http://www.boerse-express.com/pages/762826
Anwalt des gestern Abend
verhafteten Bankers Julius Meinl V., Herbert Eichenseder, hat heute, Donnerstag, alle gegen seinen
Mandanten erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Die Verhaftung sei nach einem "mehrstündigen Verhör, wo
viele Probleme ausgeräumt wurden", für ihn vollkommen überraschend gekommen, sagte Eichenseder
gegenüber der APA.
Heute Nachmittag ab 14 Uhr finde am Wiener Landesgericht eine
Haftverhandlung über die Verhängung der U-Haft über Julius Meinl V. statt, so der Anwalt. Die
Staatsanwaltschaft verlange angeblich vom Banker eine Kaution von 100 Mio. Euro, bestätigen könne er
dies aber nicht.
Verdichtete Beweislage
Eine "verdichtete Beweislage" habe dazu
geführt, dass Julius Meinl V. die vergangene Nacht in der Justizanstalt Wien-Josefstadt verbringen
musste. Wie Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, am Donnerstag erläuterte, hätte
diese dazu geführt, dass für den 49-Jährigen noch am Mittwochabend nach einer stundenlangen Befragung
durch den zuständigen Staatsanwalt Markus Fussenegger im Wiener Straflandesgericht die Handschellen
klickten.
Die Justiz befürchtete, der Banker könnte sich ins Ausland absetzen, da er
erkennen musste, dass sich für die ermittelnden Behörden in den vergangenen Wochen der Verdacht mehr
als erhärtet hatte, demzufolge im Zusammenhang mit der Affäre um die Meinl European Land (MEL; heute
Atrium Real Estate) eine Reihe von Strafgesetzbestimmungen gebrochen wurden. Wie Jarosch darlegte, geht
es um den Verdacht der Untreue, des schweren gewerbsmässigen Betrugs und Verstösse gegen mehrere
wirtschaftliche Nebengesetze. Für Julius Meinl V. gilt die Unschuldsvermutung.
Die MEL soll
vor allem Zertifikationsscheine ausgegeben haben, die über mehrere Firmen mit dem Geld von Anlegern
zurückgekauft wurden. "Zweck war, den Kurs der Papiere hochzuhalten", sagte Jarosch. Der zuständige
Staatsanwalt habe Meinl dazu "eingehend befragt".
Rede und Antwort musste Meinl auch zu
sogenannten Partly-Paid-Shares (teileinbezahlte Anteile, Anm.) stehen, "durch die der MEL sehr viel Geld
entgangen ist", wie der Behördensprecher mitteilte. 150 Millionen derartige Anteile wurden aufgelegt,
für die laut Jarosch nur 1 Cent pro Stück einbezahlt wurden. Der damit verbundene Vorwurf der
Anklagebehörde an das Management: "Man hätte diese Anteile jederzeit einrufen können. Das ist nicht
geschehen."
Die weiteren Anschuldigungen betreffen einerseits Werbematerial, in dem die MEL
"als quasi mündelsicher beworben wurde", wie Jarosch erklärte. Das habe "natürlich nicht den Tatsachen
entsprochen". Andererseits wurden dem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge bei der Ausgabe der
MEL-Anteile an die Meinl Bank AG bzw. an Treuhänder "extrem hohe Gebühren ausbezahlt", was - so
zumindest der Verdacht - ebenfalls bewusst rechtswidrig geschehen sein soll.