Lief nicht gut in den letzten Monaten: Schlechte Zahlen, jetzt TecDax-Rauswurf. Aber vielleicht ja der
Grundstein für den nächsten Aufschwung? Ich persönlich mach aber trotzdem vorerst nichts.
http://www.finanzen.net/nachricht/ak...-sparen-665506
Singulus-Chef
Lacher: „Wir müssen mehr tun als sparen“
€URO am Sonntag online sprach mit Singulus-Gründer
Roland Lacher über die Zukunft des Herstellers von Blue-Ray-Anlagen.
von Stephan Bauer
€URO am
Sonntag: Herr Lacher, Singulus steigt aus dem TecDax ab. Ist das eine persönliche Niederlage für Sie
als Gründer des Unternehmens?
Roland Lacher: Das ist natürlich nicht angenehm, wenn man absteigt,
ganz klar. Einige Fonds halten unsere Aktie bislang, weil wir im TecDax sind. Doch die Spekulationen um
die neue Indexzusammensetzung haben auch diese Fonds in letzter Zeit verfolgt. Sicherlich gibt es da
einige Verkäufer, doch andere sehen auch die neuen Chancen. Aber letztlich muss man sagen, dass die
niedrige Marktkapitalisierung, die nun zu dem Abstieg führt, auch das Ergebnis unserer Zahlen ist. Und
daran werden wir arbeiten. Sicherlich haben wir dann auch wieder Chance, in den TecDAX aufzusteigen. Wir
sind bei Blu-Ray erst am Anfang und haben noch einige Jahre Potenzial für Wachstum.
Umsatz
und Auftragseingang schrumpfen dramatisch, allein im ersten Halbjahr schrieb das Unternehmen 14 Millionen
Euro Verlust. Es brennt an allen Ecken und Enden. Wie lange wird es denn Singulus noch geben?
Lacher: Ich hoffe noch viele Jahre, davon bin ich auch überzeugt. Ich war drei Jahre im Aufsichtsrat
und habe die Sache von außen verfolgt. Als Aufsichtsrat hat man allerdings nur sehr beschränkte
Möglichkeiten zum Eingreifen, wenn man sieht, dass etwas schief läuft. Schließlich haben wir beim
Personellen angesetzt.
Ihr ehemaliger Vorstand Stefan Baustert musste das Unternehmen Ende
August verlassen. Haben Sie auf den falschen Mann gesetzt?
Lacher: Herr Baustert war ein sehr guter
Finanzchef. Zum Zeitpunkt meines Eintritts in den Aufsichtsrat wurde vereinbart, dass unser damaliger
Vertriebsvorstand mir als Firmenchef nachfolgen sollte. Doch der Mann verließ das Unternehmen wenig
später. Wir baten dann Herrn Baustert, die Position zu übernehmen. Ein externer Kandidat war uns wegen
des knapp besetzten Vorstands zu riskant. Die Firma war zum Schluss jedoch zu weit weg vom Kunden, nicht
präsent genug am Markt. Ich kam schließlich zu der Überzeugung, dass es für einen Finanzmann doch
schwer ist, ein Technologieunternehmen wie Singulus zu leiten.
Das Kerngeschäft mit Maschinen
zur Herstellung von optischen Speichern läuft trotz aller Versprechungen – insbesondere was das Thema
Blu-Ray-Disks angeht – enttäuschend. Hat ihr Vorgänger hier zu lange auf das falsche Pferd
gesetzt?
Lacher: Es ist für mich keine Frage, dass Blu-Ray im Markt angenommen ist und dass der
Markt deutlich wachsen wird. Es gibt auch Studien die sagen, dass Blu-Ray schneller wachsen wird, als die
DVD. Wir sind bei Blu-Ray erst am Anfang und haben noch einige Jahre Potenzial für Wachstum. Das geht
sicher noch acht bis zehn Jahre. Die Frage ist viel mehr, was kommt danach. Sony präsentiert auf der IFA
in Berlin Fernseher für 3D-Filme. Wenn sich das in 5 bis 10 Jahren durchsetzt, wird man sicher auch noch
Speichermedien größer als 50 Gigabyte brauchen. Auf jeden Fall gibt es damit noch ein Potenzial für
die Blu-ray Technologie über das heutige 50-Gigabyte-Format hinaus.
Immer mehr Kunden
beziehen ihre Musik und Filme über das Web. Vielen Experten prophezeien ein baldiges Ende der
Speicher-Scheiben...
Lacher: Das gilt heute für Musik-CDs und vielleicht auch in eingeschränktem
Maße für DVD-Filme. Aber bei hoch aufgelösten Filmen braucht es einfach zu lange, um sich diese via
Web auf den Computer zu laden. Der Marktanteil für online gezogene Filme soll in den nächsten fünf
Jahren Studien zufolge bei fünf, maximal zehn Prozent liegen. Wir leben hier also von neunzig Prozent
des Marktes. Sie müssen zudem sehen, dass nach Sony nun auch Nintendo seine Spielekonsole mit einem
Blu-Ray-Laufwerk ausrüsten wird. Und auch Microsoft wird wohl irgendwann über diesen Schritt nachdenken
müssen. Der gesamte Spielemarkt schwenkt in den nächsten Jahren aus meiner Sicht in Richtung
Blu-Ray.
