Die 1976 gegründete Dr. Hönle AG hat sich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von
Ultraviolett (UV)-Bestrahlungs- und Messgeräten spezialisiert.
Die High-Tech-Produkte, die
von punktgenauen Handgeräten bis hin zu Großanlagen reichen, finden Anwendung in vielen
Industrie-Bereichen: Neben der Auto-, Luftfahrt- und Pharmaindustrie wird die Hönle-Technik in der
Elektronik, Optik und beim Druck eingesetzt. Vornehmliche Anwendungen ist die Härtung von Kleb- und
Kunststoffen sowie die Farb- und Lacktrocknung, die rund 80 Prozent der Einnahmen ausmachen.
Daneben werden mit Hilfe der UV-Bestrahlung Flugzeugteile auf feinste Risse überprüft, auch die
Simulation des Alterungsprozesses durch Sonnenstrahlung ist möglich. In der Lebensmittel-, Kosmetik- und
Arzneimittel-Industrie wird die UV-Technologie für die Oberflächenentkeimung von Verpackungen
eingesetzt. Auch bei der Herstellung von Handys, CDs und DVDs führt kein Weg an der UV-Technik vorbei.
Bis dato hat die 70-Mann Firma den Großteil der Produkt-Fertigung an Zulieferer ausgelagert.
Lediglich die Montage der Kernbauteile und der Endtest fällt in die Verantwortung der Münchener. Ab
Mitte 2001 sollen die Strahler allerdings in Eigenproduktion gefertigt werden. Mit drei Niederlassungen
in Frankreich, Spanien und England sowie 85 Prozent der Erlöse liegt der Fokus der Gesellschaft klar auf
dem europäischen Markt.
Neben dem Großkunden Grafix Zerstäubertechnik, einem der drei
weltgrößten Druckmaschinen-Hersteller, gehören Infineon, Nokia, BMW, Mannesmann, Sony und Tetra Pack
zum Kundenstamm des Börsenaspiranten.
Geschäftszahlen
Im abgelaufenen Geschäftsjahr
1999/2000 (bis 30. September) erwirtschaftete die Firma einen Umsatz von 14,2 Millionen Euro, nach rund
10 Millionen im Jahr 1998/99. Für das laufende Geschäftsjahr 2000/01 erwartet der Börsennovize Erlöse
in Höhe von rund 18,5 Millionen Euro. Für die Folgejahre 2001/02 und 2002/03 sehen die Prognosen mehr
als 24 respektive 32 Millionen Euro vor.
Der Konzerngewinn lag 1998/99 bei etwa 600.000 Euro,
1999/2000 bei 1,2 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen 1,8 Millionen Euro auf der Habenseite
verbleiben.
Ausblick
Die bisherige Konzentration der Gesellschaft auf den europäischen Markt
soll zugunsten der weltweiten Expansion aufgegeben werden. In erster Linie will das Unternehmen seine
Marktanteile in Nordamerika und Asien ausbauen. Dafür sollen Beteiligungen an den heutigen
Vertriebspartnern aufgestockt und andere Wettbewerber aufgekauft werden. Daneben soll das frische Geld
aus dem Börsengang in die Entwicklung und neue Produktionsanlagen fließen.
Bewertung
Die
Rufe nach mehr Substanz bei Neuemissionen verhallten offenbar nicht ungehört: Mit der Dr. Hönle AG
eröffnet ein Traditionsunternehmen den Emissionsreigen im neuen Jahr. Die Gesellschaft hat sich in der
Vergangenheit erfolgreich neue Anwendungsfelder der UV-Technologie erschlossen. Experten schätzen, das
die bislang erschlossenen Gebiete etwa drei Prozent der möglichen Anwendungsgebiete ausmachen. Das
weltweite Wachstum der UV-Branche wird auf 10 bis 20 Prozent per anno geschätzt.
Keine
schlechte Aussichten für ein Unternehmen, das die Forschung, Projekt-Entwicklung und Produktion aus
einer Hand anbietet. Schlanke Strukturen, langjährige Profitabilität und ein gut funktionierendes
europäisches Vertriebsnetz sprechen für sich. Als Alleinstellungsmerkmal in der Branche ist daneben die
breite Palette der angebotenen Anwendungen anzusehen, die von zyklischen Entwicklungen einzelner
Industrie-Zweige unabhängig macht.
Mit einem Marktanteil von 9,4 Prozent gehört die Dr.
Hönle AG zur europäischen Marktspitze. Außerhalb Europas ist Hönle jedoch weitgehend ein Fremdwort -
lediglich ein Bruchteil der Umsätze kommt aus Nordamerika und Asien. Daher dürfte die Kursentwicklung
maßgeblich vom Erfolg der weltweiten Expansion abhängen. Zu den Wettbewerbern gehören die
amerikanische Fusion Inc, Eye Ultraviolett (Japan) und die deutsche IST Metz GmbH aus Nützingen, die
jeweils ein höheres Geschäftsvolumen in die Waageschale werfen. Auch die am Neuen Markt notierte Adphos
(2001er KGV: 62) beackert mit ihrer NIR-Technologie Teilbereiche des Hönle-Marktes.
Ein
Wermutstropfen ist das Verhalten der Altaktionäre, die bis zu 20 Prozent des Emissionsvolumens
bereitstellen. Mit Blick auf die recht angespannte Börsenlage keineswegs eine vertrauensbildende
Maßnahme.
Fazit: Das Papier ist mit einem maximalen 2001er Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von
35 bewertet - deutlich preiswerter als der Wettbewerber Adphos. Spekulativ orientierte Anleger mit einem
etwas längeren Atem sollten sich daher einige Stücke ins Depot legen.
(Quelle: www.gatrixx.de)