Gewinn vom 01.06.2008
Die Zinsen für täglich Fälliges sind mit über vier
Prozent so hoch wie schon lange nicht mehr. Nur wie lange noch? GEWINN hat sich kurz laufende
Cash-Alternativen zu Spareinlagen angeschaut, die bis zu acht Prozent bringen.
Unsichere
Zeiten wecken den Appetit auf sichere Erträge. Die bekommt man für Geld auf Sparbüchern und sie sind
derzeit sogar relativ hoch. Bis zu 4,46 Prozent bringen täglich fällige Einlagen bei heimischen Banken.
Wer sein Geld zumindest kurzfristig binden kann und will, der erhält für Termineinlagen noch ein paar
Prozentzehntelpunkte dazu.
"Der Drei-Monats-Euribor ist sehr hoch", sagt Caroline Höll,
Fondsmanagerin bei der Schoellerbank. "Daher sehe ich momentan für einen Anlagehorizont von einem Jahr
gar keine Alternative zum Festgeld. Mittelfristig kann das freilich anders aussehen." Da der Zinssatz im
Zuge der Beruhigung an den Finanzmärkten eher zurückgehen werde, sei, so Höll, eine fixe Verzinsung in
jedem Fall vorzuziehen.
"Eine strategische Cash-Reserve sollte man allerdings immer halten,
schon deshalb, um liquide zu bleiben", sagt etwa Susanne Höllinger, Leiterin des Private Banking der
Erste Bank. Die derzeit hohen Zinsen sollten dennoch nicht dazu verleiten, zu viel Geld kurzfristig zu
"parken".
Die KESt schlägt zu
Denn auch bei hohen Zinsen bleibt nach der
Kapitalertragsteuer oft eine Rendite übrig, die sich nur geringfügig über der Inflation bewegt.
Immerhin: Die Volksbank Graz bietet mit ihrem "Save & Cash plus" 4,46 Prozent, die Volksbank Kufstein mit
ihrem Online-Produkt "livebank.at" für täglich fälliges Geld 4,33 Prozent Zinsen. Die Allianz zahlt
mit "Allianz Top Cash" vier Prozent - täglich fällig und ab dem ersten Euro. Das Online-Konto
"Profit-Konto netbanking" der Steiermärkischen Sparkasse zahlt für täglich Fälliges 3,875 Prozent.
Bei einer entsprechenden Einlagenhöhe, einer langjährigen Kundenbeziehung und entsprechendem
Verhandlungsgeschick kann auch bei anderen Instituten ähnlich viel herausschauen. Noch mehr bekommt man,
wenn man sich bindet. Beispielsweise auf zwölf Monate: Da bietet die VakifBank mit ihrem
"Fixzinssparbuch" ab einer Einlage von 100 Euro 4,625 Prozent. Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien zahlt
ebenfalls ab 100 Euro fixe 4,375 Prozent. Wer bei günstigen Kursen wieder in Aktien einsteigen, also
"allzeit bereit" sein möchte, der ist freilich mit täglich fälligem Geld besser bedient.
Die höchsten Zinsen nur mit "Aber"
Häufig locken auch Zinsen über fünf Prozent -
allerdings muss man da schon genau zwischen den Zeilen lesen. Oft handelt es sich um Kombiprodukte wie
das "Anlage-Duett" der Bawag: Sie zahlt zwar bei einer Ein-Jahres-Bindung 5,5 Prozent, allerdings muss
man gleichzeitig in selber Höhe in einen Fonds investieren. Insgesamt muss man 5.000 Euro anlegen. Die
Hypo Alpe-Adria bietet sogar sechs Prozent für eine Ein-Jahres-Bindung, wenn man zugleich und in
gleicher Höhe in Wertpapiere anlegt. Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien bietet für sechs Monate sechs
Prozent Zinsen, wenn man auch in den Raiffeisen Garantiefonds investiert.
Wie steht's mit der
Sicherheit?
Wem die Namen mancher Banken zu exotisch klingen mögen, für den noch folgender
Hinweis: Alle Spareinlagen sind über den österreichischen Einlagensicherungsfonds mit bis zu 20.000
Euro pro Person wertgesichert. Darüber hinaus beginnt allgemein das Bonitätsrisiko der Bank.
