Let's make money - Der Film | aktie.at Forum
Abstimmungsthema: Let's make money - Der Film gut analysiertgut analysiert
Rang: el_gato(11) ProfilBuddyIgnorieren (am 11.11.08 07:30)



Ich komme gerade vom Kino. Habe mir den Film "Let's make money" angesehen (http://www.letsmakemoney.at/). Filmische Attribute kann ich nicht gut genug beurteilen, darum konzentriere ich mich auf den Inhalt.

Ich finde, der Film zeigt ganz gut, wie es in der Welt zugeht. Es sind ja keine Studioaufnahmen dabei und man kennt das ja von den eigenen Reisen in diese Länder bzw. hat andere Dokumentationen gesehen oder darüber in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern gelesen.

Gier und Geld regieren die Welt. Und anhand der Beispiele im Film zeigt sich, wie wenig sich das Gros der Menschen in der westlichen Welt eigentlich damit auseinander setzt, wie "Geld gemacht wird".

Fazit: Im Grundsatz bin ich auf der Seite des Filmemachers, der den reinen Neo-Liberalismus und das Denken unserer Zeit anprangert. Die Ausnützung der Armen zugunsten der Reichen ist leider Faktum und ich bin ein Teil davon, ohne dass ich wirklich etwas dagegen tue. Somit bin ich ebenso schuldig wie viele andere, die in diesem Film als Schuldige hingestellt werden.

Natürlich ist der Film als subjektive Gesellschaftskritik zu betrachten, überzogen in dem Sinne, dass nur "eine" Seite dieses Kuhhandels (nämlich die Armen) wirklich dargestellt wurde. Bei den "Reichen" ist vieles implizit auf die Amerikaner gerichtet. Man muss aber mMn festhalten, dass nicht nur Amerika, sondern auch die Europäer sich in großem Ausmaß an dieser Ungerechtigkeit beteiligen und sie fördern (Stichwort: Agrarsubventionen etc.). Und das, obwohl ich sicherlich einer der USA-kritischten User hier im Forum bin - aber man muss auch sehen, dass wir genauso Dreck am Stecken haben.

Zweitens wird im Film impliziert, es gäbe diese unsichtbare Vereinigung von Menschen, die dieses System in die Welt "gesetzt" haben und dadurch unsagbar reich wurden. Nun, natürlich gibt es viele Superreiche, die überdimensional davon profitieren. Aber die eigentliche, unsichtbare Vereinigung sind wir selbst: die Menschen der westlichen Welt.

Es sind unsere Einzahlungen in die Pensionsfonds, in die Versicherungen und alle übrigen Finanzdienstleister, die diesen Sektor so groß werden ließen. Wir haben auch die Politiker gewählt, die Deregulierung, Privatisierung usw. zu ihren obersten Prinzipien gemacht haben. Es sind Herr Maier, Frau Müller und Co die ihr Geld "arbeiten" lassen wollen und wo 10% Rendite noch nicht hoch genug ist - und am besten steuerfrei!! Wie so oft im Leben sollte man zuerst vor der eigenen Haustüre kehren. Im Film, besonders bei der Überschrift "Wie lange können wir uns die Reichen noch leisten?" kommt es so rüber, als würde es sich hier um ein paar Auserwählte handeln.


Gewundert hat mich, dass ich mit meinem Vater heute in der 4. Reihe sitzen mussten. Ich hatte keine Karten reserviert, weil ich davon ausging, es würde sich niemand für den Film interessieren.

Genauso interessant war aber die Aussage des Kinomitarbeiters: "Der Film ist schlecht, Sie werden sehen". Tjo, ein junger Kerl zwischen 18 und 20 Jahre. Wahrscheinlich ist der Film für ihn schlecht, weil man keine "Action" gesehen hat. Reale Aufnahmen haben wohl keinen Platz in einem Kino ...

Wobei, viele der Zuseher waren jung (jünger als ich) und die meisten weiblich. Das lässt hoffen...