Was bedeutet das für ihre Auftragsentwicklung?
Lacher: Für 2010 rechne ich
wieder mit 30 bis 35 ausgelieferten Maschinen. Im laufenden Jahr werden es allerdings nur um die 20
sein.
Und wann macht Singulus endlich das wirklich große Geschäft?
Lacher: Der Erfolg
unserer Firma hängt ganz erheblich von der Strategie von Sony ab. Die Japaner haben das Format
entwickelt und stellen selbst Fertigungslinien her. Sony ist unser größter Konkurrent, der aber seine
Maschinen nur im eigenen Konzern installiert und nicht an Dritte liefert. Die Firma hat bislang über 70
Prozent der weltweit ca. 200 Maschinen installiert. Die Frage ist, ob Sony hier künftig weiter
entsprechend dem Wachstum im Gesamtmarkt investiert. Meine Prognose lautet: nein.
Weil sie
dies hoffen oder weil es hierfür Argumente gibt?
Lacher: Das Kerngeschäft von Sony liegt ja nicht
in der Herstellung von Produktionsanlagen. Deshalb glaube ich, dass wir bei einer Ausweitung des
Blu-Ray-Geschäfts auf den Massenmarkt gute Chancen haben, in bislang für uns nicht zugängliche
Bereiche hineinzukommen. Wir sind dabei, Sony zu überzeugen, Maschinen bei uns kaufen.
Kann
der ehemalige Weltmarktführer Singulus die Marktführung bei Blu-ray erreichen?
Lacher: Wenn Sony
sich zurück hält, ja. Wir sind schließlich die einzigen neben den Japanern, die das Know-How haben.
Wie man hört, will Roland Lacher Singulus mittelfristig auf das Fotovoltaik-Geschäft trimmen
und quasi ein zweites Mal erfinden. Auch dieses Geschäft ist jedoch angesichts sinkender Preise für
Solarzellen ziemlich schwierig – oder etwa nicht?
Lacher: Richtig ist, dass der ehemals glänzende
Markt Ende vergangenen Jahres über Nacht eingebrochen ist. Derzeit gibt es angesichts voller Lager und
teilweise auch Kurzarbeit bei den Solarzellenherstellern für neue Investition in Anlagen wenig
Spielraum. Aus der Perspektive des gesamten Technologiezyklus stellt sich die Lage aber anders dar. Wir
kommen in der Solarindustrie erst jetzt an die Schwelle der Massenfertigung, wie etwa der Einstieg von
Bosch in der Branche zeigt. Hohes Volumen, geringe Marge, das wird künftig die Regel für die
Zellenhersteller sein, so wie wir es etwa aus der Halbleiterbranche oder optischen Medien, vor allem den
bespielbaren CDs und DVDs kennen. Für die Zellenhersteller aber heißt das, sie müssen Maschinen
bestellen, die mit niedrigeren Kosten produzieren. Hier können wir uns als Partner für Forschung und
Entwicklung sowie als Anlagenlieferant etablieren.
Und warum sollten die Hersteller gerade bei
Singulus bestellen, bislang haben sie doch noch keine einzige Maschine in der Produktion?
Lacher:
Einige Prototypen stehen hier und gehen in wenigen Wochen in die Fertigung. Es ist uns in der
Vergangenheit ja bereits gelungen, Spieler wie Q-Cells von unserem Maschinenkonzept zu überzeugen.
Leider ist das Unternehmen im Moment von den früheren Planungen abgerückt. Wir sind aber mit anderen
großen Herstellern in Gesprächen und werden die erste Beschichtungsanlage in Kürze liefern. Für die
Dünnschichtsolartechnik haben wir neue umweltfreundliche Technologien zur Verfügung, die es erlauben,
Dünnschichtsolarzellen ohne umweltschädliches Cadmium herzustellen. Da horchen alle auf.
Bleibt es bei den geplanten Restrukturierungsmaßnahmen?
Lacher: Wir werden weniger als die im
Halbjahresbericht erwähnten 190 Stellen abbauen. Inzwischen rechne ich wegen einer verstärkten
Projekttätigkeit auch mit einigen zusätzlichen Auftragseingängen. Dafür brauchen wir diese Leute. Wir
richten uns hier wieder stärker am Kunden und am Markt aus.
Neue Besen kehren gut?
Lacher: Ich verfolge einen unternehmerischen Ansatz, den ich immer hatte: Man muss mehr tun, als
sparen, um Erfolg zu haben.
Im laufenden Jahr rechnen Sie mit deutlichen Verlusten. Wird es
2010 wieder Gewinne geben?
Lacher: Wir wollen 2010 wieder auf Nettobasis profitabel sein.
Mit
Zitat antworten