Bankenanleihen statt Sparbücher
Wer mehr als auf einem Sparbuch abcashen möchte, findet
infolge der Kreditkrise bei Bankenanleihen mit guten Bonitäten interessante Alternativen. Mit Stichtag
13. Mai 2008 lag die Sekundärmarktrendite österreichischer Bundesanleihen nur noch bei 4,09 Prozent.
Bankenanleihen, die diese Rendite übertreffen, sind leicht zu finden. Die durchschnittliche
Umlaufrendite heimischer Bankenanleihen liegt mit 5,10 Prozent bereits einen Prozentpunkt darüber. Eine
Umlaufrendite von 5,62 Prozent p. a. bei einer Restlaufzeit von 2,46 Jahren (Fälligkeit 31. Dezember
2010) bietet die 6,75 Prozent RZB Erg.Kap.-Obl. 00-10. Die Erste Bank bietet mit der 4,7 Prozent EB
Anleihe 07-11/S.512 auch noch 4,95 Prozent p. a. Rendite bis 15. November 2011. Ethische Investoren
können bei der ProCredit Holding AG (Inhaberschuldverschreibung V.2007-2027, Fälligkeit 11. Juni 2027)
mit einer aktuellen Umlaufrendite von acht Prozent rechnen. Die ProCredit Holding stellte bisher weltweit
rund zwei Millionen Kunden Kleinstkredite zur Verfügung, um den Aufbau eines kleinen Unternehmens oder
die Expansion kleinbäuerlicher Betriebe zu ermöglichen. Allerdings ist die Laufzeit mit 20 Jahren schon
sehr lange.
Auf kurze Zeit hohe Renditen mit Währungsrisiko
Wer hingegen auf kurze
Zeit hohe Renditen generieren möchte, muss ein Währungsrisiko in Kauf nehmen. Aufgrund des
Rohstoffbooms verfügt der Austral-Dollar über ein günstiges Chancen-Risiko-Verhältnis als
Hochzinswährung. Die in Austral-Dollar denominierten Rabo Australia Ltd. AD-Medium-Term Notes 2004
weisen bei einem Fitch-Rating von AA+ und einer Laufzeit bis 25. Februar 2009 eine Rendite von 7,97
Prozent p. a. auf. Als absolute Renditeknüller gelten Island-Kronen-Anleihen. Bis 12. Mai 2009 (Ende der
Laufzeit) eine Rendite von 11,72 Prozent p. a. können risikofreudigere Anleger mit den International
Bank Rec. Dev. IK-Medium-Term Notes 2007(09) erzielen. Die International Bank for Reconstruction and
Development ist eines der fünf Institute der Weltbank, weshalb die kurz laufende Anleihe ein
Fitch-Rating von AAA aufweist.
Gebündelte Unternehmensanleihen
Eine gewisse
Vorsicht ist derzeit bei Unternehmensanleihen aber angebracht, da sich die Zinsdifferenzen zu
Staatsanleihen noch weiter ausdehnen könnten. Wer diese Anlagekategorie beimischen möchte, kann dies
über bewährte Investmentfonds mit dem Schwerpunkt qualitativ hochwertiger europäischer Corporate Bonds
wie beispielsweise den BlackRock Euro Corporate Bond A2 EUR oder den Dexia Sustainable Euro Corporate
Bonds C tun. Letzterer lässt auch sozial-ökologische Kriterien in die Anleihenselektion einfließen und
zeichnet sich durch ein hohes Maß an Stabilität aus.
Defensive Zertifikate als
Sparbuchalternative
Es hat sich mittlerweile - nicht zuletzt auch durch den GEWINN -
herumgesprochen, dass sich defensive Anlagezertifikate mit Teilschutz hervorragend eignen, um vorhandenes
Kapital ertragreich ein bis zwei Jahre bei moderatem Risiko zu "parken". Aktuell ergibt sich mit den
entsprechenden Bonus- und Discountzertifkaten je nach Risikoappetit des Anlegers eine Chance auf Renditen
von immerhin sechs bis rund 15 Prozent per annum, die damit deutlich über den Sparbuchzinsen liegen. Das
Verlustrisiko liegt damit sicher nicht bei "quasi null" wie bei Sparbüchern, ist aber dank Teilschutz
dennoch auf ein überschaubares Maß reduziert: Der Sicherheitspuffer bei Bonus- bzw.
Discountzertifikaten ermöglicht es dem Anleger, selbst bei leicht sinkenden Kursen des Underlyings einen
positiven Ertrag einzufahren. Erst dann, wenn der Basiswert unter eine sogenannte Barriere fällt bzw.
bleibt, schlägt sich das am Ende der Laufzeit in Verlusten nieder. (Verluste während der Laufzeit sind,
ähnlich wie bei Garantiezertfikaten, dennoch möglich.)
Die in der Tabelle angeführten
Beispiele zählen eher zu den defensiven Zertifikaten für vorsichtige Anleger, weil hier die
zugrundeliegende Aktie oder der Index erst 35 Prozent oder mehr verlieren muss, um dem Anleger am Ende
ein Minus zu bescheren (Details siehe Tabelle). Außerdem wurden nur Zertifikate mit einer Restlaufzeit
von ein bis zwei Jahren ausgewählt: Bei kürzeren Laufzeiten ist die Spesenbelastung für Kauf und
Verkauf zu hoch, hingegen fallen längere Laufzeiten nicht mehr in die Kategorie "Geld parken".