Gute Nacht, freue mich über anregende Diskussionen.

mfg
gato

Abstimmungsergebnis (10 Stimmen)
Habe ihn gesehen, spiegelt die Wahrheit sehr gut wieder. (0 votes)Abstimmung
Habe ihn gesehen, ist aber schwachsinnig und oberflächlich. (1 votes)Abstimmung
Habe ihn gesehen, wusste ich aber schon alles. (1 votes)Abstimmung
Habe ihn noch nicht gesehen, schaue ihn mir aber an und poste dann meine Meinung ;) (3 votes)Abstimmung
Ich werde ihn mir nicht ansehen. (5 votes)Abstimmung

  

  

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Antworten zu diesem Thema
Let's make money - Der Film, ModeratorRang: el_gato(11), 11.1.09 21:17
Subject Auszeichnungen Author Message Date ID
RE: Let's make money - Der Filmgut analysiertgut analysiert
09.11.08 21:46
1
RE: Let's make money - Der Film
09.11.08 21:59
2
      Weltklasse in Verblödung
11.1.09 21:17
3
RE: Let's make money - Der Film
10.11.08 01:03
4
RE: Let's make money - Der Film
10.11.08 08:49
5
      RE: Let's make money - Der Filmgut analysiert
10.11.08 10:32
6
RE: Let's make money - Der Film
10.11.08 11:15
7
RE: Let's make money - Der Film
10.11.08 11:46
8
      RE: Let's make money - Der Film
10.11.08 13:04
9
      RE: Let's make money - Der Film
10.11.08 13:57
10
RE: Let's make money - Der Film
12.11.08 14:40
11

RE: Let's make money - Der Film gut analysiertgut analysiert
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 09.11.08 21:46)

Ich habe mir nur die Vorschau angeschaut: http://www.letsmakemoney.at/

Daran haben mich ein paar Passagen gestört. Unter anderem die Behauptug, daß "privatisieren" von "privare" käme, was "berauben" hieße. Das ist schon ein wenig weit hergeholt, zeigt aber ungefähr, was die Filmemacher von Privateigentum halten.

Auch stört mich die Darstellung, daß des einen Reichtum automatisch des anderen Armut bedeutet. Das ist die Sichtweise einer statischen Gütermenge, die so oder anders verteilt sei kann, aber nicht vermehrt werden kann.

Ich sehe als Ursache für die Armut nicht den Reichtum des Westens oder den "Neoliberalismus", dieses unselige, mittlerweile völlig sinnentleerte Schlagwort des modernen Klassenkampfes. Die Hauptursache für die Amut in Afrika, Südamerika und Teilen Asiens ist die völlg korrupte, mafiose Politik in diesen Ländern, kombiniert mit teilweise kulturell bedingter Indolenz der Bevölkerung.

Entgegen weit verbreiteter Theorien braucht der Westen die Entwicklungländer nicht, und schon gar nicht die Armut dort. Ich möchte aber nicht wissen, wie diese Länder ohne den bösen Westen auskämen, der immer einspringen darf, wenn Nahrung, Medikamente oder Saatgut ausgehen.

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: Warren Buffett(3546) ProfilBuddyIgnorieren (am 09.11.08 21:59)

>Ich habe mir nur die Vorschau angeschaut:
>http://www.letsmakemoney.at/

Ich habe nur ein Interview mit dem Regisseur gelesen. Darin kam
genug linke (bzw. richtiger kommunistische) Propaganda vor um mir den Film sicher nicht anzusehen.

Es gibt sicher genügend Fehlentwicklungen in der "kapitalistischen" Welt - aber das Gegenmodell mit dem Attac und Co sympathisieren hat
grandios bewiesen daß es nicht funktioniert.


  

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Weltklasse in Verblödung
Rang: Warren Buffett(3546) ProfilBuddyIgnorieren (am 11.1.09 21:17)

Ich bin heute zufällig über das Blog von Fleischhacker (Die Presse) gestolpert, sein Kommentar:

--------------

Weltklasse in Verblödung



"Let's Make Money", der neue Film von Erwin Wagenhofer, wird ein Welterfolg werden, darüber sind sich unsere Cineasten einig: tolle Bilder, tolles Handwerk. Unsere Ökonomen fürchten, dass das Ding mehr Richtung Michael Moore gehen, also keine Seriositätsexzesse bieten wird.

Schau ma mal. Was ich jetzt, bevor ich den Film gesehen habe, schon weiß, ist, dass jener Mensch, der erklärte, es stecke in jedem guten Schriftsteller deutscher Zunge ein politischer Dummkopf, die Filmemacher vergessen hat.

