch weit darunter. So zahlt man für den iShares Dax nur 0,15 Prozent im
Jahr, für den db x-trackers MSCI World sind es 0,45 Prozent. Dazu sind ETF laufend zur aktuellen
Notierung an der Börse handelbar.
Im Konkursfall Sondervermögen
Auch im Vergleich zu
Indexzertifikaten können sich die Indexfonds sehen lassen. Sind sie steuerlich „blütenweiß“, dann
fallen für Erträge nur etwa fünf Prozent Steuer an, während Anleger von Zertifikaten 25 Prozent
Kapitalertragssteuer an den Fiskus abgeben müssen. Dazu kommt, dass ETF ein sogenanntes Sondervermögen
sind – bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft fällt der ETF daher nicht in die Konkursmasse, das
Vermögen gehört den Kunden.
Neben den einfachen ETFs wie etwa auf den Dax oder EuroStoxx,
bei dem die im Index enthaltenen Aktien eins zu eins nachgekauft werden, boomen auch sogenannte Swap-ETF.
Bei exotischen Märkten ist die Nachbildung des Index nämlich schwierig. Es findet eine Art Tauschhandel
zwischen dem Emittenten des ETF und dem Swap-Partner statt. Man tauscht so zum Beispiel die
Indexentwicklung des Dax gegen die Entwicklung einer Schwellenland-Börse wie der indischen ein. Der
Swap-Anteil am Vermögen der Fonds ist aus Sicherheitsgründen limitiert, weil hier das Restrisiko
besteht, dass die Swap-Gegenpartei insolvent wird. So sind bei der Deutschen-Bank-Tochter db x-trackers
mindestens 90 Prozent des Fondsvermögens echte Aktien.
Selbst im Private Banking entwickeln
sich ETF schon zu Basisbausteinen. Franz Witt-Dörring, Private-Banking-Chef der UBS Österreich: „In
unseren ausgewogenen Portfolios haben wir ETF mit 34 Prozent gewichtet. Wir setzen auf konservative ETF,
weil wir so das Gegenparteirisiko ausschalten.“
Während börsengehandelte Indexfonds im
Ausland seit Jahren auf der Überholspur sind, hinkt Österreich nach wie vor hinterher. Zu den größten
Anbietern zählen iShares, eine Tochter von Barclays Global Investors, db x-trackers und Lyxor, eine
Tochter der Société Générale. Gewiefte Anleger ordern am günstigsten online bei Direktbanken.
Quelle: Format vom 13.11.2009
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