Anlegen mit Bonus
In der Praxis funktioniert das bei typischen Bonuszertifikaten so: Beim
"DAX - Protect Bonus"-Zertifikat von Sal. Oppenheim (siehe Tabelle) etwa ist der Anleger an der
Entwicklung des deutschen Leitindex DAX beteiligt: Wenn der Index bis zum Ende der Laufzeit (Dezember
2009) die Barriere bei 4.600 Punkten nicht berührt, bekommt der Anleger am Ende eine Bonuszahlung von
103,8 Euro ausbezahlt, was aus heutiger Sicht (Kaufpreis, Stand 13. Mai: 89 Euro) eine interessante
Rendite von rund zehn Prozent per annum ergibt. Damit hat der Anleger gleichzeitig einen
Sicherheitpolster von über 35 Prozent, der ihn vor Verlusten schützt. Sollte jedoch der deutsche
Leitindex die Barriere auch nur einmal während der Laufzeit berühren oder durchstoßen, so bekommt man
am Ende der Laufzeit die Entwicklung des Index eins zu eins ausbezahlt, was mitunter zu Verlusten führen
kann. Kommt es jedoch anders und der DAX setzt zu einem Höhenflug an und übersteigt die Bonusschwelle
bei 10.380 Punkten, dann ist man als Anleger nach oben hin voll am Gewinn beteiligt.
Wem 35
Prozent Sicherheitspolster nicht genug sind, sollte sich ein anderes Produkt auf Basis des DAX von
Merrill Lynch anschauen: Beim "DAX - 6 % Optizins" ist der maximale Ertrag zwar durch einen Cap in Höhe
von sechs Prozent per annum begrenzt, dafür ist das Verlustrisiko sehr moderat: Die Barriere liegt hier
bei 2.000 Punkten, womit die gewichtigsten deutschen Aktien bis zum Ende der Laufzeit (April 2010) im
Schnitt um mehr als 70 Prozent (!) verlieren müssten, bevor man mit diesem Produkt einen Verlust macht -
da müsste aber schon ein neuer finanzwirtschaftlicher Super-GAU eintreten.
Anlegen mit
Diskont
Wer zu Discount-Zertifikaten greift, kauft damit Indizes oder Aktien zu Diskontpreisen
ein (daher der Name): Zum Beispiel erhält man die Nokia-Aktie über ein Discount-Zertifikat von BNP
Paribas aktuell zum Preis von 9,3 Euro, was einen Rabatt von rund 50 Prozent ergibt. Damit ist man an der
Entwicklung der Aktie beteiligt und erhält am Ende der Laufzeit den Kurs des Basiswerts ausbezahlt. In
diesem Fall ist zwar der maximale Auszahlungsbetrag durch einen Cap auf zehn Euro begrenzt, am Ende kommt
damit aber immer noch eine Rendite von sieben Prozent raus, solange die Aktie am Laufzeitende nicht unter
zehn Euro fällt. Weitere Beispiele für interessante Teilschutzzertifikate finden Sie je nach
Risikoappetit in der folgenden Tabelle oder unter
http://www.euwax.de
bzw.
http://www.onvista.de
Cash-Fonds statt Cash?
Geldmarktnahe
Anlagen wie Cash-Fonds bieten für kurzfristige Anleger die Chance auf einen gewissen Mehrertrag
gegenüber dem Sparbuch. Dafür bringen sie aber auch das Risiko von Kursschwankungen mit sich. "Die
Liquiditäts- und Vertrauenskrise an den Finanzmärkten hat uns gelehrt, dass auch Geldmarktfonds nicht
davor gefeit sind, dass sich der Spread zwischen An- und Verkaufspreis ausweitet - was auf die Rendite
drückt und zu stagnierenden Kursen geführt hat", sagt Thomas Hiesel, verantwortlich für das Salzburger
Privatkundengeschäft der Schoellerbank. Optimisten glauben hingegen, dass sich bei den Geldmarktfonds
der Renditenachteil aus den turbulenten Börsenzeiten nun zu einem Turbo entwickeln könnte - und setzen
gerade deshalb auf Geldmarktfonds.
Top-Unternehmens-anleihen für defensive Anleger
- Royal Bank of Scotland PLC EO-Medium-Term Notes 2008(13), ISIN: XS0363669408;
- Rabo
Australia Ltd. AD-Medium-Term Notes 2004(09), ISIN: XS0184740420;
- INTERNATIONAL BANK REC.
DEV. IK-Medium-Term Notes 2007(09), ISIN: XS0319375316;
- 6,75% RZB Erg.Kap.-Obl. 00-10, ISIN:
AT0000284625;
- 4,7% EB Anleihe 07-11/S.512, ISIN: AT000B001318;
- ProCredit
Holding AG Inhaberschuldverschreibung V.2007 (2027), ISIN DE000A0N37P3;
- BlackRock Euro
Corporate Bond A2 EUR, ISIN: LU0162658883;
- Dexia Sustainable Euro Corporate Bonds C, ISIN:
BE0945493345.
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Gruß