Erwin Wagenhofer sagt in der heutigen Ausgabe der "Kleinen Zeitung" auf die Frage nach dem Dollar als Leitwährung: "Längst ein Fake. Nixon hätte die Schulden des Vietnam-Krieges nicht in Gold zurückzahlen können. Also machte man Öl zur Leitwährung. Öl darf nur in Dollar bezahlt werden. Saddam Hussein wollte dieses Prinzip durchbrechen. Deshalb der Krieg."

Das ist ungefähr das Niveau, auf dem die Haider-Verschwörungstheretiker mit ihren Mossad-Theorien agieren. Frau Schmied, hört man, will nun in ihrer Funktion als Unterrichtsministerin dafür sorgen, dass der Film als Lehrmittel in den österreichischen Schulen eingesetzt wird.

Sie weiß wohl, wovon sie spricht, kommt sie doch aus der "Moneymaker"-Welt. Ich glaube, ihr Institut hieß Kommunalkredit.

  

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RE: Let's make money - Der Film
FulgorX(6) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 01:03)

>Gewundert hat mich, dass ich mit meinem Vater heute in der 4.
>Reihe sitzen mussten. Ich hatte keine Karten reserviert, weil
>ich davon ausging, es würde sich niemand für den Film
>interessieren.

du hast einen platz bekommen ohne reservierung. wo wohnst du bitte?

die vorstellungen sind eigentlich immer ausverkauft. letztes wochenende sind die leute freiwillig noch auf stiegenplätzen gesessen nur um sich diesen film anzusehen. du hattest riesen glück.

>Genauso interessant war aber die Aussage des Kinomitarbeiters:
>"Der Film ist schlecht, Sie werden sehen". Tjo, ein
>junger Kerl zwischen 18 und 20 Jahre. Wahrscheinlich ist der
>Film für ihn schlecht, weil man keine "Action"
>gesehen hat. Reale Aufnahmen haben wohl keinen Platz in einem
>Kino ...

ich fand in zwar nicht schlecht, aber er erfüllte bei weiten nicht meine erwartungen. ich kann ihn nicht weiterempfehlen.

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: el_gato(11) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 08:49)



Nun ja, ich wohne nicht in Wien - soviel steht fest


Weiterempfehlen ist so ne Sache. Wahrscheinlich wie mit dem Klimawandel. Man muss radikale Bilder einsetzen, um zumindest bei den meisten Menschen ein bischen einen Denkprozess zu starten. Der Film ist subjektiv und es kommen nur jene Bilder und Themen vor, die man schon als "Kehrseite" unseres Wirtschaftssystems bezeichnen kann.

Ein Argument kann ich aber so nicht stehen lassen: Der Neo-Liberalismus ist in der Form, wie er den ärmeren Ländern dieser Welt aufgezwungen wurde, schuld an deren Misere. Natürlich gehören korrupte Regierungen zum Spiel -> aber wer schmiert und korrumpiert denn diese Regierungen? Der Westen, also wir und unsere Regierungen und Behörden.

Lehnen sich die Leute da unten auf, dann gibts tausende Tote mit den Waffen, die wir hinliefern. Da hat sich seit der Kolonialzeit leider nichts geändert. Und wir als reiche Länder brauchen dieses Elend, weil wir dadurch viele Produkte sehr billig bekommen und unser Reichtum damit größer wird (zumindest der Zwischenhändler, die diese Produkte für wenig kaufen und für viel verkaufen).

Und leider ist nicht jedes betroffene Land ein ehemaliges Russland, denen es im übrigen genauso ging unter der Marionette Jelzin. Dank der Rohstoffe sind sie wieder dick da und die Leute dort sind froh über ihre "starken Männer" an der Spitze, v.a. Putin.

Aber man muss schon klar festhalten, dass die Beispiele in dem Film ganz gezielt ausgewählt wurden. Genauso, wie die auf "der anderen Seite" sich ihre Bilder und Statistiken aussuchen, um uns die Augen auszuwischen . Ein Kampf der Extreme sozusagen.

mfg
gato

  

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RE: Let's make money - Der Film gut analysiert
Rang: Hagen(760) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 10:32)

Natürlich gehören korrupte Regierungen zum Spiel -> aber wer schmiert und korrumpiert denn diese Regierungen? Der Westen, also wir und unsere Regierungen und Behörden.

Wenn Du eine Fabrik bauen willst, und die lokalen Behörden erlauben Dir das unter folgenden Auflagen:

- Du musst den Bauauftrag an eine Firma vergeben, die zufälligerweise dem Bürgermeister gehört
- Du mußt Dich bei der Zentralregierung dafür einsetzen, daß der laufende Korruptionsprozeß gegen den Bürgermeister eingestellt wird
- Du mußt einen Beratungsvertrag mit einer Firma abschließen, die sich um alle Genehmigungen kümmert

Du hast nur die Wahl zwischen ja und nein. Was machst Du? Ist es besser für das Zielland, wenn Du trotzdem baust, oder wenn Du ganz moralisch bist und unter solchen Bedingungen keine Geschäfte machst?


Lehnen sich die Leute da unten auf, dann gibts tausende Tote mit den Waffen, die wir hinliefern. Da hat sich seit der Kolonialzeit leider nichts geändert.

Das schon, ist aber ein böses Beispiel. Auch hier gibt es eine andere Seite.
Wenn der Afrikaner den Arzt ruft, tut er das mit einem westlichen Handy über ein von westlichen Firmen errichtetes Netz. Wenn der Arzt dann mit seinem japanischen Auto kommt, bringt er von westlichen Firmen entwickelte Medikamente mit ... ohne Wirtschaftsbeziehungen zu den Industriestaaten sähe es in den Entwicklungsländern noch viel schlimmer aus.


Und wir als reiche Länder brauchen dieses Elend, weil wir dadurch viele Produkte sehr billig bekommen und unser Reichtum damit größer wird (zumindest der Zwischenhändler, die diese Produkte für wenig kaufen und für viel verkaufen).

Das halte ich für einen Mythos. Es wäre auch für uns wesentlich besser und auch lukrativer, wenn die Armen mehr Geld hätten, gesünder wären, für sich selbst sorgen könnten, und sich nicht gegenseitig die Schädel einschlagen würden.

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: miramar(9) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 11:15)

Hmmm, ich schwanke ob ich mir den Film anschauen soll. Vor allem, weil dem Filmemacher der Bezug zur Finanzwelt fällt und wie erwähnt scheinbar nur die negativen Aspekte des Systems (die ohne Zweifel vorhanden sind) dargestellt werden.

Das System bringt auch viel Gutes mit sich (aber eben so viel Schrott).

Wie wir jetzt sehen, ist alles was mit Neo- beginnt (Neo-Cons, Neo-Liberalen) eindrucksvoll gescheitert, die Frage ist, wie korrigiert man diese Fehlentwicklungen jetzt. Ob dieser Film dazu eine Antwort geben kann, bezweifle ich stark. Zu sehr scheint mir hier eine Nähe zu Attac & Konsorten gegeben.

Werd mir das Machwerk aber wohl trotzdem geben.

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: mr_panini(26) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 11:46)

wo man den filmemachern ein riesenkompliment machen muss ist aber zweifelsohne ihr timing!

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: Finanzer(573) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 13:04)

>wo man den filmemachern ein riesenkompliment machen muss ist
>aber zweifelsohne ihr timing!

eben - geschäftemacherei, ausnutzen der schlechten lage vieler menschen aufgrund der krise könnte man zynisch argumentieren.

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: mr_panini(26) ProfilBuddyIgnorieren (am 10.11.08 13:57)

>>wo man den filmemachern ein riesenkompliment machen muss
>ist
>>aber zweifelsohne ihr timing!
>
>eben - geschäftemacherei, ausnutzen der schlechten lage vieler
>menschen aufgrund der krise könnte man zynisch argumentieren.

glaubst du leicht die haben vor wenigen monaten begonnen für den film zu recherchieren?

  

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RE: Let's make money - Der Film
Rang: cdh79(17) ProfilBuddyIgnorieren (am 12.11.08 14:40)

Ich werde ihn mir nicht ansehen, da ich im Ausland wohne und somit die moeglichkeit dazu nicht habe.
Ich bezweifle, dass es den Film naechstes Jahr (ist der frueheste Termin zu dem ich wieder in Oesterreich bin) noch spielt, aber falls wuerde ich ihn mir schon ansehen.

Dass man nicht alles dargestellte als Faktum sehen sollte ist so wie bei so ziemlich allem logisch, aber gewisse Bewegsgruende fuer den Regisseur/Autor interessieren mich dennoch.

  

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Thema #4140

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